Lokales

Wichtige Anlaufstelle mitten im Herzen der Stadt

Der offiziellen "Schlüsselübergabe" im Kreis geladener Gäste am Freitagabend folgte am Samstag im "Eckpunkt" ein gut besuchter "Tag der offenen Tür", der von Werner Dannemann musikalisch eingeläutet und mit einem Konzert im Zelt entsprechend abgeschlossen wurde. Ein Jugendgottesdienst markierte dann gestern Abend das Ende der vielseitigen Einweihungsfeierlichkeiten.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Seine Qualitäten als interessanter Ort vielfältiger Begegnungen konnte der ehemalige Standort der maroden Scheuer hinter dem Johannes-Busch-Gemeindehaus im Rahmen der unterschiedlichsten Einweihungsaktivitäten am vergangenen Wochenende zweifellos überzeugend unter Beweis stellen. Nach einem Scheuerabrissfest und dem Baubeginn im Oktober 2003 wurde schon am 26. März 2004 Richtfest gefeiert. Noch vor Jahresende konnten die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Am vergangenen Wochenende galt es nun, ein schon angelaufenes ambitioniertes Projekt auch noch offiziell den Herausforderungen des Alltags zu übergeben, die zum Teil bereits erfolgreich gemeistert sind.

Nachdem Dekan Ellinger als zweiter Vorsitzender der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde und Moderator des Abends die vielen Besucher des offiziellen Festakts begrüßt hatte, richtete die Erste Vorsitzende, Rosemarie Reichelt, zunächst einen Blick zurück auf über 160 Jahre Sozialarbeit beziehungsweise diakonische Arbeit, die an diesem wichtigen Eckpunkt der Stadt schon geleistet wurden.

1841 wurde das Gebäude an der Alleenstraße samt Scheuer, Wirtschaftsgebäuden und Nutzgarten von der Paulinenpflege bezogen. Die bereits 1826 gegründete "Kinderrettungsanstalt" bot schon damals Kindern aus dem ganzen Oberamt Unterkunft. Dieses Gebiet entspreche dem heutigen Kirchenbezirk, stellte Rosemarie Reichelt fest und betonte, dass mit der Diakonischen Bezirksstelle und dem Evangelischen Jugendwerk Bezirk Kirchheim bis heute Kontinuität bewahrt wurde.

Dass eine grundlegende Renovierung der vor allem durch den Orkan Lothar sehr stark mitgenommenen Scheuer knapp eine Million gekostet hätte, ein Neubau in gleicher Größe dagegen für rund 50 000 Euro mehr zu verwirklichen war, machte sie gleich zu Beginn deutlich. Sehr erfreut zeigte sie sich, dass der veranschlagte Kostenrahmen des gesamten Projekts in Höhe von 2,5 Millionen Euro sogar knapp unterschritten werden konnte.

Die in der Anfangsphase zuweilen aufkommende Angst vor dem eigenen Mut wurde durch den Verkauf von "Tafelsilber" etwas vertrieben. Mit dem Verkauf des Wiesengrundstücks der Gesamtkirchengemeinde neben der Scheuer sollte der geplante Neubau zur Hälfte finanziert werden. Die andere Hälfte durch Zuschüsse und Spenden abzudecken, sei ebenfalls geglückt. Neben Mitteln der Landeskirche, des Kirchenbezirks, der Bürgerstiftung, der Stadt und der Glücksspirale sorgten der Rotary Club Kirchheim / Nürtingen sowie "weitere erhebliche Zuwendungen" dafür, das hoch gesteckte Ziel zu erreichen.

Da das für den Neubau erforderliche Darlehen mit Hilfe der Mieteinnahmen getilgt werden soll, war die Traufhöhe ein ganz besonders wichtiger und entsprechend hart umkämpfter Punkt der Finanzierung, rief Rosemarie Reichelt allen am Entscheidungsprozess Beteiligten noch einmal in Erinnerung. Neben Mietzahlungen der Diakonischen Bezirksstelle und des Jugendwerks, konnte nicht nur der Verein "Gemeinsam statt einsam" als Mieter für eine betreute Wohngruppe demenzkranker Menschen gewonnen werden. Die "modifizierte" Gebäudehöhe machte es möglich, auch noch zwei Dachwohnungen privat zu vermieten.

