Lokales

Wie sehen Sieger und ihre Fans aus?

KIRCHHEIM "So sehen Sieger aus", war am Samstag auf dem Kirchheimer Marktplatz, in der Fußgängerzone oder auf dem zum Parkplatz erklärten Alleenring immer wieder zu hören. Was darunter zu verstehen ist, blieb indes unklar. Ausgerechnet

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im sensiblen Hüftbereich mutwillig tiefergelegte Hosen, Jeans, deren Schritt dank exorbitanter Übergröße am Knie hängt oder auch von unten an unterschiedlich spät beginnende und unterschiedlich weite wadenumspielende Sommerhosenbeine könnten ein erstes Indiz zur sicheren Identifizierung liefern. Gundelpfannengroße Sonnenbrillen sind sicherlich weitere wichtige Ingredienzen. Dann wird es allerdings schon schwierig.

Mit Schminke und Tattoos in den derzeit absolut angesagten Modefarben Schwarz, Rot und Gold wo und wie flächendeckend auch immer angebracht kann eigentlich nichts falsch gemacht werden und dass eine entsprechende Fahne in der Hand und am besten auch noch eine Tröte am Mund mitgeführt werden sollte, ist in Fankreisen sicher ebenfalls noch mehrheitsfähig. Was aber ist die richtige Kopfbedeckung eines klassischen Siegertyps?

Die zylinderförmigen hohen Hüte können es kaum sein, denn die sorgen schon durch den von ihnen verursachten Luftwiderstand für kaum auszugleichende Wettbewerbsnachteile. Die regenschirmförmigen Konstrukte sind sicherlich für Sonne und Regen gleich gut geeignet, der cw-Wert dürfte dagegen nur suboptimal sein. Sind es am Ende doch die deutlich stromlinienförmigeren, aber inzwischen etwas angealterten Baseball-Caps?

Farbige Irokesen-Perücken mögen möglicherweise lustig aussehen, aber sind sie tatsächlich der richtige Schritt auf dem Weg zum Erfolg? Überdimensionierte Handschuhe in Nationalfarben und der Beschriftung "Goal" sind derzeit oft zu sehen und können sich den verdienten Applaus dann ja gleich großformatig selbst spenden. Schwarz-rot-goldene "Hawaii-Ketten" sind ein anderes interessantes Ausstattungsstück, für das offensichtlich vor allem Siegerinnen zu begeistern sind. Bei sengender Hitze ausgerechnet mit dicken Schals umwickelt schwer schwitzend durch die Gegend zu feiern, wirkt das wirklich cool?

Vermutlich machen Kleider aber vielleicht tatsächlich nur Leute, aber keine Sieger. Da muss vielleicht doch der fahnenbestückte fahrbare Untersatz herhalten. Waren Reifen, Felgen, Spoiler und getönte Lichter in seligen Mantazeiten sogar Fuchsschwänze potenzielle Potenz-Symbole, scheinen all diese Dinge inzwischen von der möglichst gleich zweifach gehissten Flagge eingeholt zu sein, die selbst vor soliden Dienstwagen nicht halt macht.

Die WM-Konjunktur treibt atemberaubende Kapriolen, das ist überdeutlich zu sehen. Wer hätte diesen Produkten vor Wochen schon eine große Zukunft vorausgesagt? Vielleicht sind die Tage spaßiger Fanartikel ja bald schon wieder gezählt. Jetzt schauen wir erst einmal nach Berlin. Dann wissen wir endlich auch, wie Sieger aussehen und ihre Fans.