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Wenn zwei sich streiten und beide gewinnen

Mit dem Thema "Mediation" betritt die Kirchheimer Volkshochschule Neuland. Dass sich dabei ausgerechnet ein Diplommathematiker dieser alternativen Art der Konfliktbewältigung durch außergerichtliche Streitbeilegung verschrieben hat, erstaunt zunächst, lässt sich aber auch leicht erklären.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Leidvolle persönliche Konflikterfahrungen waren für Jürgen Briem Anlass dafür, sich nicht nur intensiv mit dem Thema "Mediation" auseinander zu setzen, sondern sich auch für ein Fernstudium an der Universität Hagen zu entscheiden. Im Rahmen einer durchlebten Scheidungsschlacht hatte er schmerzhafte Erfahrungen sammeln müssen auf einem Feld, das vorwiegend von Rechtsanwälten beackert wird, die gegen entsprechendes Honorar ehrgeizig das Ziel verfolgen, ihren zahlenden Mandanten zum Sieg zu verhelfen. Dass dabei nicht die Vermittlung in einem schwelenden Konflikt im Vordergrund steht, sondern allein die Frage, welche Partei als strahlender Sieger aus dem Juristen überantworteten Konflikt hervorgeht, motivierte Jürge Briem dafür, Alternativen zu suchen für eine von Gebührenordnungen diktierte erfolgsorientierte Praxis, die eigentlich nur Sieger und Verlierer kennt. Die sich gegebenenfalls anbietenden Vergleiche werden da fast schon als Niederlage gewertet.

"Was wäre, wenn zwei sich streiten und beide gewinnen?" lautet der provokante Titel des Seminars, das mit der Methodik der "Mediation" zunächst einmal nur eine alternative Form der Konfliktbewältigung vorstellen will. Selbstverständlich kann das Seminar nicht vorrangig dazu dienen, konkrete Konflikte der Teilnehmer zu lösen oder individuelle Strategien für eine Konfliktvermittlung anzubieten. Vielmehr soll versucht werden, interessierten Teilnehmern die Methodik der Mediation näher zu bringen.

Wichtigstes Prinzip der Mediation ist es, einen Konflikt dadurch dauerhaft zu beenden, dass alle Beteiligten gemeinsam nach einer für alle akzeptablen Lösung suchen. Dass sich dabei alle Seiten bewegen müssen und es keine Sieger und Verlierer geben darf, ist Grundvoraussetzung der gemeinsam und vor allem auf freiwilliger Basis angestrebten Konfliktlösung, die im Themenkreis Familie und Schule genauso angewandt werden kann wie etwa bei Nachbarschaftsstreitigkeiten oder auch auf dem weiten Feld der Wirtschaft.

Der Westfälische Friede ist für Jürgen Briem ein klassisches Bespiel für eine erfolgreiche Mediation. Alvise Contarinis Verhandlungsgeschick sei es letztendlich zu verdanken gewesen, dass in über fünf Jahre sich hinziehenden Bemühungen ein Ende des Dreißigjährigen Krieges erfolgreich eingeleitet werden konnte. Als ein deutlich aktuelleres Beispiel nennt Jürgen Briem das lange und höchst kontrovers diskutierte Thema Lkw-Maut, das letztlich auf dem Weg der Mediation aus den Schlagzeilen und nicht enden wollenden Schuldzuweisungen gebracht werden konnte. Relativ geräuschlos wurde zuletzt in diesem von der Öffentlichkeit höchst interessiert verfolgten Konflikt doch noch eine für alle handelnden Parteien und Interessensverbände verträgliche Lösung gefunden. Statt vor Gericht zu ziehen und einem Anwalt die Regelung eines schwelenden Konflikts zu überlassen, setzt professionelle Mediation immer auf die aktive Mitarbeit der direkt Betroffenen. Die freiwillig erklärte Bereitschaft zur Mitwirkung am Prozess eines Interessensausgleiches ist dabei schon der alles entscheidende Schlüssel zum Erfolg. Wichtig ist freilich auch, die Qualifikation der ihre Dienste anbietenden Mediatoren kritisch zu überprüfen, denn der ungeschützte Titel kann unqualifizierten Menschen Tür und Tor öffnen.

Das Mediations-Seminar mit dem Diplom-Mathematiker Jürgen Briem, der sich im Rahmen eines Fernstudiums an der Universität Hagen für seine Mediatorentätigket qualifiziert, wird am Samstag, 12. November, von 10 bis 15 Uhr im Raum 21 der Kirchheimer Volkshochschule im Spital angehalten. Anmeldungen werden unter der Nummer 0 70 21 / 97 30 30 entgegen genommen.