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Wie der Mensch, steht der Hof auf zwei Beinen

„Schmeck die Teck“: Der Hofladen der Familie Kuch auf dem Unterlenninger Sulzburghof floriert – Zweite Säule: Milchwirtschaft

richard umstadt

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Lenningen. Idyllisch liegt er über Unterlenningen in der Nähe der alten Burgruine, von der er den Namen entliehen hat – der Sulzburghof von Angelika und Bernhard Kuch. Von hier schweift der Blick bei schönem Wetter übers Tal zur Teck, zum Gelben Felsen und den mit Obstbäumen bewachsenen Hängen. Was Touristen und Naherholungssuchenden angesichts der sommerlichen Bilderbuchlandschaft die Herzen höher schlagen lässt, treibt dem Landwirt nicht selten den Adrenalinspiegel in die Höhe. Kleinparzellierung und Realteilung sind am Albtrauf bittere Wirklichkeit. Sie setzt der technischen Automation auf dem Bauernhof Grenzen. „Das sind zum Teil topografisch schwierigste landwirtschaftliche Flächen“, weiß Bernhard Kuch, der die Wiesen in Extremsteillagen von Kühen beweiden lässt. Insgesamt 120 Stück Rindvieh, davon 50 Milchkühe, nennt er sein Eigen. Das war nicht immer so. Als Angelika Kuchs Eltern Heinz und Gretel Gökeler 1970 in den neu errichteten Sulzburghof zogen, standen 16 Kühe im Stall und die landwirtschaftlich genutzte Fläche betrug damals 26 Hektar. Heute hat sich diese fast verfünffacht. Davon sind 85 Hektar Grünland, auf dem auch die etwa 1 000 Obstbäume stehen. Die restlichen rund 35 Hektar sind Ackerland.

Bildet die Milchviehwirtschaft den einen Schwerpunkt der Produktion, so ist das andere Standbein des Sulzburghofs die Direktvermarktung. „Und die ist gewachsen“, erinnert sich Angelika Kuch, Hauswirtschaftsmeisterin und Gründungsmitglied von „Schmeck die Teck“. Anfangs wurden auf dem Hof nur Milch, Eier, Kartoffeln, Zwiebeln und Dosenwurst verkauft. Doch das kleine Lädle platzte irgendwann aus allen Nähten und verwandelte sich in den 1990er-Jahren zu einem großen, florierenden Hofladen, der seiner Kundschaft eine breite Produktpalette anbieten kann – zumeist aus eigener Herstellung. Außer der täglich frischen Milch und Milchprodukten, Eiern auch aus Freilandhaltung, Fleisch von Rind und Kalb sowie verschiedenen Wurstsorten gibt es Saft und Schorle vom Sulzburghof aus ungespritzten Äpfeln, es gibt Kartoffeln und Zwiebeln, Obst, Gemüse und Salate aus kontrolliert integriertem Anbau vom Gemüsehof Ernst Schäffer aus Köngen, den hochprozentigen „Geist von der Sulzburg“, Marmelade wie etwa den „Lenninger Gsälzbär“, Honig, Nudeln, Mehl, Müsli, Wein und frisch aus dem Ofen verschiedene Brotsorten, Brötchen, Kuchen und „süße Stückla“. Viermal in der Woche steht Angelika Kuch bereits um 3 Uhr in der professionell eingerichteten Backstube im Keller des Wohnhauses und backt Bauernbrot, Sechs-Korn-, Dinkelvollkorn-, Dinkel-Schrötli- und Mischbrot oder Nuss- und Hefezöpfe. „Wir stellen alle Backwaren ohne Zusatzstoffe her, das verlangt viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung“, sagt die Hauswirtschaftsmeisterin. Dafür kommen auch Allergiker auf ihre Kosten.

„Vom Grundsatz her sind wir Bauern“, stellt Bernhard Kuch fest. „Wir müssen aber unsere Raiffeisenmentalität ablegen und lernen, unsere Produkte gut zu verkaufen“. Das ist für die Vermarktung der regionalen Produkte aus der Landwirtschaft unumgänglich. Dazu zählt vor allem auch die Information der Verbraucher. Und die beginnt auf dem Sulzburghof bereits bei den Führungen für Schulklassen. Den Mädchen und Buben vermitteln Angelika und Bernhard Kuch anschaulich, wie kurz die Wege ihrer Erzeugnisse zum Verbraucher sind. Darüber hinaus lädt die engagierte Bauersfamilie Gruppen jeglichen Alters zu Hofführungen mit anschließendem zünftigen Vesper ein. Der Sulzburghof ist deshalb ein ideales Wander- und Ausflugsziel. Für die kleinen Besucher gibt es sogar einen Streichelzoo und einen Kinderspielplatz.

Kurze Wege nehmen die Produkte vom und zum Sulzburghof auch durch die Vernetzung der „Schmeck die Teck“-Mitglieder. So liefert Bernhard Kuch Weizen an die Owener Mühle Ensinger, ebenfalls ein Vereinsmitglied, und Ensinger bringt das Getreide in Form von Mehl zurück auf den Sulzburghof. Das Fleisch ihrer Rinder und Kälber lassen die Kuchs vom „Schmeck die Teck“-Mitglied, Metzgermeister Jochen Ehni, in Oberlenningen schlachten und verwursten. Die Edelbrände kommen von Vitus Rommel aus Unterlenningen, ebenfalls Mitglied im Verein „Schmeck die Teck“. Dabei legen alle Erzeuger nicht nur Wert auf ein qualitativ gutes Produkt, sondern wissen, dass sie damit einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der Kulturlandschaft um die Teck leisten. Und diese Leistung muss honoriert werden. Idylle gibt‘s nicht umsonst.

Der Verein „Schmeck die Teck“ wurde am 4. April 2001 gegründet und zählt heute rund 20 Mitglieder. Vorsitzender ist Klaus Lang aus Ohmden, Geschäftsführerin Anne Rahm aus Köngen. Über sie sind weitere Informationen über den Verein zu erhalten unter der Telefonnummer 0 70 24/86 82 74 oder per Internet unter der Adresse Schmeckdieteck@web.de. Informationen über den Sulzburghof in der Unterlenninger Max-Leuze-Straße gibt es unter www.sulzburghof.hoffrisch.de oder unter der Telefonnummer 0 70 26/41 41. Der Hofladen ist montags von 15 bis 19 Uhr geöffnet, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 12.30 Uhr und von 15 bis 19 Uhr, und samstags von 7.30 bis 12.30 Uhr und von 17 bis 18 Uhr.