Lokales

Wie der Raum als Pädagoge wirkt

Tag der offenen Tür zur nachträglichen Einweihung des Owener „Kindergartens Bahnhofstraße“

Rund 500 Besucher gaben sich beim Tag der offenen Tür des „Kindergartens Bahnhofstraße“ in Owen ein Stelldichein. Einen ganzen Mittag lang konnten sich Eltern, Großeltern und sonstige Interessierte ein Bild vom räumlichen und pädagogischen Konzept machen, das in der Einrichtung umgesetzt wird.

Daniela Haussmann

Owen. Zwar haben Kindergartenleiterin Wiltraud Bandle und ihr Team mit den Kindern bereits am 7. Januar den Neubau bezogen. Dennoch ließen es sich Matthias Bankwitz, dessen Architekturbüro mit der Planung des neuen Gebäudes beauftragt war, und Bürgermeisterin Verena Grötzinger nicht nehmen, den Erzieherinnen am vergangenen Sonntag offiziell den Schlüssel für den Neubau zu übergeben.

„Obwohl wir gerade erst eingezogen sind“, sagte Verena Grötzinger, „verbindet uns mit diesem Gebäude eine lange und interessante Geschichte.“ Vier Amtsperioden habe das Projekt bis zu seiner Fertigstellung in Anspruch genommen. Ganz am Anfang der Überlegungen sei ins Auge gefasst worden, das alte Kindergartengebäude, das in den 1950er-Jahren errichtet worden war, zu sanieren. Am Ende sei der Beschluss zugunsten eines Neubaus gefällt worden – und das nicht allein aus Kostengründen, sondern auch, um den räumlichen und pädagogischen Anforderungen zu genügen, die eine Ganztagsbetreuung und die Einrichtung einer Kinderkrippe mit sich bringen. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich Verena Grötzinger zufolge auf etwa 2,5 Millionen Euro. Sie betonte, dass bei den Betriebskosten ein Mehraufwand von 200 000 Euro entstehe. „Dieser bezieht sich aber rein auf den pädagogischen Bereich, den wir um sechs Erzieherinnen aufgestockt haben.“

Matthias Bankwitz erklärte in seiner Rede, dass die Entscheidung des Gemeinderats für den Neubau ganz neue Möglichkeiten für die Planung und Umsetzung des Projekts eröffnet habe. Beispielsweise sei eine Beheizung des Gebäudes unabhängig von fossilen Brennstoffen über Erdwärmesonden und eine Wärmepumpe ermöglicht worden. Gleichzeitig werde der Stromverbrauch der Wärmepumpe über die auf dem Dach installierte Fotovoltaik-Anlage vollständig ausgeglichen.

Beim Bau selbst wurden dem Architekten zufolge ausschließlich ökologische Materialien verwendet. „Damit wurde eine wesentliche Verbesserung der Aufenthaltsqualität, des Komforts und der Raumluftqualität erzielt und zugleich etwas für unsere Umwelt getan“, so Matthias Bankwitz.

Laut Wiltraud Bandle ist es mit dem Neubau möglich, Kinder entsprechend ihrer Talente, Interessen und Neigungen gezielt zu fördern und ihnen kreative Entfaltungsmöglichkeiten zu geben. Themenräume, wie eine Wasserwerkstatt, ein Musik- oder Bewegungsraum, helfen der Kindergartenleiterin zufolge, die Heranwachsenden im Rahmen der frühkindlichen Förderung optimal zu unterstützen. Hier sei unter anderem mit der Einrichtung einer Kinderküche eine wichtige Voraussetzung geschaffen worden, um den Kindern ein Gemeinschaftserlebnis zu verschaffen, im Zuge dessen sie auch Teamfähigkeit einüben und lernen, mit anderen zu kommunizieren.

„Die Räumlichkeiten müssen so gestaltet sein, dass die Erzieherinnen nur dann eingreifen, wenn das Kind Hilfe oder Anregungen benötigt“, erklärt Wiltraud Bandle. „Mit dem neuen Raumkonzept verteilt sich das Spiel der Kinder auf mehrere Räume. Damit wurden insgesamt nicht nur mehr Bewegungs-, sondern auch mehr Ruhemöglichkeiten für die Kinder geschaffen.“

Das bestätigte auch Architekt Matthias Bankwitz: „Die kleine Welt in und um den ‚Kindergarten Bahnhofstraße‘ ist nicht nur in Ordnung, sie bietet jede Menge Möglichkeiten: Eine Erlebnis- oder Spieltreppe ist vorhanden, ein Kinderrestaurant und eine Wasserwerkstatt wurden eingerichtet, sogar eine extensiv begrünte und bespielbare Dachfläche steht zur Verfügung.“ Damit bieten die Freiflächen aus Sicht des Kirchheimer Architekten vielfältige Spielmöglichkeiten.

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