Lokales

Wie 430 Tuben Haargel unbemerkt zum Gelingen beitragen

STUTTGART Der Besuch eines Musicals ist natürlich für eine Schulklasse etwas ganz Besonderes. Das umso mehr, wenn sie zusätzlich einen Blick hinter die Kulissen werfen darf und Bereiche zu sehen bekommt, die sonst nur Mitarbeitern zugänglich sind. Eine fachkundige Führung durch den Pressesprecher Klaus Zimmermann brachte zahlreiche interessante Informationen über das Theater im SI-Zentrum, und auch das Gespräch mit zwei Darstellern ist nicht jedermann vergönnt.

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Im Musical "42nd Street" werden 800 Kostüme und 600 Paar Schuhe benutzt. Bei solch einer Menge käme die eigene Maskenwerkstatt zum Erliegen, wenn nicht unter anderem durch Theaterhäuser in London, New York und sogar in Indien ausgeholfen worden wäre. Da das Musical in den 30er-Jahren spielt, kann man Kostüme und Schuhe auch nicht mehr einfach kaufen, sondern muss sie in mühevoller Handarbeit herstellen. Die Verantwortung für Kostüme und Schuhe übernehmen während des Musicals die "Dresser". Es ist unfassbar, dass 30 Darsteller es fertig bringen, mehrere Male innerhalb von wenigen Sekunden ihre komplette Kleidung zu wechseln.

Natürlich brauchen nicht nur die Damen Perücken, die der Mode der 30er-Jahre entsprechen. Die aus Kunstfasern bestehenden Haare werden jeder Schauspielerin, jedem Schauspieler passend angefertigt. 200 werden pro Aufführung getragen, und hinter jeder stecken bis zu 40 Stunden Arbeit und ein Verbrauch von 400 Flaschen Haarspray, 430 Tuben Haargel. Das sind Dinge hinter den Kulissen, die unbemerkt vom Zuschauer zum Gelingen beitragen.

"42nd Street" mit seinem 65-köpfigen Ensemble ist eines der erfolgreichsten Musicals. Innerhalb der acht Monate, die es in Stuttgart lief, haben es über 400 000 Menschen gesehen. Faszinierend ist eben auch die perfekte Technik: Zum Bühnenbild gehören 22 000 Glühbirnen mit einer Gesamtleistung von 780 000 Watt pro Stunde, würden alle gleichzeitig brennen. Während einer Aufführung allerdings werden "nur" 500 000 Watt insgesamt verbraucht, weil eben nie alle Lichtquellen gleichzeitig leuchten. Eine Soundanlage mit 102 Kanälen und über 50 Lautsprechern sorgen für einmalige Toneffekte.

Hinter die Kulissen zu schauen, ist an und für sich schon toll, aber auch noch die Aufführung selbst mitzuerleben, ist super-toll. Das Musical spielt, wie oben schon gesagt, in den 30er-Jahren in New York. Eine junge, talentierte, noch unbekannte Schauspielerin versucht ihr Glück und bewirbt sich in einem großen Tanz-Theater, wo sie sogar die Aufmerksamkeit des berühmten Regisseurs auf sich lenkt und die Chance ihres Lebens bekommt. Doch sie steht nicht in der Gunst des alternden Stars des Ensembles, die eifersüchtig darauf bedacht ist, die junge Schauspielerin nicht nach oben kommen zu lassen.

Nach ein paar Proben ist Schluss mit lustig, sie wird gefeuert und muss beinahe ihre Karriereträume aufgeben, wenn ihr nicht ein Zufall zu Hilfe gekommen wäre und sich für sie doch noch alles zum Guten wendet. Über Nacht wird sie wider Erwarten zum Star, und außerdem verliebt sie sich auch noch ein Musical also mit einem Happy End. Das Stück ist unterhaltsam für junge, aber auch für ältere Leute. Der Gesang, die Musik, das Orchester, das Licht einfach alles ist hier perfekt. Jeder Handgriff sitzt, jeder Ton trifft, jeder hat seine Vorschriften und Positionen. Alles klappt, als wär's ein Kinderspiel. "Es war einfach begeisternd", meinten wir Schüler.

Klasse 8c

Realschule Lenningen