Lokales

Wie Kinder

Ist Jesus der "Entdecker der Kinder"? Für damalige Verhältnisse eine Ungeheuerlichkeit, geschichtlich gesehen ohne Vorbild. Zur Diskussion der Jünger im Matthäusevangelium, Kapitel 18,1 ff., wer unter ihnen der Größte sei, trägt Jesus dies zur Antwort bei: Er stellt ein Kind in ihre Mitte und sagt: "Seht euch dieses Kind an! Werdet wie es ist! Sonst begreift ihr nichts vom Reich Gottes. Sonst werdet ihr nicht hineinkommen. Sonst wird es nicht zu euch kommen. Sonst wird es nicht in euch wachsen."

Kinder sind offen, unvoreingenommen, fragen, wollen lernen, passen sich leicht und gerne an, ahmen nach, suchen ein Vorbild, haben Angst und geben es zu, zeigen Gefühle, haben Fantasie, sind selbstbewusst und doch demütig, sind neugierig, mit offenen Augen und Ohren und einem weiten Herzen sehen sie der Zukunft entgegen.

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So können sie uns Vorbild sein so sagt es Jesus in einer gesellschaftlichen Situation, in der Kinder eben nicht als vollwertig anerkannt waren. Ein Vorbild sollen sie den Christen sein auf ihrem Weg zum Himmelreich. Und warum gerade Kinder? Weil all das, was Erwachsene Kindern an Wissen, Erfahrung, Macht und Besitz voraus haben, auf die Zuwendung Gottes keinen Einfluss hat. Gottes Reich kann nur in uns wachsen, wenn wir das alles ablegen und für unwesentlich erachten können.

Indem Jesus ein Kind in die Mitte stellt predigt er uns die bedingungslose, voraussetzungslose Liebe Gottes. Nichts brauchen wir vorzuweisen: keine Leistungsbilanzen und gute Taten.

Wenn in mir die Gewissheit wächst, was ich habe, was ich bin, was aus mir geworden ist, das verdanke ich nicht mir selbst dann wächst in mir das Himmelreich. Wenn ich mein Leben als Geschenk betrachten kann, dann wächst Gottes Himmelreich in mir.

Hans Birkenmaier

Pfarrer der evangelischen

Kirchengemeinde

Erkenbrechtsweiler-Hochwang