Lokales

Wichtige Impulse in einer neuen Zeit

Reges Interesse am „Tag der Architektur“ und gut umgebauten Objekten

Gute Architektur hat nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Auch im Altkreis Nürtingen. Dort haben sich am Samstag, dem bundesweiten Tag der Architektur, rund 40 Männer und Frauen für öffentliche und private Gebäude interessiert. Bei der unter dem Motto „Architektur lebt“ veranstalteten Rundfahrt besichtigte die Gruppe unter Leitung des Vorsitzenden der Kammergruppe Esslingen II, Dipl.-Ing. Karl-Albrecht Einselen, Objekte in Lenningen, Weilheim, Kirchheim und Nürtingen.

richard umstadt

Kirchheim. Die Architekten der Kammergruppe II – sie umfasst den Bereich des Altkreises Nürtingen – wählten Objekte aus, die dem Inte­resse vieler kommunaler und privater Bauherren am Thema Sanierung, Umbau und Anbau Rechnung trugen und wertvolle Impulse geben konnten. Denn in der heutigen Zeit legen vor allem Städte und Gemeinden Wert darauf, dem „Flächenfraß“ Einhalt zu gebieten und Baulücken innerorts zu schließen, beziehungsweise alte Gebäude umzubauen. Und beide, öffentliche wie private Investoren, achten verstärkt darauf, die Energiekosten so niedrig wie möglich zu halten.

Der Reiz solcher Besichtigungstouren zu gelungenen Beispielen zeitgemäßen Umbaus und moderner Sanierung macht deren Vielfältigkeit aus. So erhielten die rund 40 Teilnehmer der architektonischen Pilgerfahrt ebenso Einblicke in öffentliche Bauwerke wie den Erweiterungsbau für den Ganztagesbereich des Schulzentrums Lenningen in Oberlenningen und den Umbau, die Sanierung und Erweiterung des Weilheimer Rathauses, als auch in private Gebäude wie den Umbau eines Zweifamilienhauses zu einem Einfamilienhaus in Kirchheim und den Anbau an ein Fünfzigerjahrehaus in Nürtingen.

Durch den an die Lenninger Hauptschule angedockten Neubau des Ganztagsbereichs führte der Schulleiter, Rektor Klaus Erlenmaier. Erläuterungen zur gelungenen Architektur gab Karl-Albrecht Einselen vom Kirchheimer Büro Knoblauch, Luippold, Einselen, Kern, aus dessen Feder Entwurf und Planung stammt und das auch für die Bauleitung verantwortlich zeichnete. Einen weiteren öffentlichen Bau, dessen „Architektur lebt“, bekam die Gruppe im Limburgstädtchen Weilheim zu sehen. Dort führten Stadtbauamtsleiter Roland Rendler und Architekt Single von der Nürtinger Architektenwerkgemeinschaft Weinbrenner, Single, Arabzadeh, die Besucher durch den neuen Anbau.

Die Verwandlung eines über 50-jährigen Zweifamilienhauses in der Kirchheimer Lichtensteinstraße zu einem anspruchsvollen, modernen Einfamilienhaus erläuterten der Stuttgarter Architekt dieses Projekts, Ralf P. Häussler, sowie die Bauherrschaft der Teilnehmerschar. 1956 wie die umliegenden Gebäude auch von der Kreisbau als Zweifamilienhäuser errichtet, waren die getrennten Drei-Zimmer-Wohnungen über ein gemeinschaftliches Treppenhaus zu erreichen. Die Grundrisse waren typisch für jene Zeit. Die einzelnen Zimmer der rund 67 Quadratmeter großen Wohnungen lagen entlang eines zentralen Flurs. Die Geschosse wurden mit Öl- und Gaseinzelöfen beheizt.

Diese klassische Zweiteilung des Hauses hob der Architekt auf und zeigte bereits äußerlich durch die Anordnung der Fenster und die Gestaltung der Fassade, dass es sich nun um ein Einfamilienhaus handelt. Im Innern des Gebäudes öffnete er im Erdgeschoss die Räume und schuf durch das Herausnehmen einer Deckenhälfte eine räumliche Verbindung zum Obergeschoss, in dem Schlafzimmer, Arbeitszimmer und Bad untergebracht wurden. Dadurch entstand über dem Essplatz im Erdgeschoss neben der Küche ein Luftraum, der den ruhigen, lichten Eindruck der Innenräume unterstützt und durch die großzügige Verglasung Sonne und damit Wärme einfängt. Ein kleines Appartement für Gäste richtete die Bauherrschaft im Dachgeschoss ein.

Der Umbau des Hauses dauerte sieben Monate von Oktober 2006 bis Juli 2007. Das Gebäude erhielt neue Holz-Alu-Fenster mit Wärmeschutzverglasung und die Fassade eine 16 Zentimeter starke Wärmedämmung, ebenso wurde die Kellerdecke gedämmt. Die Gas-Brennwerttherme der Zentralheizung ist unauffällig im Dachgeschoss installiert. Die Fußbodenheizung sorgt für eine gleichmäßig verteilte angenehme Wärme. Solarthermie wurde vorbereitet. Wie Architekt Häussler sagte, liegt der Primärenergiebedarf weit unter dem von der Energieeinsparverordnung geforderten Wert.

Ihren Abschluss fand die Rundfahrt in Nürtingen, wo in der Jettenhardstraße 2005 ein moderner, kubenförmigen Anbau an ein Fünfzigerjahrehaus entstand, entworfen von den Nürtinger Architekten Zaiser + Schwarz.

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