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Werben für die "Naberner Vision"

Mannhaft hatte man sie vor einem halben Jahr erneut auf Eis gelegt: die Planung für die Naberner Gießnauhalle. Jetzt fand sich das Großprojekt wieder auf den Tischen der Stadträte, wenn auch als "Kenntnisnahme" im Technischen Ausschuss (TA). Doch eine Woche vor Einbringung des neuen Haushalts lassen sich Technik und Finanzen nicht trennen. Prompt kam es zur vorgezogenen hitzigen Haushalts-Debatte.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Für die Naberner ist der Fall klar: "Die Bedeutung des gesamten Areals für Nabern ist enorm, die Gießnauhalle stellt einen wichtigen Standortfaktor dar", fasste Ortsvorsteher Nicolas Fink in aller Kürze zusammen. Freundlich, aber bestimmt teilte der engagierte Ortsvorsteher dem Gremium die Ansicht des ebenfalls anwesenden Naberner Ortschaftsrats mit: Ganz klar ist das Gremium nach erneuter Untersuchung der Situation für einen Neubau. Das sei die städteplanerisch beste Lösung, die im Übrigen ganz zwanglos Schritt für Schritt umgesetzt werden könne. Fink war es ein Anliegen, das schlüssige Gesamtkonzept zu präsentieren und den Kirchheimer Entscheidungsträgern die "Naberner Vision" nahe zu bringen.

Das Konzept überzeugte schon vor einem Jahr, allein am Geld scheiterte das weitere Vorgehen. Die Planungsrate blieb bestehen, wie Bürgermeister Günter Riemer eingangs erläuterte. Sie verhalf jetzt den Nabernern zu detaillierteren Untersuchungen. Ihnen zufolge komme laut Fink ein Neubau nur scheinbar wesentlich teurer als die anderen Varianten: Zwar sind die Kosten für den Neubau mit 2,8 Millionen Euro veranschlagt, wogegen die Sanierung nach aktuellem Stand mit 1,2 Millionen zu bewerkstelligen wäre, eine Erweiterungslösung mit 1,8 Millionen. Die nackten Zahlen hält man in Nabern allerdings für wenig überzeugend. Fink führte an, dass Sanierungs- und Erweiterungslösungen bekanntlich immer Unwägbarkeiten bergen und oft viel teurer als geplant kämen. Zudem bestünden Refinanzierungsmöglichkeiten durch Grundstücksverkäufe, etwa an die Kirche. Kurzum: "Wir geben nicht nur Geld aus, wir nehmen auch Geld ein", argumentierte der Ortsvorsteher und schloss mit der Hoffnung auf "weise Entscheidungen im Rahmen der anstehenden Haushaltsdiskussionen".

Birgit Müller (Frauenliste) fasste ihre Verwunderung in Worte, das Thema auf der Tagesordnung zu finden: "In der Klausurtagung im Februar wurde nicht über einen Neubau gesprochen", betonte sie und zitierte aus dem acht Monate alten Beschluss, wonach die Sanierung der Gießnauhalle das Ziel war. Auch Sabine Bur am Orde-Käß (Grüne Alternative) bekundete Unverständnis. Eine Erweiterung sei bereits die absolute Maximallösung. Im Übrigen könne es nicht Usus werden, Gebäude nach 30, 40 Jahren grundsätzlich abzureißen, pochte sie auf grüne Ideale der Nachhaltigkeit.

"Dem Verschulden muss endlich Einhalt geboten werden", ereiferte sich Ulrich Kübler (Freie Wähler) angesichts leerer Kassen. Selbst die eigens wegen der Finanzen einberufene Klausurtagung habe letztlich eine Verschlecherung der Gesamtsituation ergeben. Kübler forderte unter Beifall im Rund eine Gegenfinanzierung für das Großvorhaben. Dass "keine neuen Erkenntnisse" vorlägen, ergänzte Fraktionsvorsitzender Hagen Zweifel und fasste zusammen: "Wir stehen klipp und klar für den Bau, müssen aber zuerst den Haushalt in den Griff bekommen.

Als äußerst "problematisch" bewertete SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Aeugle die Kenntnisnahme der Wünsche eine Woche vor der Haushaltseinbringung. "Die Bedürfnisse sind uns klar", sprach er vielen im Rund aus dem Herzen. Er offenbarte die Furcht, wieder Hoffnungen zu wecken, die dann in Kenntnis der Haushaltslage nicht zu erfüllen seien. Durch diesen Tagesordnungspunkt werde lediglich der Gemeinderat auseinanderdividiert, meinte er empört an die CDU gewandt.

Bei den Christdemokraten fanden sich nämlich die Befürworter des Bauvorhabens. "Das Gesamtkonzept ist schlüssig", befand Fraktionsvorsitzender Helmut Kapp, gleichzeitig Vertreter des Naberner Ortschaftsrats, und appellierte an die Ratsmehrheit, das Projekt zu schultern. Eine Sanierungsvergabe bezeichnete er als "idiotisch" angesichts der Tatsache, dass der Neubau mit einem Generalunternehmer wohl noch preisgünstiger käme als geplant. Die Halle werde jeden Tag genutzt, auch von Kulturvereinen, und allein der Sportverein Nabern habe an die 1000 Mitglieder, illustrierte er den Bedarf. Dieser wurde allerdings von niemandem infrage gestellt. Sein Fraktionskollege Mathias Waggershauser widersprach der allgemeinen Verwunderung über den Tagesordnungspunkt, indem er auf die Verpflichtung des Gremiums hinwies, die wirtschaftlichste Variante zu finden. Durch die neuerlichen Planungen war es gelungen, die Kosten für einen Neubau drastisch zu senken. Das liegt unter anderem daran, dass die Hausmeisterwohnung bei der Planung nicht mehr berücksichtigt wurde.

Bürgermeister Günter Riemer betonte, die Debatte habe ihren Sinn erreicht, da jetzt alle, Technischer Ausschuss und Ortschaftsrat, auf dem gleichen Wissensstand seien. "Jetzt haben Sie die Chance, das Thema im Rahmen der Haushaltsberatung zu platzieren oder auch nicht", verteidigte er den Weg der Verwaltung. Auf Nachfragen Aeugles hatte er zuvor bereits eingeräumt, dass die Verwaltung im aktuellen Haushalts-planentwurf keine zusätzlichen Mittel für die Gießnauhalle vorgesehen habe. Auch Helmut Kapp gab sich bei Anfrage des Teckboten keinen Illusionen hin, mehr als eine kleine Planungsrate im Haushalt 2006 verankern zu können. Allerdings ziele seine Fraktion darauf, das Vorhaben fest in die Finanzplanung aufgenommen zu wissen: "Wir möchten, dass Nabern eine neue Halle bekommt, und das nicht erst in 20 Jahren!"