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"Wichtiger Bildungs-, Kultur- und Erlebnisort"

Hoch zufrieden blickten Landrat Heinz Eininger, Museumsleiterin Steffi Cornelius sowie der Vorsitzende des Museums-Fördervereins, Wolfgang Maier, auf die Saison 2004 im Freilichtmuseum des Landkreises Esslingen in den Beurener Herbstwiesen zurück. Rund 82 000 Gäste hatten in diesem Jahr das "Dorf" besucht und somit für das zweitbeste Ergebnis seit dem Start 1995 gesorgt.

RICHARD UMSTADT

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BEUREN Die Leiterin des Freilichtmuseums Beuren, Steffi Cornelius, hat ehrgeizige Ziele. Sie will sich mit einem attraktiven und im Landkreis fest verankerten Museumsdorf noch nicht zufrieden geben. "Ich habe die Vision, das besucherfreundlichste, kreativste und lebendigste Freilichtmuseum in Baden-Württemberg zu werden", sagte sie bei der traditionellen Saisonabschlussfeier in der zum Heustadel umdekorierten ehemaligen Kfz-Halle neben dem Gebäude der Museumsverwaltung im Tiefenbachtal.

Dass das Freilichtmuseum des Landkreises auf dem besten Weg dorthin ist, belegte der Erfolg der abgelaufenen Saison. "Wir haben allen Grund zum Feiern", versicherte Landrat Heinz Eininger seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dem Team um Steffi Cornelius, den Fördervereinsmitgliedern und Gästen. "Sie alle haben zum Gelingen eines attraktiven, lebendigen Museums beigetragen", bedankte sich der Kreisverwaltungschef bei den Männern und Frauen.

Zwar waren die Rahmenbe-dingungen in diesem Jahr durch die Baustelle vor den Museumstoren, eine abgesagte Einweihung und dem im Kreistag rotierenden Rotstift nicht gerade ideal. Dennoch erwies sich das vielfältige Programm mit über 100 Einzelveranstaltungen einmal mehr als Besuchermagnet. Hinzu kam das neu eröffnete Ausgedinghaus des Hofes Aichelau, die Sonderausstellungen "Von einem Ort zum anderen", "Der alte Bienenwagen" und der "Schöne Schein". Auch das zehnjährige Jubiläum des Fördervereins des Museums sowie Veranstaltungen von Betrieben und private Kindergeburtstagsfeiern sorgten für weiteren Zulauf in denBeurener Herbstwiesen. "Zu dieser Vielfalt tragen eine ganze Menge Partner mit bei", freute sich Landrat Eininger über die Vielzahl von "Multiplikatoren", zu denen auch die SWR-Fernsehteams zählten.

Neu wurden in der zurückliegenden Saison themenmorientierte Führungen angeboten. Zu den beliebtesten museumspädagogischen Aktionen gehörten wie im Vorjahr das "Backen im Museumsbackhaus", "Feuer machen wie vor 200 Jahren" und "Vom Schaf zur Wolle Filzen". Zwar seien die Teilnehmerzahlen bei den museumspädagogischen Angeboten leicht zurückgegangen, doch zeigte sich Heinz Eininger mit der Resonanz insgesamt zufrieden. "Das Freilichtmuseum ist fest verankert im Kulturgeschehen des Landkreises und darüber hinaus", wusste der Landrat und bezeichnete die Einrichtung als "wichtigen Bildungs-, Kultur- und Erlebnisort".

Der Kreistag beschloss, das Ausgedinghaus Aichelau in diesem Jahr umzusetzen, um das Museum aufzuwerten. Dieser Beschluss wäre jedoch nicht ohne das Engagement der 354 Mitglieder des Museums-Fördervereins zu Stande gekommen, war sich Eininger sicher und bedankte sich dafür. Dabei betonte er aber, dass der Dank die stärkste Form der Bitte sei, so weiterzumachen in der kommenden Saison 2005.

"Wir haben 2004 wieder die 80 000er-Marke überschritten und das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des Freilichtmuseums eingefahren. Damit haben wir uns etabliert", sagte der Landrat. Die meisten zahlenden Besucher verzeichnete die Museumskasse übrigens im Jahr 2002: Rund 86 000 interessierten sich für die alten Gebäude.

Auch der Vorsitzende des Fördervereins, Wolfgang Maier, sprach von einer erfolgreichen Saison unter dem Motto "Wir machen mit". Mit dem Beschluss, für die Umsetzung des Ausgedinghauses Aichelau als Verein Zins und Tilgung zu übernehmen, sei ein neuer Weg beschritten worden, um ein "wichtiges Projekt in schwierigen Zeiten" voranzubringen.

Das Freilichtmuseum als "Schnittstelle zwischen Gegenwart und Vergangenheit" beschrieb Museumsleiterin Steffi Cornelius. Dies drücke sich auch in den Veranstaltungen aus. Besonderen Wert legte Steffi Cornelius darauf, dem Klischee von der "guten, alten Zeit" authentische Erfahrungen, wie sie zum Beispiel Zeitzeugen beschrieben, entgegenzusetzen. Hierzu installierten die Museumsmitarbeiter in den einzelnen Gebäuden Hörstationen in Umzugskartons, was einen jungen Besucher zu der Bemerkung veranlasste: "Schade, dass so viele Häuser im Umzug sind. Bin gespannt, was sich in der nächsten Saison verändert hat."

Ausblick Saison 20052005 will das Freilichtmuseum noch familienfreundlicher werden. Deshalb kündigte die Museumsleiterin in ihrem Ausblick eine Familienkarte für Großeltern und Enkel an. Bislang machten Familienbesuche etwa 24 Prozent der Gäste aus. Mit einem anteil von 55 Prozent kamen zumeist einzelbesucherinnen und Besucher zwischen April und November 2004 in die Beurener Herbstwiesen.

Des Weiteren gibt es in der kommenden Saison eine neue Plakatreihe sowie eine Ausstellung unter dem Motto "Wir sind aus dem Häuschen zehn Jahre Freilichtmuseum Beuren". Eine bessere Ausstattung der Museumsgebäude soll die Attraktivität der alten Häuser steigern und die vergangene Zeit erlebbarer machen.

Seit 1995 wurden auf dem Areal des Freilichtmuseums 21 Gebäude, Viehunterstände und Ställe wieder aufgebaut, begonnen mit dem Bauernhaus aus Tamm, der Gärtringer und Beurener Scheuer, dem Wohn-Stall-Haus aus Beuren, über den Schweinestall aus Ehningen, das Backhaus aus Sulzgries, den Ohmdener Bienenwagen, das Tagelöhnerhaus aus Weidenstetten, den Kalkofen bis hin zur Obstmühle ausOwen, dem Birkacher Hühnerstall, dem Rathaus aus Häslach, demLaichinger Weberhaus und demFotoatelier Hofmann aus Kirchheim, um nur einige zu nennen.

Das Freilichtmuseum in denBeurener Herbstwiesen ist eines dersieben regionalen ländlichen Freilichtmuseen im Südwesten, die vom Land Baden-Württemberg gefördert werden. Die neue Saison 2005 startet in Beuren am Gründonnerstag, 24. März. Ausführliche Informationen gibt es auch im Internet unter www.freilichtmuseum-beuren.de.