Mitten im Herzen der Stadt können damit nun in unmittelbarer Nähe des vielfältigen Beratungsangebots der Diakonischen Bezirksstelle unter einem Dach Räume zur Verfügung gestellt werden, die von Jugendlichen genauso genutzt werden können wie von den Gruppen der Diakonischen Bezirksstelle und im Besonderen auch für die Arbeit des Sozialpsychiatrischen Dienstes.

Dass das durch die Namensgebung "als "Eckpunkt" zusammengefasste Gebäudeensemble "als ein Ort mit eigener Identität und Bedeutung in Kirchheim wahrgenommen wird", lautet die Hoffnung des Architekten. Diplom-Ingenieur Reiner Hahn vom Stuttgarter Architekturbüro "BFK + Partner" zeigte sich bei der Übergabe des überdimensionalen Hausschlüssels an die beiden Bauherren Rosemarie Reichelt und Dekan Ellinger sehr erfreut darüber, mit ansehen zu können, "wie das Gebäude in Besitz genommen und belebt wird".

Als "ausgesprochen zweckmäßig und atmosphärisch gelungen" bezeichnete Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker das eindrucksvolle Bauwerk, das sie zugleich als Zeichen des Gestaltungs- und Erneuerungswillens der Kirchheimer Diakonie versteht. Sie begrüßte, dass mit dem Jugendcafe Räume für junge Menschen und im Wohnprojekt "Gemeinsam statt einsam" für alte demenzkranke Menschen geschaffen wurden. Dass auch Menschen mit geringem Einkommen und besonderen sozialen Problemen hier unter einem gemeinsamen Dach zusammenfinden können, sei einer wichtigen Investition in die Zukunft zu verdanken, die von "spür- und hörbaren konzeptionellen, werteorientierten Diskussionen begleitet wurden".

Der neue "Eckpunkt" steht für sie als "ein Eckpfeiler im großen Haus der sozialen Hilfe in unserer Stadt". Mit diesem sozialen Dienstleistungsunternehmen könne den Menschen in Zeiten der Verunsicherung Halt im kommunalen sozialen Gefüge und die notwendige Sicherheit vermittelt werden. Ihre Glückwünsche zu einem Ort der Begegnung der zugleich auch ein Punkt der Stabilität sein solle, verband sie mit der Hoffnung, "dass Sie Menschen, die bei Ihnen Hilfe suchen, immer die richtige Unterstützung bieten können".

Der Reigen der Gratulanten wurde von Sozialdezernent Krug abgeschlossen, der zunächst Glückwünsche von Landrat Heinz Eininger zum gelungenen Bauvorhaben übermittelte. Beeindruckt zeigte sich auch Dieter Krug von dem, was hier in kurzer Zeit entstanden ist, während der nicht nur der Neubau und die Umstrukturierung zu schultern, sondern "auch auf das Hin und Her in Sachen Hartz IV" zu reagieren war. "Wir alle betreten Neuland", stellte er fest, zeigte sich aber überzeugt davon, dass das "Lotsenprojekt Begleitung auf dem Weg in Arbeit" mit insgesamt 24 Maßnahmeplätzen im laufenden Jahr mit der vorhandenen langjährigen Erfahrung gemeinsam gut umgesetzt werden kann.

Kurzinterviews, die Willy Kamphausen mit Henry von Bose vom Diakonischen Werk, Irene Krissler von der Agentur für Arbeit und dem Vorsitzenden des Evangelischen Jugendwerks, Dieter Aldinger, führte, rundeten die fundierten Einblicke in die konzeptionellen, finanziellen und gesellschaftspolitischen Hintergründe des "Eckpunktes" ab. Der sehr gründlich und gewissenhaft vollzogenen Feierstunde dennoch die entsprechende Leichtigkeit und Kurzweiligkeit zu verleihen, war die nicht einfache Aufgabe, der sich Rolf-Rüdiger Most mit seinem Saxophon und Kirchenmusikdirektor i. R. Ernst Leuze am Keyboard höchst erfolgreich stellten.

Dekan Ellinger konnte schließlich doch noch als "Bote des Endes" mit einem Gebet überleiten zum zweiten Teil des Abends. Keinen Zweifel ließ er aufkommen, dass Freude und Fröhlichkeit bei einem solchen Anlass durchaus Raum gegeben werden dürfe so lange sie "nicht zügellos" sondern entspechend "theologisch gezähmt" sei . . .