Lokales

Wichtige Sozialberatung

Viele Vereine klagen über Desinteresse der Mitglieder und leere Säle bei ihren Veranstaltungen. Solche Sorgen hat die Kirchheimer Arbeiterwohlfahrt (AWO) nicht.

KIRCHHEIM Bei der Hauptversammlung der AWO konnte ihr Vorsitzender Gerwin Harand bei einem vollen Haus auf ein Jahr mit vielen erfolgreichen Angeboten und stabilen Finanzen zurückblicken. "Uns geht es ganz gut", so sein Resümee vor 50 Besuchern.

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Mit Hilfe einer Computerpräsentation beleuchtete Gerwin Harand die Entwicklung der Organisation und der Finanzen. Eingeblendete Schnappschüsse riefen die gut besuchten, in bewährter Manier von Helga Mix organisierten AWO-Ausflüge in Erinnerung und sorgten für Heiterkeit selbst während eines trockenen Rechenschaftsberichts. Bei den Ausfahrten, die außer im Sommer jeden Monat angeboten wurden, konnten 2005 immerhin 400 Teilnehmer gezählt werden.

Gerwin Harand sprach sich für "Mund-zu-Mund-Propaganda" aus, die der AWO wieder mehr jüngere Mitglieder bringen soll. "Um am Ende des Jahres die Schallmauer von 100 Mitgliedern zu knacken, werden wir auch bei befreundeten Organisationen im sozialen Bereich unsere Werbung verstärken", kündigte der AWO-Vorsitzende an. Kirchheim sei aber "wesentlich besser gestellt als andere Orte". Harand verwies auf Nürtingen, wo der Ortsverein der AWO aufgelöst werden musste. Ein Teil der dortigen Mitglieder hat sich nun dem rührigen Kirchheimer Verein angeschlossen.

Bei den so genannten "Mutter-Kind-Kuren", die die AWO für Familien in Notsituationen anbietet, beklagte Gerwin Harand einen zu hohen bürokratischen Aufwand: "Wir haben leider wenig Plätze, aber sehr viele Anfragen und noch mehr Papierkrieg mit den Krankenkassen." Erneut als Lichtblick wertete Harand die Sozialberatung für türkische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Das Angebot werde zwar zu 90 Prozent von der Stadt finanziert, wofür sich Gerwin Harand ausdrücklich bedankte doch das Engagement der AWO bedeute indes aber auch für die Kommune unter dem Strich eine Entlastung. "Wir haben im Jahr 2005 an 52 Nachmittagen rund 375 Einzelberatungen durchgeführt und dabei Notfall-Service auch während der Ferien angeboten", lobte Harand das herausragende Engagement der beiden AWO-Mitarbeiter Seyhun Taskesen und Gundhard Racki.

Über ein "gutes Kassenjahr" berichtete Finanzreferentin Heidi Benk und führte dies vor allem auf Einnahmen aus dem Verkauf von Wohlfahrtsmarken und des von Wilhelm Schmidt selbst gebastelten Holzspielzeugs am jährlichen Weihnachtsstand sowie auf Spenden aus der Landessammlung zurück. Kassenprüfer Dr. Rolf Röhm hatte die Lacher mit der Feststellung auf seiner Seite, er habe sich "alle Mühe gegeben, aber nichts gefunden" und müsse deshalb leider "aus nichts" einen Bericht machen. Keinerlei Widerspruch gab es deshalb, als der Revisor die Entlastung des gesamten AWO-Vorstands beantragte.

Einige Mitglieder wurden schließlich für ihre langjährige Zugehörigkeit zur AWO geehrt. Die silberne Ehrennadel für 25-jährige Mitgliedschaft konnten Regina Hamann, Monika Seel und Elfriede Kümmerle in Empfang nehmen.

Den inhaltlichen Part hatte diesmal die SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer übernommen, die sich mit der Frage beschäftigte, wie gute Politik für ältere Menschen auszusehen habe. Die älter werdende Gesellschaft, auch als demografischer Wandel bezeichnet, sei eine Tatsache, an der sich heute niemand mehr vorbeimogeln könne. "Ich merke das schlicht daran, wie in den vergangenen Jahren die Zahl der Geburtstagsglückwünsche gestiegen ist, die ich an über 80-Jährige verschicke", vermeldete Bregenzer.

Um dem aus dem Ruder laufenden Altersaufbau der deutschen Gesellschaft entgegenzuwirken, plädierte die Landtagsabgeordnete für mehr Kinderfreundlichkeit und bezahlbare Wohnungen für junge Familien. Ferner müssten die Bildungspotenziale voll ausgeschöpft werden. "Dazu gehört auch, dass man in den Firmen wieder stärker auf die Erfahrungen der älteren Arbeitnehmer setzt und nicht stolz darauf ist, keinen über 50 beschäftigt zu haben", mahnte Carla Bregenzer. Sie appellierte ferner an die Kommunen, ihre Infrastruktur rechtzeitig an die wachsende Zahl von alten und hochbetagten Menschen anzupassen.

mm