Lokales

Wichtiger Zeugenberg des Schwäbischen Vulkanismus

Druckfrisch überreichte Landeskonservator Wolf im Rahmen einer Wanderung dem Regierungspräsidenten Udo Andriof das neue Faltblatt über das Naturschutzgebiet Limburg. Ansprechend gestaltet und kurzweilig informiert dieses über die einzigartige Kulturlandschaft des Vulkanschlotes mit seiner Vielzahl an Lebensräumen.

RENATE SCHATTEL

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WEILHEIM Zu erhalten für interessierte Wanderer, Schulklassen und Naturliebhaber ist das neue Faltblatt in den Geschäften Weilheims, im dortigen Rathaus und beim Regierungspräsidium Stuttgart. Regierungspräsident Udo Andriof zeigte sich auf der Wanderung erfreut über die neue Publikation, die das Regierungspräsidium in Zusammenarbeit mit der Planungsgruppe Ökologie und Information herausgab, die auch den 2004 eröffneten Natur- und Kulturlehrpfad rund um die Limburg gestaltet hatte. "Wir möchten werben für den Naturschutz und aufmerksam machen auf die Aufgaben. Das Faltblatt ist ein Weg dazu."

Die Limburg wurde 1990 unter Naturschutz gestellt und umfasst mit 161,5 Hektar ein buntes Mosaik an Lebensräumen, die Rückzugsmöglichkeiten für Pflanzen und Tiere bieten, erzählte der engagierte Naturschützer. Von europäischem Rang seien die blütenreichen Mähwiesen und der Magerrasen als international anerkanntes Vogelschutzgebiet. Geologisch gehöre die Limburg zu den 320 Zeugen des "Schwäbischen Vulkans", die vor 17 Millionen Jahren entstanden sind.

Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer blickte in seiner Begrüßung nochmals auf die Geschichte der Limburg zurück. "Sie ist geologisch ein Zeugenberg für den Vulkanismus und geschichtlich der Stammsitz der Zähringer, den 1050 Bertold I. begründet hatte." Das schwäbische Adelsgeschlecht rodete die Kuppe des Berges, um dort ihre Burg zu errichten. Vor 300 Jahren sei der Berg ausschließlich mit Wein bepflanzt worden. Heute sei das Gebiet ein einziger Obstgarten mit der Besonderheit, dass der Kopf des Berges, wo einst die Zähringerburg stand, ein Magerrasenbiotop sei, das erst vor kurzem mit Hilfe aller Weilheimer Vereine wieder freigestellt wurde.

Das ganz auf Weilheimer Markung liegende Naturschutzgebiet werde von Verwaltung, Gemeinderat, Vereinen und Anwohnern engagiert gepflegt, freute sich das Stadtoberhaupt. Landeskonservator Reinhard Wolf, Leiter des Referates Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Stuttgart, erzählte den Teilnehmern auf der Wanderung von den naturkundlichen Besonderheiten des Naturschutzgebietes. Fast 200 Meter rage die 598 Meter über dem Meeresspiegel stehende Limburg markant über die Umgebung heraus und zeuge von der Zeit, als das Erdinnere noch nicht zur Ruhe gekommen war und sich ein großer unterirdischer Magmaherd zwischen Reutlingen, Kirchheim und Münsingen erstreckte, der an die Erdoberfläche drängte.

"Es ist aber ein Irrtum, zu glauben, dass die Limburg Feuer gespien hat", klärte Reinhard Wolf die Wanderungsteilnehmer auf. Es kam zu Gasexplosionen, die große Gesteinsmassen heraussprengten, welche dann wieder in die Krater zurückstürzten. Das aus den Tiefen herausgeschleuderte Material verfestigte sich nach dem Erlöschen des Vulkans zu Basalttuff. 320 solcher Vulkanröhren gebe es zwischen Bad Urach und der Limburg, zum großen Teil nicht sichtbar wie beispielsweise der erst kürzlich von Kirchheimer Schülern entdeckte Bol bei Dettingen.

