Lokales

„Wernau ist der einfachste Weg“

Notzinger Gemeinderat sprach sich eindeutig für die Stärkung der Buslinie nach Wernau aus

Die S-Bahn-Erweiterung nach Kirchheim hat Auswirkungen auf den Öffentlichen Personennahverkehr. Ganz klar plädierte der Notzinger Gemeinderat für eine gute Busanbindung nach Wernau.

Iris Häfner

Notzingen. Das Landratsamt Esslingen möchte die Buslinien bündeln. Der Notzinger Gemeinderat sieht sich jedoch außerstande, diesbezüglich eine Stellungnahme abzugeben, da wegen der neuen S‑Bahn bis Kirchheim sämtliche Anbindungen neu geordnet werden müssen. „Erst wenn die Planung der Busverkehre im Raum Kirchheim abgeschlossen ist, können wir dazu unsere Meinung abgeben – zumal die Geschichte erst in den Jahren 2012 bis 2014 zum Tragen kommt“, sagte Bürgermeister Jochen Flogaus und sprach damit dem gesamten Gemeinderat aus dem Herzen.

Zwei Varianten wurden für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Raum Kirchheim ausgearbeitet. Laut Vorschlag des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) sollen die Buslinien 144 und 168 mit Zielbahnhof Plochingen zusammengelegt und Wellingen immer angefahren werden. Ausgedünnt würde dagegen die Linie Wernau, wobei der Schülerverkehr ausgenommen ist. Trotzdem ergeben sich rund 48 000 Kilometer mehr. Die Nahverkehrsberatung Südwest will dagegen die Linien 144 und 168 belassen. Wie bisher wird Wellingen mit der Linie 168 nur teilweise bedient. Gestärkt werden dagegen die Linien Wernau und Plochingen, wobei Hochdorf und Reichenbach mit einbezogen werden müssten. Hier kommen 50 000 Mehrkilometer zusammen, die jedoch auf 25 000 reduziert werden können, wenn die bislang wenig genutzten Wochenendfahrten den Status quo beibehalten.

Notzingen nimmt im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Raum Kirchheim eine Sonderrolle ein. Nördlich der Teckstadt gelegen, ist es an den Ast Kirchheim-Plochingen angebunden. „Kirchheim ist für uns nach wie vor Einkaufs- und Schulstadt. Wernau können wir als Nebenprodukt ansehen“, so die Einschätzung von Jochen Flogaus. Die S‑Bahn-Anbindung für Notzingen soll laut Beschluss des Gemeinderats Wernau sein und daraus folgend die Busverkehre entsprechend abgestimmt werden. Diese Forderung ergibt in mehrfacher Hinsicht Sinn. Zum einen würde die Anbindung Kirchheim einen großen Umweg über Wendlingen bedeuten, zum anderen ist er für die Fahrgäste auch teurer, da Kirchheim in einer anderen Tarifzone liegt als Wernau. Zudem besuchen immer mehr Notzinger Schüler die Realschule in Wernau, weshalb der Fahrplan auch auf den Schülerverkehr abgestimmt sein muss.

Für den S-Bahn-Anschluss Plochingen soll nach dem Willen des Gemeinderats der Status quo erhalten bleiben. „Die Frage wird sein: Was sagen Reichenbach und Hochdorf dazu?“, hat Jochen Flogaus große Bedenken, ob die beiden Kommunen sich an den Mehrkosten beteiligen werden. Zudem ist der Abrechnungsmodus noch nicht klar. Bislang zahlte Notzingen im Pool nach Kirchheim. Eine weitere Unbekannte ist die Teckbahn zwischen Kirchheim und Oberlenningen. Über ihr mögliches Ende wird zumindest diskutiert.

„Plochingen hat seinen Reiz. Von dort fahren sämtliche Züge in relativ kurzen Abständen in Richtung Tübingen, Göppingen oder Stuttgart“, weiß Hans-Joachim Heberling diesen Bahn-Knotenpunkt zu schätzen. Allerdings sollte der Plochinger Bahnhof seiner Meinung nach nicht über Reichenbach angefahren werden. „Das kostet zu viel Zeit und macht die Linie uninteressant. Von Hochdorf her würde es gehen“, erklärte er. Zudem ist Reichenbach für ihn hinsichtlich der Finanzierung eine unsichere Geschichte. „Ganz klar brauchen wir die Verbindung nach Kirchheim. Wenn wir Kirchheim und Wernau stärken, sind wir auf der sicheren Seite“, sagte er weiter.

Ähnlicher Auffassung ist auch Herbert Hiller. Für ihn ist die Busfahrt nach Plochingen unattraktiv. „Auf die bisherige Ortsrundfahrt durch Hochdorf samt Ziegelhof nach Reichenbach können wir gut verzichten“, so seine Auffassung. Über die Vorgehensweise in Sachen Neugestaltung der Fahrpläne wundert er sich. „Zuerst macht man ein Theater, dass die S-Bahn nach Kirchheim kommt und dann will man die Verbindung nach Wernau ausdünnen“, hat er wenig Verständnis für des VVS. Solange eine schlechtere Verbindung nach Wernau keine Kostenersparnis bringt, würde er bei zwei Anbietern – OVK (Omnibusverkehr Kirchheim und RBS (Regional Bus Stuttgart) – bleiben. Herbert Hiller will nicht blauäugig über die Buslinien entscheiden. Vorher müssen seiner Ansicht nach die Kosten auf dem Tisch liegen.

Auch für Helga Merz ist Wernau der einfachste Weg zur S-Bahn, ebenso für Eduard Bosch. Er vermutet jedoch „noch ein blaues Wunder“, was die Kosten des ÖPNV anbelangt. „Wenn ich an die fehlenden Parkplätze am Bahnhof denke, wird Wernau einiges investieren müssen“, so Eduard Bosch.

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