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Wernauer Firma sorgt für Notbeleuchtung im Airbus

Turbulent ging es jüngst in der Management-Etage für das Großraumflugzeug Airbus 380 zu, in deren Folge zwei Führungskräfte zurückgetreten sind. Die Probleme rund um das weltgrößte Passagierflugzeug wirken sich aber nicht auf die Firma Reva aus. In Wernau freuen sich die 16 Mitarbeiter über einen lukrativen und prestigeträchtigen Auftrag: Reva darf die Akku-Technologie für sämtliche Notbeleuchtungssysteme im Airbus liefern.

REGINA SCHULTZE

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WERNAU "Das ist ein schöner Auftrag, der uns auch im Bereich Marketing weiterbringt", meint Prokurist Stefan Braun. Der 36-Jährige gehört zum "Ur-Trio" der Firma. Zwei Jahre lang entwickelten die hellen Köpfe in Wernau neuartige Akku-Packs mit der modernen Lithium-Ionen-Technik. Diese lassen Hinweisschilder und Bodenlampen in den Gängen leuchten, sollte jemals ein Riesenvogel in Not geraten. Strengste Sicherheitstests mussten die Zellen bestehen, bis die Luftfahrtbehörde ihr Okay gab, Umgebungstemperaturen bis minus 70 Grad Celsius, Kurzschlüssen und Überladeversuchen trotzen.

Die Firmengeschichte ist eine Erfolgsgeschichte. Wobei Braun tiefstapelt, wenn es um die Lage des Unternehmens geht: "Gut kann man als Schwabe nie sagen", meint der Wernauer. Die Zahlen aber bestätigen genau das: Den Umsatz der Firmengruppe gibt er für 2005 mit 12 Millionen Euro an. "Ziel ist es, dieses Jahr 14 Millionen Euro zu erreichen." Das ist nicht aus der Luft gegriffen: Demnächst sollen zwei weitere Mitarbeiter eingestellt werden. "Hier oben soll ein kleines Testlabor entstehen." Und man will eine kleinere Reklamationsstelle einrichten, wenn Batteriepacks zurückkommen.

"Wir haben jeden müden Euro in Wachstum investiert", sagt Braun, der zusammen mit den beiden Geschäftsführern Gert Willner und Dieter Schweizer sowie dem Duo des einstigen Gründer-Trios Sabine Schüler und Helga Zink die Strippen des Unternehmens zieht. 1996 in Stuttgart gegründet, zogen die Entwickler und Großhändler für Batterien und Akkus vor zehn Jahren nach Wernau. Zunächst in die Daimlerstraße, 2003 in den Asemweg 5. Reva vertreibt Akku-Systeme und Batterien zum Beispiel für Laptops, Bohrmaschinen, Mobiltelefone, Taschenlampen oder Ladegeräte. Ein wichtiger Zweig ist die Medizintechnik. Dort braucht man Power-Pakete in lebenswichtigen Geräten, zum Beispiel Akku-Packs für Defibrillatoren.

"In der Medizintechnik hat Reva einen guten Namen", sagt Braun. Die kompakten Energielieferanten gehören zu einem Markt, der ständig wächst und mit ihr die Wernauer Firma. Für 500 000 Euro kamen 2005 zwei Stockwerke auf die Hauptverwaltung oben drauf. Mit unter dem Dach ist die Tochterfirma "A 1 Light and More", die Laserpointer, Taschenlampen sowie hochwertige Werbe- und Geschenkartikel verkauft.

Neben den 16 Mitarbeitern in der Verwaltung sind 40 bis 60 in der Produktionsstätte in Ellwangen angestellt. Niederlassungen gibt es in Italien, Frankreich und der südostasiatischen Republik Singapur, dazu eine Volltochter in der Schweiz. Gefertigt wird der größte Teil der Ware in China. Bei fast 95 Prozent der Firmenprodukte handelt es sich um wiederaufladbare Systeme, den Akkumulatoren, kurz: Akkus. Die englische Sprache kennt den entscheidenden Unterschied zwischen Einmalware und Dauerbrennern nicht. "International spricht man immer von ,battery'", erklärt Braun, der eine zweisprachige Visitenkarte hat.

Stolz sind die Wernauer, den Titel "größter Sanyo-Distributer Europas" zu tragen. "Die Marke Sanyo ist der Mercedes unter den Akkus", erklärt der Batterie-Spezialist. "Varta war immer Vorreiter. Inzwischen steht nur noch Varta drauf." Das Innenleben sei größtenteils chinesisch oder japanisch wie bei Reva und anderen Herstellern. Der Wernauer Betrieb versucht seine 2002 entwickelte Eigenmarke Pansan zu verbreiten. Die Telekom soll überzeugt werden, dass in den Schnurlos-Telefonen künftig Pansan-Energiespender liegen. Umwälzungen, von denen Otto Normalverbraucher nichts mitbekommt. "Wen interessiert es schon, was er in seinem Rasierapparat oder in seiner elektrischen Zahnbürste drin hat? Es muss halt funktionieren", weiß der 36-Jährige.

Ein kleiner, bunter Nebenbereich der Reva ist der Modellbau. "Da gibt es teilweise Profis, die fahren mit Packs, die wir gebaut haben." Während die Modell-Liebhaber ihre Flugzeug-, Schiffs- oder Automodell einige Sommer lang mit einer Batterieladung steuern, fahren die Profis nur zwei Rennen mit ganz speziellen Zellen. Einen Batzen Geld haben die Energiefachleute investiert, damit sie seit Anfang 2006 Lizenzprodukte der Marke Michael Schumacher weltweit vertreiben dürfen. "Das ist eine Zelle aus unserem Haus." Über die kleinen Zylinder oder Viereck-Packs kommt eine Banderole, auf der "Formula Race Battery" steht. Mit Schumis Lächeln will Reva den Massenmarkt im Modellbau erobern. "Ein reines Zubrot", stellt Braun klar. In Japan zieht der schnelle Deutsche: Reva hat ihr Lizenzrecht noch an einen japanischen Großhändler unterverkauft.