Lokales

Wie Rulaman scharfe Feuersteinmesser gebastelt

Wie Steinzeitmenschen vor 30 000 Jahren stellten Buben und Mädchen im Museumskeller des Kirchheimer Kornhauses Steinzeitmesser aus Feuersteinklingen her.

KIRCHHEIM Nachdem die Anmeldungen zum ersten von zwei Kinderferienprogrammen des Arbeitskreises Museumspädagogik schleppend verliefen, wollten doch noch 21 Buben und Mädchen etwas über die Sammlerinnen und Jäger Altsteinzeit erfahren. Leider hatte der Wettergott kein Einsehen, deshalb stiegen wir hinab in die Tiefen des Kellers des Museums im Kornhaus und versetzten uns zurück in die Zeit vor über 30 000 Jahren in die Altsteinzeit und in die Eiszeit.

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Hannes Wiedmann zeigte durch mitgebrachte Rentiergeweihe, Teile eines Mammutstoßzahns, Feuerstein und vielen anderen Materialien, wie die ersten modernen Menschen unsere steinzeitlichen Vorfahren im heutigen Süddeutschland lebten. Die Kinder erfuhren einiges über die eiszeitliche Umwelt, das Klima, die Tiere und die Pflanzen dieser Zeit, die Hannes Wiedmann mit Bildern und Schautafeln anschaulich darstellte. Die Menschen ernährten sich von den Pflanzen und Tieren, die sie mit Sammeln und Jagen in ihrer Umgebung beibringen konnten. Da bei dieser Wirtschaftsweise die Nahrungsressourcen ziemlich schnell erschöpft sind, waren sie gezwungen, sich nach relativ kurzer Zeit einen neuen Lagerplatz mit ausreichend Nahrung in der Umgebung zu suchen.

Sie benutzten all die Materialien, die ihnen zur Verfügung standen: Feuerstein, Knochen, Geweih, Elfenbein, sicher auch Leder, Holz und Pflanzenfasern, von denen wir aber normalerweise keine Überreste finden. Diese eiszeitlichen Menschen stellten bereits vor über 30 000 Jahren die ältesten Kunstwerke aus Mammutelfenbein und Schmuck her. Und auch Musik war ihnen nicht fremd, wie uns in der Geißenklösterle-Höhle bei Blaubeuren gefundene Flöten beweisen.

Spannend für die Kinder war, dass sie diese Teile als Duplikate selbst in der Hand halten konnten und sich wunderten, wie unsere Vorfahren mit ihren damaligen Werkzeugen solch Kunstwerke fertigen konnten.

Das mitgebrachte Vesper in der Mittagspause wurde ergänzt durch Beeren, Vogeleier und Rentierschinken, was manche mit etwas Skepsis probierten. Nach dieser Stärkung bekam jedes Kind ein Stück Holz mit Rinde. In der Mitte legte Hannes Wiedmann viele Steinzeitklingen aus. Damit sollten die Kinder die Rinde abschälen. Erstaunt stellten sie fest, dass diese Klingen sehr scharf waren und man sich deshalb mit einem kleinen Lederstück vor Schnittwunden schützen musste. Ziel war es, ein Messer mit Holzgriff und darin eingeklebter Feuersteinklinge herzustellen. Im ganzen Raum verteilt, arbeiteten die jungen Steinzeitmenschen.

"Hannes, ist das gut so, oder muss die Kerbe noch tiefer sein?" "Kannst du mir mal helfen, da ist ein Ast drin!" Allen konnte Hannes helfen, sodass nachher jeder sein altsteinzeitliches Messer in der Hand halten konnte.

Wer fertig war, konnte einen Anhänger aus Knochen, der mit einem Lederband versehen wurde, als Schmuck herstellen. Da das Wetter sich besserte, führte Hannes Wiedmann vor dem Museum vor, wie diese Menschen mit Feuerstein, Pyrit und Zunder ihr Lagerfeuer entzündeten.

Obwohl die Veranstaltung wetterbedingt ins Museum verlegt werden musste, machte es allen Teilnehmern viel Spaß. Stolz zeigten sie ihr Messer und ihren Schmuck den Eltern am Ende der Veranstaltung.

Der Arbeitskreis Museumspädagogik bietet am 14. September noch eine Veranstaltung zum Thema Steinzeit an. Treffpunkt ist bei hoffentlich schönem Wetter um 10 Uhr am Parkplatz Wasserturm in Kirchheim. Anmeldungen sind telefonisch unter 07021/502-377 möglich. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Arbeitskreises unter www.museumspaedagogik-kirchheim.de.

khb