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Wie aus Schrott teure Rohstoffe werden

Kaatsch macht den Schrott von Großfirmen wie Daimler und Bosch zum Rohstoff der Stahlwerke. Das ist das erfolgreiche Konzept des Recyclingunternehmens im Plochinger Hafen.

HANS-JOACHIM HIRRLINGER

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PLOCHINGEN Der Jahresumsatz hat sich bei Kaatsch zwischen 2002 und 2005 auf 74 Millionen Euro mehr als verdoppelt, und für 2006 peilt die Firma nach Angaben ihres geschäftsführenden Gesellschafters Hermann Wager die 100 Millionen Euro an.

"Kreislaufwirtschaft" und "Umweltschutz" hört oft, wer mit Wager über den von ihm geführten Betrieb spricht. Das eine ist vom anderen nicht zu trennen. Ganz direkt, weil Schrott und Altholz, die wieder verwertet werden, auch die Umwelt schonen. Mehr als 270 000 Tonnen Stahlschrott sind 2005 am Nordseekai sortenrein getrennt und zu Gießereien und Stahlwerken verschifft worden. Hinzu kommen 18 000 Tonnen Nichteisen-Metalle. Dass die Altholzverwertung innerhalb von vier Jahren von 16 000 auf 62 000 Tonnen zulegte, hängt mit dem Altholzbereich der Färber Holztechnik am Rheinkai zusammen. Kaatsch übernahm deren Aktivitäten im Mai 2004 und sicherte damit die Arbeitsplätze von zehn Färber-Mitarbeitern.

Schrott ist nicht gleich Schrott diese Erkenntnis führte im Oktober 2003 zu einem neuen Geschäftsbereich bei Kaatsch, dem Nutzeisenhandel. Profilstähle, Stahlrohre, Spundwände und Kanaldielen lassen sich beispielsweise aufbereiten und wieder auf Baustellen verwenden. 2005 kamen Umschlagstoffe wie Zellulose in Zusammenarbeit mit der Firma Vöhringer hinzu. Mittlerweile werden 70 000 Tonnen umgeschlagen.

"Wir haben unsere Kernkompetenz aufgestockt", nennt das Ralph Wager. Der 28-jährige Diplom-Betriebswirt (BA) ist vor einem Jahr als Assistent der Geschäftsleitung in den Betrieb eingestiegen, an dem seit 1988 zu drei Vierteln der passive Gesellschafter Scholz AG, Essingen, beteiligt ist. Und ein wenig von der Begeisterung des Vaters "in der Schrottwerkstatt ist immer Leben" hat auch den Sohn gepackt, der in den Semesterferien bei Kaatsch Bagger und Radlader fuhr.

Dass Umweltschutz bei Kaatsch extrem wichtig ist, hat mehrere Gründe. Zum einen müssen die Lieferanten die fachgerechte Entsorgung ihrer Abfälle im Detail nachweisen. Das fordert das Gesetz. Wager hat deshalb schon 1996 das Qualitätsmanagement zertifizieren und seitdem immer auf dem neuesten Stand halten lassen. Dafür bürgt Prokurist Gerhard Schimko. 1997 wurde der Betrieb als Entsorgungsfachbetrieb zertifiziert und 1998 auch nach der Altautoverordnung. Warum auch Radioaktivität von der Einfahrt bis zum Verladeband gemessen wird, erläutert Schimko an einem Beispiel aus Spanien. Dort seien radioaktive Schrotte eingeschmolzen worden. "Der GAU", sagt Schimko, denn die gesamte Produktion habe aus dem Verkehr gezogen werden müssen.

Im Jahr 2005 kam das Umweltaudit hinzu. Kaatsch-Kunden hätten es eingeführt, "und wir wollten einer der ersten sein, die diese Voraussetzungen als Lieferant erfüllen", beschreibt Schimko die Vorreiterrolle der Firma. Das hat auch nützliche Nebeneffekte: Die Umstellung der Beleuchtung auf Energiesparlampen bringt 20 Prozent Stromersparnis. Ein Regenwassertank im Holzlager am Rheinkai spart teures Trinkwasser für die Sprinkleranlage, die die Staubbelastung für Personal und Nachbarschaft verringert. Für 2007 plant Kaatsch eine Solaranlage auf zwei Hallen, denn "wir wollen zukunftsorientiert sein", wie Schimko sagt. 2007 sind auch Lärmschutz für die Kranbahn und der Umzug des Nichteisenlagers vom alten Güterbahnhof an den Rheinkai in die frühere Halle von VAW Imco geplant, wo Kaatsch 1,6 Millionen Euro investiert. In alle unternehmerischen Entscheidungen würden auch ökologische Kriterien einbezogen, betont Ralph Wager.

Zurzeit türmen sich am Nordseekai wieder die Schrottberge. Doch das kann sich schnell ändern, wenn das nächste Schiff 1300 Tonnen vor allem für luxemburgische Stahlwerke abholt und damit etwa 50 Laster ersetzt. "Das Massengut Schrott gehört aufs Schiff", sagt Schimko.