Lokales

Wenn Kinder sich über Kleinigkeiten freuen . . .

Spaziergänge gegen Ängste und überschwängliche Freude über Schokoladen-Nikoläuse. Vier Frauen berichten von ihren unterschiedlichen Erfahrungen im Projekt "Tandem". Dahinter verbirgt sich eine ganz besondere Form der Zusammenarbeit mit Jugendlichen der Kirchheimer Paulinenpflege.

JOHANNA BAIER

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KIRCHHEIM Jeden Donnerstag, nachdem die Hausaufgaben erledigt sind, wird der 14-jährige Janis von Inge Grupp und ihrem Hund zum Spaziergang über die Felder abgeholt. Anfangs ist der Junge der fremden Erwachsenen gegenüber noch sehr misstrauisch und bekommt den Mund nicht auf doch vor allem die Verlässlichkeit, mit der die blonde Frau ihn donnerstags von seiner Wohngruppe in der Paulinenpflege abholt, lässt Janis Vertrauen fassen. Er beginnt beispielsweise, Inge Grupp vom bevorstehenden Auftritt beim Sommerfest zu erzählen. Sätze wie "Du hilfst mir dann" lassen erahnen, wie wichtig ihm diese neue Bezugsperson geworden ist, und auch Inge Grupp fühlt sich inzwischen ein wenig als Mutterersatz.

Die Begegnung zwischen Janis und Inge Grupp ist Teil des Projekts "Tandem" der Paulinenpflege. Organisiert wurde es von der Sozialpädagogin Magret Huber. Seit Januar dieses Jahres kümmert sie sich verstärkt darum, für Kinder und Jugendliche mit speziellen Bedürfnissen, in der Kirchheimer Einrichtung, einen "Tandem-Partner" zu finden.

Ein solcher Partner kann vieles sein: Ein Jugendlicher, der einen jungen Menschen aus der Paulinenpflege an seinen Freizeitaktivitäten beteiligt, oder jemand wie Inge Grupp, die den tierlieben Janis mit ihrem Hund ein wenig an die frische Luft lockt. Aber auch die Betreuung bei den Hausaufgaben kann dazu gehören. Johanna Naumann, Christa Lauer und Irene Deuschle, die dazu zweimal wöchentlich in die Paulinenpflege kommen, sind sich einig: Oft ist es nicht die Lernhilfe, die die Kinder am dringendsten brauchen, es ist die Nähe und die Regelmäßigkeit, die ihnen die Anwesenheit ihrer jeweiligen Tandem-Partner gibt.

Irene Deuschle beispielsweise brachte den Kindern der Tagesgruppe, die sie seit September betreut, am 6. Dezember kleine Nikoläuse aus Schokolade mit, und stellt fest: "Ich habe noch nie erlebt, dass sich Kinder über so eine Kleinigkeit so freuen". Dabei ist es nicht die Schokolade, für die die Kinder so dankbar sind, "es ist die Tatsache, dass Irene Deuschle an sie gedacht hat", meint Manfred Sigel, der Gesamtleiter der Paulinenpflege.

Die Idee zu einem solchen Projekt wie "Tandem" wurde laut Sigel schon vor vielen Jahren entwickelt, doch erst vor eineinhalb Jahren fanden sich die Zeit und die richtigen Leute, um das Konzept zu "Tandem" auszuarbeiten und umzusetzen. Die Unterstützung, die "Tandem" durch die letztjährige Weihnachtsaktion des Teckboten erfuhr, hat einen großen Teil dazu beigetragen. "Noch einmal ein großes Dankeschön an alle Spender denn gerade mit diesem Geld wurde in den letzten Monaten eine Menge erreicht", meint Manfred Sigel.

Das Projekt ist noch immer im Aufbau. Es gibt zwar eine Reihe von Angeboten, doch es werden nach wie vor Tandem-Partner gesucht, vor allem auch Gruppen von Jugendlichen, die Teenager aus der Paulinenpflege regelmäßig zu Aktivitäten in ihrer Freizeit mitnehmen und vielleicht sogar auch in ihren Freundeskreis integrieren können. Durch Rückschläge und Ausgrenzung, ist die Motivation der jungen Menschen oft sehr gering, sich um Intregration in die Gruppen Gleichaltriger zu bemühen. Das Projekt unterstützt deshalb engagierte Menschen, die den Kindern und Jugendlichen auf ihre eigene Art und Weise verbindlich Wegbegleiter auf Zeit sind.

Ganz nach dem Motto "Ich wollte was geben aber auch was zurückbekommen" haben sich auch Johanna Nauman, Christa Lauer, Irene Deuschle und Inge Grupp an die Paulinenpflege gewandt. Denn genau das ist es, worauf es am Ende hinausläuft: Dass man jungen Menschen hilft, einen Platz in der Gesellschaft zu finden und selbst mit einem guten Gefühl nach Hause geht.