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Wenn schon füttern, dann richtig

Experten geben Tipps rund ums Thema Vogelhäuschen und Meisenknödel – Hygiene ist das A und O

Wenn es schneit und friert, stellen viele Menschen in Gärten und auf Balkonen Vogelhäuschen auf. Amseln, Meisen und Co. nehmen das Angebot zwar meist dankbar an – gut tut der Vogelwelt solch ein gedeckter Tisch aber nicht unbedingt.

Wenn schon füttern, dann richtig

Kirchheim. Soll man oder soll man nicht? In der Frage Vogelfütterung schlagen

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zwei Herzen in der Brust der Naturschützer. „Eigentlich soll­ten Wildvögel nicht gefüttert werden“, sagt Dr. Roland Bauer vom Landratsamt Esslingen – auch nicht bei Schnee und Kälte. „Gesunde Vögel finden auch im Winter genügend Futter“, betont der Kreisökologe. Auch der renommierte Lenninger Ornithologe Dr. Wulf Gatter, Leiter der Vogelzug-Forschungsstation am Randecker Maar, warnt davor, dass die Vogelwelt durch die Winterfütterung aus dem Gleichgewicht gerate. „Wenn der Mensch eingreift, schafft er Verhältnisse, die permanent zugunsten der Standvögel sind, also der Vögel, die bei uns überwintern.“ Die Zugvögel, die erst später wieder in deutschen Gefilden eintrudeln, hätten angesichts der wohlgenähr­

ten Standvögel dauerhaft schlechte Karten.

Trotzdem sind die beiden Experten keine absoluten Gegner von Futterhäuschen und Meisenknödeln. „Pädagogisch hat die Fütterung einen hohen Wert – insbesondere für Kinder, aber auch für Erwachsene“, sagt Wulf Gatter und schlägt damit in die gleiche Kerbe wie Roland Bauer.

Auch aus Sicht von Michael Thiehoff, Vorsitzender des Vogelschutz- und Naturvereins Holzmaden, gibt es einige Argumente pro Vogelfütterung. „Gerade an den Futterstellen kann man viele Vögel beobachten“, weiß der Naturschützer und Diplom-Forstingenieur. Außerdem hätten sich die Bedingungen für Vögel aufgrund der immer dichteren Bebauung über die Jahrzehnte hinweg verschlechtert. Sie seien heute eher auf menschliche Hilfe angewiesen als früher.

So kommt es, dass alle drei Naturschützer zu Hause selbst Vogelhäuschen zu Zwecken der Naturbeobachtung aufgestellt haben, der Vogelschutz und Naturverein Holzmaden unterhält zudem eine Futterstelle im Wald. „Der Überblick, den ich mir da als Ornithologe machen kann, ist ­enorm“, sagt Wulf Gatter, der auch Vorsitzender des NABU Kirchheim/Lenninger Tal ist. So habe er beispielsweise verfolgen können, wie der Gimpel in den vergangenen Jahrzehnten nahezu verschwunden sei, während die Sperberpopulation zugenommen habe. Auch für Nicht-Vogelkundige bietet die Winterfütterung eine ideale Gelegenheit zur Naturbeobachtung: „Wer möchte, kann ein Bestimmungsbuch zur Hand zu nehmen und die heimischen Vogelarten bestimmen und besser kennenlernen“, sagt Michael Thiehoff.

Die wichtigste Botschaft der drei Experten lautet allerdings: Wenn schon füttern, dann richtig. „Man sollte auf jeden Fall darauf achten, dass die Vögel keinen Schaden nehmen“, betont Dr. Roland Bauer. Verwendet werden sollten deshalb ausschließlich einwandfreie Spezialmischungen aus dem Fachhandel oder geeignetes, selbst hergestelltes Futter. Wulf Gatter etwa streut Sonnenblumenkerne sowie eine hausgemachte Mischung aus Haferflocken und Pflanzenfett ins Vogelhäuschen. Roland Bauer empfiehlt, den Sämereien auch kleingehackte Rosinen oder Korinthen beizugeben. Michael Thiehoff schneidet außerdem Äpfel in Stücke und legt sie aus. Wer Früchte füttert, muss aber unbedingt darauf achten, dass sie nicht faulen. Auf keinen Fall dürfen Wildvögel nämlich verschimmelte oder abgelaufene Futter- und Lebensmittel bekommen. Auch Brot ist absolut tabu.

Für ganz besonders wichtig halten die Naturschützer die Hygiene am Futterplatz. „Wenn sich Futter und Kot vermischen, können Salmonellen auftreten“, warnt Wulf Gatter. Im schlimmsten Fall könne es dann zu einem Massensterben kommen. Der Ornithologe empfiehlt deshalb, Vogelhäuschen mit Zeitungspapier auszulegen und das Papier regelmäßig zu erneuern. Roland Bauer und Michael Thiehoff schwören dagegen auf pflegeleichte, siloartige Futterspender. „Da können sich die Vögel nicht reinsetzen.“ Auch Meisenknödel seien hygienisch unbedenklich. Der Nachteil dieser Varianten: Silos und Knödel sprechen nicht alle Vogelarten an.

Kreisökologe Bauer empfiehlt zudem, Häuschen und Meisenknödel so zu platzieren, dass die Vögel sie gut anfliegen können – aber trotzdem vor Feinden wie etwa Katzen geschützt sind. Gut sei es auch, das Futter in der Nähe von Hecken oder Bäumen zu platzieren.

Wenn der Winter sich verabschiedet, sollten auch die Vogelhäuschen wieder abgebaut werden. „Auf jeden Fall darf im Sommer nicht gefüttert werden“, betont Roland Bauer. Wulf Gatter und Michael Thiehoff raten dazu, relativ früh aufzuhören. „Ende März, Anfang April sollte man die Fütterung einstellen“, so Gatter.