Im Laufe von Jahrmillionen wurden die Weißjura-Schichten am Nordrand der Schwäbischen Alb vom Wasser immer weiter abgetragen und durch Erosion kamen die gegen Wasser widerstandsfesten Vulkanschlote zum Vorschein, wie die Teck oder die Limburg. "Die Landschaft wird sich in den nächsten Millionen Jahren weiter verändern, alles ist im Fluss", warf Reinhard Wolf einen Blick in die ferne Zukunft.

Zurück in der Gegenwart stellte Angela Ehni von der Planungsgruppe Ökologie und Information den 2004 gestalteten Natur- und Kulturlehrpfad vor, der mit elf Schautafeln rund drei Kilometer durch die Streuobstwiesen der Limburg führt und naturwissenschaftliche, landeskundliche, kulturhistorische sowie ökologische Zusammenhänge erklärt. Einen Zusammenhang von Ökologie und Umwelt machte Landeskonservator Wolf am Beispiel des Lauchkrautes, auch Knoblauchsraute genannt, klar.

Diese Pflanze brauche sehr viel Stickstoff und habe eigentlich auf dem Magerbiotop Limburg nichts zu suchen. Tatsächlich verbreite sie sich flächendeckend im Unterholz, aber mittlerweile auch in den Wiesen, weil der Boden durch Autoabgase und Überdüngung stark Stickstoff angereichert sei. Dass die Knoblauchsraute die seltenen endemischen Pflanzen wie Ragwurz, Storchschnabel oder Goldnessel vertreibe, sei besonders bedenklich und die artgerechte Pflege der Magerrasen umso wichtiger.

Artgerecht gemäht werden die Wiesen um die Limburg von den fleißigen Besitzern, der Gemeinde und von den Schafen, die auch während der Wanderung ihrer Arbeit pflichtbewusst nachgingen.

Die Wandergruppe konnte dann auch das Rufen des Halsbandschnäppers hören, der erst seit acht Tagen eingetroffen war und im August wieder weiter fliegt. Grauspecht, Wendehals, Gartenrotschwänzchen und Blaumeise bevölkern das einzigartige Vogelschutzgebiet dauerhaft und konnten bei der Ortsbegehung ebenfalls bewundert werden. Nicht umsonst wurden die Streuobstwiesen zwischen Kirchheim und Göppingen 1991 als "Important Bird Area in Europa International Bedeutsames Vogelbrutgebiet" ausgezeichnet.

Die Streuobstwiesen stellte Landeskonservator Reinhard Wolf bei einem Blick auf die einzigartige Landschaft vor. "Das ganze Albvorland ist eine große Obstwiese." Mit 14 500 Exemplaren gehören Kirschbäume mit Äpfel- und Birnbäumen zum Streuobstbestand und bestehen aus verschiedenen, alten Sorten. "Der Bestand erhält sich dann, wenn es unterschiedliche Altersstufen gibt. im Naturschutzgebiet Limburg werden ständig Bäume nachgepflanzt und gepflegt", lobte Reinhard Wolf den Einsatz der Streuobstwiesenbesitzer, die trotz des hohen Arbeitsaufwandes wenig Ertrag haben.

Im ganzen Land lasse der Pflegezustand der Bäume sehr zu wünschen übrig und damit sei der Erhalt der Obstwiesen gefährdet, sorgte sich Reinhard Wolf. Ein Übriges trage gerade dieses Jahr der Frostspanner bei, der das frisch ausgetriebene Laub fresse, wie auch rund um die Limburg deutlich wurde. Bürgermeister Hermann Bauer wies darauf hin, dass die Stadt Weilheim den Erhalt der Streuobstwiesen mit 6 000 Neupflanzungen in den letzten 20 Jahren unterstützt hat. Eine weitere Besonderheit auf dem Weg durch das Naturschutzgebiet bot sich den Wanderern in flüssiger Form dar. Die Weinbauern der Limburg schenkten am Rebenhang Silvaner und Spätburgunder aus. Die Wanderung machte einmal mehr deutlich, dass die Limburg ein sehenswerter Zeugenberg des Schwäbischen Vulkanismus ist, aber auch ein Zeuge von Generationen von Menschen, die diese Kulturlandschaft durch ihre Nutzung geformt haben.