Lokales

Wie wär's mal mit Pastinaken?

"Die beste Medizin ist immer noch die Freude am Leben", meinte Hans-Peter Stemmer von der Landwirtschaftlichen Krankenkasse Baden-Württemberg beim "Beib-Fit-Tag" der Landfrauen in Wernau. 70 Landfrauen, meist Ortvorsitzende und Übungsleiterinnen, waren von Stuttgart bis Schwäbisch Gmünd zusammengekommen. Sie widmeten sich dem Thema mit viel Spaß und großer Gelassenheit.

PETER DIETRICH

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WERNAU "Bewega, horcha, schnaufa, essa, trenka, saua, schwätze und senga": Das lässt sich für Nichtschwaben mit "sich bewegen, horchen, atmen, essen, trinken, schnell laufen, miteinander reden und singen" übersetzen. Dies sind die wichtigsten Gesundheitstipps, mit denen Bernhard Bitterwolf, pädagogischer Mitarbeiter der Schwäbischen Bauernschule Bad Waldsee, den "Bleib-Fit-Tag" im Jugend- und Bildungshaus St. Antonius begann. Was so locker präsentiert wurde und mit vielen Witzen, Spielen und Liedern ausgestaltet war, hatte einen durchaus ernsten Hintergrund. So mahnte Bitterwolf beim Begriff "horcha", nicht nur auf Fachleute zu hören, sondern genauso in sich selbst hinein auf die Signale seines eigenen Körpers. Auch die Bedeutung der Gemeinschaft und des Gesprächs waren ihm sehr wichtig anders als bei manchem wortkargen Schwaben, für den eine Liebeserklärung nur einmal gesagt werde und dann bis auf Widerruf gelte.

Nach dem humorvollen Einstieg durchlief jede Teilnehmerin nacheinander vier Arbeitsgruppen. Drei Gruppen widmeten sich den drei Säulen der Gesundheit, der Bewegung, der Ernährung und der Entspannung. In der vierten Gruppe ging es um das, was die Gesundheit sehr schnell zerstören kann, um die Sucht.

Probleme mit dem RückenWer noch nie Probleme mit dem Rücken gehabt habe, wollte die Diplomsportpädagogin Mirjam Baur in der Bewegungsgruppe wissen Fehlanzeige. Und weil die Wirbelsäule zwar aus Wirbeln besteht und Säule heißt, aber von Muskeln aufrecht gehalten wird, folgten nach der Theorie sogleich einige Spannungsübungen zur Kräftigung und Dehnung dieser Muskeln.

Nicht um Spannung, sondern um Entspannung ging es bei der Entspannungstrainerin Alice Marquardt. Auch das Loslassen, betonte sie, müsse geübt werden: "Den Effekt einer Übung spürt man erst nach dem fünften oder sechsten Mal." 80 Prozent aller Krankheiten seien unter anderem stressbedingt. Die Lösung zur Stressbewältigung liege in jedem selbst. Als Einstieg führte sie mit den Teilnehmerinnen eine viertelstündige Fantasiereise durch.

Fantasie ist auch in der Küche gefragt, bei der landwirtschaftstechnischen Beraterin Jutta Burkert gab es dazu Anregungen. Die Ernährungspyramide zeigt es: Obst und Gemüse kann man kaum zuviel essen, mit Milchprodukten, Fisch, Fleisch und Wurst sollte man schon sparsamer umgehen, sich bei Fetten, Ölen und Süßigkeiten noch mehr zurückhalten. Wer Pastinake, Topinambur oder Radieschensprossen noch nie versucht hatte, konnte es bei Burkert sogleich tun.

Um den gefährlichen Weg in die Sucht ging es beim Suchttherapeuten Erhard Baier. Er führt vom Genuss über die dadurch empfundene Erleichterung oder die Gewöhnung in die Abhängigkeit. Sucht kann für Baier Kaffee, Zigaretten, Alkohol und Medikamente betreffen, sich aber auch auf Süßigkeiten, Fernsehen, Glücksspiel oder den Kaufrausch beziehen.

Was die Teilnehmerinnen erfahren und gelernt haben, sollen sie nun in die verschiedenen Landfrauengruppen tragen. Allein im Landfrauenverband Württemberg-Baden gibt es 650 Ortsvereine mit 55 000 Landfrauen, landesweit sind es 85 000.