Lokales

Wenn die Gießkanne zum Kulturgut wird

Der Juni als Monat der Düfte, der Kräuter und der Rosen war der gute Hintergrund, vor dem die Neidlinger Landfrauen des 10-jährigen Gärtnerns im gemeindeeigenen Schulgärtle im ansprechenden Rahmen gedachten und dabei erleben durften, wie die Natur alle Sinne ansprechen kann.

NEIDLINGEN Auch galt es, bereits die zweite Sitzgarnitur im Garten einzuweihen. Hermann Drexler, der auch diese handwerklich gefertigt hatte, zählte mit Albert und Hans Ruoß, die wesentlich beim Aufstellen beteiligt waren, zur geselligen Landfrauenrunde, die von Elsbeth Linsenmayer begrüßt wurde.

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Richtig gärtnern und gießen sind zwei Aspekte im Ablauf eines Gartenjahres. So kam Rosemarie Rieker die Idee, sich auf die Gießkanne einzulassen und bei einem kulturhistorischen Abriss über diesen für Gärten so unerlässlich notwendigen Alltagsgegenstand viel Erstaunliches weiterzugeben. Wie früher wohl gegossen wurde? Nachweislich besprengte man noch im 9. Jahrhundert Saatgut mit bloßen Händen. Bei einem Streifzug durch die Jahrhunderte lernten die Zuhörerinnen Formen, Material, Einzelteile und Bezeichnungen des soliden Gegenstandes kennen. Und da standen viele Exemplare in verschiedenen Ausführungen zur Ansicht: von der Kindergießkanne über Kupfer-, verzinkte Blech-, Keramik- und Plastikkannen reichte die Palette. Da konnte es nicht ausbleiben, dass auch an Pfarrer Sebastian Kneipp erinnert wurde, bei dem die Gießkanne zu einem der wichtigsten Instrumente im Rahmen seiner mit Kaltwasser praktizierten Heilmethoden avancierte und zu gerne ließ sich der "Wasserdoktor" mit einer Gießkanne fotografieren. Berühmte Künstler der Romatik und des Impressionismus haben die Gießkanne auf liebevolle Art als Kostbarkeit verewigt.

Für den Gang durch das Schulgärtle galt die Parole: tief durchatmen, schnuppern und die Düfte aus den Pflanzen herauskitzeln. Wie der Rosenbogen am Eingang, so versprühten auch die weiße Pfingstrose und nicht wenige Heil- und Würzkräuter ihre Düfte. Wer dabei den Duftliebling bildete blieb der Entscheidung des Genießers überlassen.

Kräuter von "A bis Z", liebevoll mit Namensschildern versehen, finden sich im Gärtle, in dem im monatlichen Wechsel jeweils zwei Landfrauen die Pflege besorgen. Schriftliche Ausführungen mit Verwendungsbeispielen von Rosemarie Rieker über Kräuter gab es für die Teilnehmerinnen.

Beate Grüning und Maria Hartmayer huldigten mit ihrer Tischdekoration nicht nur dem Thema, sondern überzeugten und insprierten mit deren natürlicher Gestaltung.

rr