Lokales

Wichtige Weichen für Westerweiterung gestellt

Als sich das Land im August außergerichtlich mit den Filderbauern einigte und damit den Weg für den Bau der neuen Landesmesse ebnete, stellte die Landsiedlung bei den Grundstücksverhandlungen wichtige Weichen für die Westerweiterung des Flughafens. Wie jetzt bekannt wurde, verpflichteten sich die fünf betroffenen Bauern, 1,7 Hektar Ackerland an die Flughafen-Gesellschaft (FSG) abzutreten.

HARALD FLÖSSER

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LEINF.-ECHTERDINGEN Die Landwirte werden auch die gepachteten Flächen klaglos abgeben, sobald auf den Fildern die nächste Großbaustelle ansteht. Man habe dieses Abkommen geschlossen, bestätigt Walter Vohl, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Esslingen. Weil schon genug Unruhe entstanden sei, habe niemand das Thema an die große Glocke gehängt. Die Chance, die geplante Westerweiterung des Flughafens zu verhindern, liegen nach Vohls Einschätzung "bei Null", denn bei dem Projekt handle es sich um eine "eindeutige öffentliche Aufgabe". Deswegen hätten seine Berufskollegen dem zusätzlichen Passus im Einigungspakt auch zugestimmt. Allerdings zu schlechteren Konditionen als beim Verkauf der Messegrundstücke. Während die Landwirte dafür 53 Euro pro Quadratmeter erhielten, bringen ihnen die Flächen für die Flughafenerweiterung nur 20 Euro, wie der stellvertretende Flughafen-Sprecher Andreas Veil bestätigte.

Für das geplante Projekt werden Veil zufolge abzüglich der Fläche des Parkplatzes P 0, die ebenso dazugeschlagen wird wie das Areal, das als Baustelleneinrichtung für Terminal 3 genutzt wurde, insgesamt 23,3 Hektar Grund benötigt. Auf etwa 15 Prozent kann die FSG bereits zugreifen. Denn außer den 1,7 Hektar von den Landwirten nennt sie bereits 1,8 Hektar ihr Eigen. Wann das Planfestellungsverfahren eingeleitet wird, steht noch nicht fest. "Im Moment sind wir mit den Vorarbeiten beschäftigt", sagt Veil. "Wenn alles optimal läuft, rechnen wir im Frühjahr 2007 mit dem Planfeststellungsbeschluss."

Allzu große rechtliche Hürden fürchtet man bei der Flughafengesellschaft nicht. Denn im Regionalplan sei das benötigte Areal als Entwicklungsfläche festgeschrieben, so Veil. Und nach dem Luftverkehrsgesetz habe das Fachplanungsrecht sowieso Vorrang vor allen übrigen Planungen. Mit der Westerweiterung will die FSG vor allem die derzeitigen Engpässe auf dem Vorfeld beseitigen. Für die Flugzeuge sollen 20 neue Abstellpositionen geschaffen werden. Außerdem soll ein neues Tanklager errichtet werden. Dessen Standort steht laut Veil aber noch nicht fest.

Vor allem in Leinfelden-Echterdingen befürchtet man durch die Flughafen-Erweiterung zusätzlichen Lärm. Veil hält diese Angst für unbegründet. Man rücke zwar weiter an die Stadt heran, "aber der Lärm wird nicht zunehmen". Denn man grabe sich förmlich in das nach Osten geneigte Gelände hinein. Außerdem entstehe ein Gebäuderiegel am Westrand, der wie das Luftfrachtzentrum im Süden lärmdämmend wirke. Obendrein sei angedacht, einen begrünten Erdwall als Lärmschutz aufzuschütten. Große Unruhe herrscht nach wie vor unter den Filderlandwirten. Denn niemand weiß, wie die durch den Messebau verlorenen Ackerflächen ausgeglichen werden sollen. "Wir haben noch nichts Handfestes", so Bauernsprecher Vohl. Wie berichtet, hat man den Landwirten 50 Hektar bewirtschaftbaren Boden als zusätzliche Ausgleichsflächen außerhalb des Filderraums zugesagt. Die Landsiedlung hat bis Ende Oktober 2005 Zeit, diese Flächen zur Verfügung zu stellen.

Große Hoffnungen setzt Vohl in die neue Strukturkommission Filder, die sich am 8. Dezember zu ihrer konstituierenden Sitzung treffen wird. Neben sechs Landwirten werden Vertreter des Landwirtschaftsministeriums, des Staatsministeriums, der Land-siedlung und des Verbands Region Stuttgart am Tisch sitzen. "Wir wollen klar wissen, wie es auf den Fildern weitergeht", umreißt Vohl seine Erwartungen. Den Landwirten müssten klare Perspektiven aufgezeigt werden. Ihm gehe es auch um eine Gleichbehandlung aller Landwirte. Auch Bauern, die nicht offiziell in ihrer Existenz gefährdet sind, hätten Anspruch auf angemessene Entschädigung. Als existenzgefährdet gilt ein Landwirt, wenn er mindestens zehn Prozent seiner Betriebsfläche verliert.