Lokales

Wenn die Schulspeise "chillen" darf

"Systematisch" befassten sich die Mitglieder des Kirchheimer Finanz- und Verwaltungsausschusses mit der Frage, wie die Schüler der Alleenschule und der Konrad-Widerholt-Schulen künftig am besten mit Essen versorgt werden können. Infrage kommen sowohl die Anlieferung warmen Essens als auch das "Cook & Chill"-System.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Die "Warmanlieferung" hat bislang an der Alleenschule gut funktioniert, wie Bettina Wilhelm, die Leiterin des Kirchheimer Amts für Bildung, Kultur und Sport, im Finanz- und Verwaltungsausschuss des Gemeinderats ausführte. Vom Wächterheim kommt das Essen in beheizbaren Behältern an die Schule, wo es nur noch ausgegeben werden muss.

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Mit Beginn des Schuljahrs 2007/2008 könnte sich das allerdings ändern, weil dann wesentlich mehr Kinder und Jugendliche ihr Mittagessen an der Schule einnehmen werden als bisher: Zum einen weitet die Alleengrundschule ihr Ganztagsangebot auf alle vier Klassenstufen aus, zum anderen soll die gemeinsame Mensa der beiden Konrad-Widerholt-Schulen der Grund- und der Förderschule in Betrieb gehen. "Dann sind wir durch das Auftragsvolumen gebunden und müssen die Anlieferung ausschreiben", erläuterte Bettina Wilhelm, wobei sie betonte: "Wir haben sogar Glück, dass wir nicht in eine EU-weite Ausschreibung kommen."

Bisher kostet das Essen an der Alleenschule 3,20 Euro, wobei die Stadt jede Portion mit 20 Cent subventioniert, sodass die Kinder, beziehungsweise ihre Eltern, jeweils nur drei Euro zahlen müssen. Zusätzlich habe die Stadt noch Ausgaben für das Personal bei der Essensausgabe und für die Abrechnung mit den Eltern, sagte Bettina Wilhelm. Deshalb empfahl die Leiterin des Geschäftskreises "Kultur und Soziales", vom kommenden Schuljahr an auf das "Cook & Chill"-System umzustellen. Was sich wörtlich mit "Kochen und abkühlen" übersetzen lässt, sieht konkret so aus, dass die Speisen direkt nach dem Kochen auf Temperaturen zwischen zwei und vier Grad Celsius heruntergekühlt werden. Anschließend werden sie kühl transportiert und müssen vor Ort nur noch aufgewärmt werden.

Der Vorteil gegenüber Tiefkühlkost bestehe darin, dass "normale" Kühlräume zum Lagern genügen und dass Minusgrade somit nicht erforderlich sind. Außerdem sei "Cook & Chill" preiswerter als die "Warmverpflegung". Ohne das Ergebnis einer Ausschreibung vorwegnehmen zu wollen, nannte Bettina Wilhelm als Anhaltspunkt einen Preis von 2,60 Euro, den die Schüler in einer anderen Kommune für ein "Cook & Chill"-Essen zu zahlen hätten. Dabei seien sogar noch die Personalkosten und die Abrechnung mit den Eltern inbegriffen.

Zwei große Gefahren sind nach Ansicht von Bettina Wilhelm unbedingt zu vermeiden: Weder solle ein ganz hervorragendes Essen zu einem so hohen Preis angeboten werden, dass es "der Konkurrenz des Döners" nicht mehr standhalten könne, noch wolle sich die Stadt zwei Jahre lang an einen günstigen Anbieter binden, dessen Essen aber nicht schmecke.

Die Ausschussmitglieder sahen allerdings noch eine dritte Schwierigkeit, die speziell mit dem "Cook & Chill"-Verfahren zusammenhängen könnte: Der günstigste Anbieter kommt beispielsweise aus Mecklenburg-Vorpommern und lässt deshalb das gekühlte Essen alle zwei Tage durch ganz Deutschland rollen. Diese Vorstellung wollte den Rednern keineswegs gefallen, einerseits aus ökologischen Gründen und andererseits, weil sie lieber regionale Anbieter stärken möchten.

Daher stellte sich die Frage, ob nicht doch die "Warmanlieferung" weiterverfolgt werden solle, wobei regionale Anbieter auf jeden Fall einen Vorteil hätten. Wenn aber beide Verfahren gemeinsam ausgeschrieben werden wie es die Verwaltung vorgeschlagen hatte , bekäme der günstigste Anbieter auf jeden Fall den Zuschlag. Sollte dieser mit dem "Cook & Chill"-System arbeiten, was sehr wahrscheinlich ist, wären der Stadt zunächst einmal zwei Jahre lang die Hände gebunden. "Warmanlieferung" wäre erst wieder nach Ablauf des Vertrags möglich, wenn wieder ganz neu ausgeschrieben werden könnte.

Die Mitglieder des Finanz- und Verwaltungsausschusses fanden aber schließlich einen Kompromiss, der auf einhellige Zustimmung stieß: Analog zu gängigen Verfahren bei Bauausschreibungen werden nun beide Verfahren "Cook & Chill" sowie die "Warmanlieferung" getrennt ausgeschrieben. Dabei soll genau festgeschrieben sein, dass das Verfahren noch auszuwählen ist. Wenn die Angebote dann geprüft sind und die Zahlen auf dem Tisch liegen, kann sich der Ausschuss immer noch entscheiden, ob der günstigste "Koch-und-abkühl-Anbieter" oder der günstigste "Warmlieferer" den Zuschlag erhält.