Lokales

Wetterchaos und interne Querelen

Jahreshauptversammlung des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine Nürtingen

Das Jahr 2013 wird den Obst- und Gartenbauern des Kreisverbands Nürtingen in mancherlei Hinsicht in schlechter Erinnerung bleiben. Schuld daran sind nicht nur die Wetterkapriolen und der Hagelschlag – auch intern lief nicht alles rund. Bei der Hauptversammlung in Oberboihingen formierte sich der Kreisvorstand um Sigrid Jetter neu.

Oberboihingen. Viel Ungemach und Arbeit brachte allein das Wetter für die Mitglieder des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine Nürtingen (KOV). „Ein schwieriges Jahr“, schickte Rolf Wohlfahrt seinem Bericht knapp, aber vielsagend voraus. Der Winter habe zu wenig Frost und Sonne gebracht. Für den Bienenflug im April sei es zu kühl und nass gewesen. Außerdem hatten die Obstbauern im Mai mit einem starken Schorfbefall zu kämpfen, der sich wegen der anhaltenden Niederschläge schlecht bekämpfen ließ, ergänzte Wohlfahrt.

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Die Hitzewelle im Juli endete mit Gewittersturm und Hagelschlag. Hagelkörner so groß wie Golfbälle hätten nicht nur Gebäude beschädigt, sondern auch auf den Streuobstwiesen und den Obstbauanlagen große Schäden angerichtet. Entsprechend dürftig sei die Ernte ausgefallen. Wer deshalb aber auf höhere Preise hoffte, sei enttäuscht worden. Lediglich beim Tafelobst seien die Preise nach oben gegangen.

Auch das Kreistreffen des KOV fiel den Wetterkapriolen zum Opfer, berichtete Vorsitzende Sigrid Jetter. Die Festwiese in Oberensingen sei nach starkem Regen zu aufgeweicht gewesen. Außerdem waren viele Helfer wegen des Hochwassers im Einsatz, ergänzte sie. 2014 solle es nun einen zweiten Anlauf geben.

Unruhe gab es aber auch im Kreisvorstand: Im Herbst trat der bisherige zweite stellvertretende Vorsitzende Manfred Speidel zurück und gab sämtliche seiner Aufgaben im KOV auf. Der Gruppe der Fachwarte fehlten ebenso zwei Mitglieder, berichtete Sprecher Dieter Häußler. Den Esslinger Nachbarn sei es nicht besser ergangen: Sie mussten ihre Mitglieder des Gremiums komplett ersetzen. Erst nach intensiver Suche sei es gelungen, das Gremium aus den Reihen der über 200 Fachwarte im Landkreis neu zu besetzen. Inzwischen habe man die Aufgaben aufgeteilt und die Arbeit wieder aufgenommen. Erfreulich sei auch, dass sich wieder ausreichend Interessenten für eine neue Fachwartausbildung meldeten. Die Fortbildungen waren gut besucht, sagte Häußler. Insbesondere der Lehrgang an der Universität Hohenheim zum Thema Bodenproben sei auf großes Interesse gestoßen. „Wir hatten sogar eine Warteliste. Deshalb werden wir im Frühjahr einen weiteren Kurs anbieten“, kündigte der Fachwart-Sprecher an.

Bei den Neuwahlen zum Kreisvorstand verweigerten einige Delegierte – vor allem vom Nürtinger Obst- und Gartenbauverein mit dem ausgeschiedenen Vorstandsmitglied Speidel an der Spitze – der Kreisvorsitzenden Sigrid Jetter, der Kassiererin Bärbel Weber und dem Beirat die Entlastung. Bei der Wahl erhielt Sigrid Jetter 88 von 95 Stimmen. Finanzwartin Bärbel Weber wurde mit 93 von 96 Stimmen im Amt bestätigt. Neu im Kreisvorstand ist Rolf Wohlfahrt als zweiter stellvertretender Vorsitzender. Er konnte 95 von 96 Stimmen auf sich vereinigen.

Der Rest des Abends stand ganz im Zeichen der Kulturlandschaft Streuobstwiesen. Hier ist im vergangenen Jahr einiges in Bewegung geraten, wie Karin Kasprzyk-Becker, Leiterin des Amtes für Bauen und Naturschutz beim Landkreis Esslingen, feststellte. So wurde das Life+-Programm abgeschlossen. Außerdem habe der Landkreis eigene Projekte, wie die Qualitätsinitiative für Most und die energetische Schnittholzverwertung mit zusätzlichen Sammelstellen in 13 Gemeinden, angestoßen. Mit Corina Schweik­ardt habe das Referat zudem eine neue Mitarbeiterin bekommen, die sich vor allem um das Marketing und die Organisation von Veranstaltungen rund um das Thema Streuobst kümmern werde und als Bindeglied zum neuen Verein Schwäbisches Streuobstparadies agiere.

Für das bunte Netzwerk „in der Wiege des Streuobstbaus“ rührte deren Geschäftsführerin Maria Schropp die Werbetrommel. Gemeinsam wolle man mehr Aufmerksamkeit erregen für die von Menschenhand geschaffene Kulturlandschaft. Weit über 200 Mitglieder zähle der junge Verein inzwischen, allein 50 kämen aus dem Kreis Esslingen. Mit breiter Mehrheit beschlossen die Delegierten der Obst- und Gartenbauvereine den Beitritt des KOV Nürtingen zum Schwäbischen Streuobstparadies.

Zum Abschluss der Hauptversammlung war es Sigrid Jetter noch ein Anliegen, einigen verdienten und langjährigen Mitgliedern des erweiterten Vorstandes ihren Dank auszusprechen. Sie zeichnete Beisitzerin Doris Eberspächer mit dem Bronzenen Apfel aus. Diesen erhielt auch Kurt Hepperle für sein langjähriges Engagement beim KOV. Adolf Kern als altgedienter Funktionär, zuletzt in der Funktion des Kassenprüfers, erhielt – ebenso wie der erkrankte Hermann Ludwig – die Auszeichnung in der goldenen Ausführung. Karl Nägele und Martin Weber vom Arbeitskreis Obstbau überreichte Jetter jeweils einen Goldenen Apfel mit Silberkranz für ihr Engagement. Dankesworte richtete sie auch an Beirat Manfred Schweizer, der nicht mehr zur Wahl antrat. Für ihn rückte Friedrich Schott vom OGV Oberlenningen nach.