Lokales

Wettergeschützte Trauer

Gemeinde Bissingen soll Raumprogramm für den Umbau der Aussegnungshalle erarbeiten

Es scheint ganz so, als ob in der unendlichen Geschichte „Aussegnungshalle Bissingen“ das letzte Kapitel aufgeschlagen wird. In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat die Verwaltung beauftragt, ein Raumprogramm für das sanierungsbedürftige, zugige Gebäude zu erarbeiten.

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richard umstadt

Bissingen. Die Aussegnungshalle auf dem Bissinger Friedhof ist in die Jahre gekommen. 1958 gebaut und 1981 erweitert, sind Trauergäste bei entsprechender Witterung und Jahreszeit Regen und Schnee ausgesetzt – vor allem bei großen Beerdigungen. Der Grund: Auf der Südseite ist die Halle offen. Doch die Mängelliste ist länger. Für Angehörige fehlt ein Raum, in dem sie in Würde von ihren Verstorbenen Abschied nehmen können. Auch ein Zimmer fehlt, in dem sich der Pfarrer umkleiden und auf die Trauerfeier vorbereiten kann. Dies geschieht bislang im Stuhllager. Darüber hinaus ist die rund 30 Jahre alte Halle an verschiedenen Stellen renovierungsbedürftig.

Verwaltung, Bürgervertreter sowie Kirchengemeinderäte beider Konfessionen, Bestatter und Gärtner sahen bei einer Besichtigung der Aussegnungshalle ebenso die Notwendigkeit, mehr Leichenzellen und zusätzliche Toiletten einrichten zu lassen. Auf der Wunschliste stehen außerdem ein variabler Sichtschutz, hinter dem Mitarbeiter von Bestattungsunternehmen und Gärtnerei ungestört den Sarg schmücken können sowie Bänke und Schatten spendende Bäume außerhalb der Friedhofshalle.

Was Sichtschutz, Bänke und Bäume anbelangt, will Bürgermeister Wolfgang Kümmerle nach einer raschen Lösung suchen. Nicht ganz so schnell wird der Um- und Anbau vonstatten gehen, denn zuvor soll die Gemeinde gemeinsam mit den Kirchen und Unternehmern ein Raumprogramm erarbeiten. Dazu beauftragte das Ratsgremium die Verwaltung.

Die Frage „Mehrfachbeauftragung oder nicht?“ beantworteten die Bürgervertreter mit dem Rotstift in der Hand. „Wir haben nicht furchtbar viel Geld zu vergeben,“ wies Siegfried Nägele auf das Loch im Gemeindesäckel hin und empfand „gestalterische Spielräume“ beim Umbau der Halle als „nachgeordnet“. So folgte der Gemeinderat der Empfehlung des Bauausschusses, der sich dafür ausgesprochen hatte, die Arbeit nur an einen Architekten zu vergeben und keinen Ideen-Wettbewerb zu veranstalten. Wieviel Geld letzten Endes Kämmerer Marcel Musolf zusammenkratzen muss, hängt vom Raumprogramm und dem Kostendeckel ab, den die Räte beschließen werden. Laut nachgedacht wird über einen Kostenrahmen von 200 000 bis 300 000 Euro. Was im letzten Aussegnungshallen-Kapitel wo in welcher Zeile steht, kommt allerdings auf die Gestaltung des Haushalts 2011 an. Von den Kirchen kann die bürgerliche Gemeinde jedenfalls nur geistlichen Beistand erwarten.

So gesehen, werden die Bissinger Trauergäste wohl noch einen Winter ausharren müssen, bis sie dann bei Beerdigungen die Hallentür hinter sich schließen können, um Wind und Wetter draußen zu lassen.