Lokales

"Wie wenn man den Badewannenstöpsel zieht"

Heftige Regenfälle haben die Dettinger Feuerwehr, die Mitarbeiter des Bauhofs und zahlreiche "zivile" Helfer am 21. August in Atem gehalten ausgerechnet am Straßenfestwochenende. Ursache für die Überschwemmungen waren verstopfte Einlaufgitter an den Verdolungen. Der Gemeinderat diskutierte jetzt über mögliche Konsequenzen.

ANDREAS VOLZDETTINGEN Detailliert berichteten Bauhofleiter Klaus Euchner und Feuerwehrkommandant Jürgen Holder im Ratsgremium über die Einsatzschwerpunkte: Vor allem westlich der Lauter in den Gebieten "Baumgarten" und "Nachtobel" sowie bei den Schützen und den Segelfliegern am Guckenrain war es im August zu Überflutungen gekommen. In manchen Kellern stand das Wasser bis zu einem Meter hoch.

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"Am Forsthaus war das Gitter voll mit Müll, Holz und Gras", schilderte Bauhofleiter Euchner die Zustände vor Ort, "von Hand hat man das gar nicht mehr weggebracht, da hat es den Bagger gebraucht." Als das Gitter frei war, sei das Wasser wieder ordentlich abgelaufen. Denselben Effekt hat Gemeinderat Rainer Kuhn am Schützenhaus erlebt: "Das war, wie wenn man in der Badewanne den Stöpsel zieht."

Feuerwehrkommandant Holder erklärte die Strategie der Floriansjünger, zunächst einmal Objekte zu schützen, die noch nicht vom Hochwasser betroffen sind. Wo das Wasser schon drin ist, lasse sich nichts mehr schützen so hart das auch für diejenigen klingen möge, deren Keller voll gelaufen ist. Um Unwetterschäden künftig besser vorzubeugen, riet Jürgen Holder dazu, einen Voralarm einzurichten "wie das am Rhein entlang der Fall ist". Grundlage für den Voralarm müsste zusätzlich zu den Vorhersagen des Deutschen Wetterdiensts "das eigene Gefühl" sein.

Sandsäcke ließen sich bei einem Voralarm schon wesentlich früher füllen und "verlasten". Bislang lagern etwa 70 Säcke direkt im Gerätehaus. Holder schätzt, dass die Helfer in der jüngsten Unwetternacht noch 350 bis 400 zusätzliche Sandsäcke gefüllt haben. "Wir könnten einen kleinen Vorsprung gewinnen", meinte der Feuerwehrkommandant.

Die Ratsmitglieder sprachen sich allgemein für den Voralarm aus. Der Vorschlag, die einzelnen Gitter von der Nachbarschaft besser überwachen zu lassen, erwies sich indessen als weniger praktikabel. Bauhofleiter Klaus Euchner konnte nämlich versichern, dass Holz, Gras und Unrat erst vom Regenwasser angespült werden: "Die Gitter im Baumgarten waren eine halbe Stunde vorher noch frei."

Um weitere Präventivmaßnahmen zu erarbeiten, sollen sich nun Experten an einem runden Tisch zusammensetzen. Dabei ließen sich sowohl die negativen als auch einige positive Erfahrungen vom August-Hochwasser aufarbeiten. Neben der Einsatzbereitschaft der Dettinger wertete Bürgermeister Rainer Haußmann nämlich auch die Kanalisation als Pluspunkt: "Das Kanalsystem hat funktioniert und keine Probleme gemacht. Das ist der Beweis, dass es ausreichend dimensioniert ist."

Bei den Grünanlagen in den "Unteren Wiesen" hat sich ebenfalls gezeigt, dass sie die Wassermassen aufnehmen konnten. Für Gemeinderat Dietmar Vogt war dies Anlass zur ehrlichen Selbstkritik: "Dieser Tag hat gezeigt, dass in den ,Unteren Wiesen' alles richtig gemacht wurde. Ich werde deshalb nie wieder über zu tiefe Gräben lästern."