Lokales

Wenn der OB so richtig auf den Tisch hauen darf

Kunst erfreut die Seele. Und in dieser Woche sorgte die Kunst gleich in mehrfacher Hinsicht für Freude. 33 Künstler stellten 57 Kunstwerke zur Verfügung, um sie in der Glashalle des Nürtinger Rathauses zu versteigern. Bereits zum vierten Mal flossen dabei jeweils 50 Prozent des Erlöses pro Kunstwerk an den Arbeitskreis Leben (AKL). In diesem Jahr waren das 4235 Euro.

ANDREAS WARAUSCH

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NÜRTINGEN Der AKL bietet Menschen in Lebenskrisen und Suizidgefährdeten und deren Angehörigen Hilfe und Unterstützung. Da der Verein rund 40 Prozent seines Etats selbst bestreiten muss, ist der Beitrag der Künstler und der Kunstliebhaber bitter nötig.

Zum ersten Mal betätigte sich Oberbürgermeister Otmar Heirich als Auktionator und konnte bei seiner Premiere einen Rekord verzeichnen. Von den 57 zur Verfügung gestellten Kunstwerken fanden 42 neue Besitzer. Das ist eine tolle Quote. Allerdings wurden nicht so exorbitante Preise erzielt, wie das früher der Fall war. Insgesamt waren die Freunde der holden Musen an diesem Abend bereit, für Bilder und Skulpturen rund 8000 Euro auszugeben. So kam es für den AKL zum Reinerlös von über 4000 Euro und auch für die Künstler blieb insgesamt ein ansprechendes Sümmchen übrig.

"Wir sind sehr glücklich", kommentierte Vorstandsmitglied Susanne Ackermann das Ergebnis. Auch wenn die großen Einzelsummen ausblieben. Den höchsten Preis für ein Einzelwerk erzielte ein Papierrelief Almut Kaisers ohne Titel. 480 Euro legte ein Liebhaber für das Werk der weit über die Region hinaus bekannten Künstlerin auf den Tisch von Frieder Alber.

Für den Arbeitskreis Leben ist die Auktion nicht nur in finanzieller Sicht eine gute Sache. Denn schließlich verbindet sich der Verein auf diesem Weg auch einmal mit den positiven Aspekten des Lebens. Zum anderen kommt man so in die Öffentlichkeit. Das ist wichtig, schließlich gilt es auch Tabus zu brechen. Denn noch immer wird in der Öffentlichkeit nicht gerne über Selbsttötungsgefahr gesprochen.

An diesem Abend aber stand der AKL mit seinen drei hauptamtlichen Mitarbeitern und den 35 ehrenamtlichen Helfern ganz im Mittelpunkt des städtischen Geschehens.

Prominenz war gefragtDafür sorgt nicht zuletzt die Prominenz der Auktionatoren, die für den AKL den Hammer schwingen. Der ehemalige Kulturbürgermeister Guido Wolf war mit seiner knitzen Eloquenz einst der Vorreiter. Der ehemalige Oberbürgermeister Alfred Bachofer folgte in dessen Fußstapfen. Und nun reihte sich Nürtingens noch neuer Oberbürgermeister Otmar Heirich in den Reigen derer ein, die aus Kunst Geld machen und dabei auf beiden Seiten der Staffelei glückliche oder zumindest zufriedene Menschen zurücklassen.

Auch Heirich machte keinen Hehl daraus, dass er den Job gerne übernommen hat. Der AKL erfülle nämlich eine immens bedeutende Aufgabe. Augenzwinkernd hatte der AKL-Vorsitzende Helmut Stotz in seiner Begrüßung vermutet, Heirich habe gleich zugesagt, da er auf diese Art und Weise einmal mit dem Hammer auf den Tisch hauen könne und so abweichend von den Gepflogenheiten im Gemeinderat knallhart für das Ende einer Diskussion sorgen könne.

Problemlos fanden sich unter anderem Abnehmer für zwei Fotografien von Hildegard Ruoff, die Initiatorin und Ideengeberin der Auktion für den AKL ist. Auch zwei Serigrafien ihres Mannes, des bekannten Malers und Bildhauers Fritz Ruoff, gingen gut weg. So richtig leidenschaftlich gesteigert aber wurde erst gegen Ende der über zweieinhalbstündigen Veranstaltung. Zwei Bronzen von Ursula Stock waren zum Beispiel heiß umkämpft. Vor allem die "Venus versponnen", die beim Einstiegspreis von 150 Euro immerhin 310 Euro einbrachte. "Da macht's richtig Spaß", sagte Heirich. Und da war schon klar: Der Novize wird auch beim nächsten Mal wieder zum Hammer greifen.