Lokales

Wieck als Zeitzeuge

Dem Wendlinger Robert-Bosch-Gymnasium ist es gelungen, einen bedeutenden Zeitzeugen einzuladen. Michael Wieck überlebte in Königsberg als jüdischer Deutscher die NS-Zeit, überstand die russische Besetzung und schrieb darüber ein spannendes Buch. Die Vorstellung des Werks findet am Dienstag, 23. November, statt.

WENDLINGEN Da die Buchvorstellung Wiecks und die anschließende Diskussionsmöglichkeit sicher nicht nur für Schülerinnen und Schüler interessant ist, geht die Veranstaltung um 19.30 Uhr in den Räumen 211/212 der Schule über die Bühne.

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Michael Wieck hat vor vielen Jahren sein "Zeugnis vom Untergang Königsbergs Ein >Geltungsjude< berichtet" veröffentlicht. Er stellt die Zeit der Verfolgung durch die Nazis in seiner Heimatstadt Königsberg dar einer Stadt, die heute zu Russland gehört und Kaliningrad heißt. Doch darüber hinaus musste er den Einmarsch der Russen in die Stadt erleben sowie die Jahre danach, in denen er wieder zu den Verfolgten gehörte, weil er ja Deutscher war. Diese doppelte Verfolgung ist besonders tragisch. Zu Wiecks Größe gehört, dass sie keinen Hass auf alles Deutsche und Russische hinterließ. Erst 1948 ließen ihn die Russen nach Deutschland ausreisen. Er war der letzte Jude von Königsberg, denn alle anderen waren zuvor in die Todeslager "verschickt" worden. Der Grund: Er war geschützt, weil sein Vater "Arier" war. Außerdem war er auch einer der letzten Deutschen, die Königsberg mit Viehwaggons verließen.

Nach diesen schrecklichen Erlebnissen knüpfte Wieck an seine frühe Kindheit an, stammt er doch aus einer berühmten Familie: Seine Vorfahrin ist Clara Schumann-Wieck, seine Eltern waren Mitglieder des damals berühmten "Königsberger Streichquartetts" und er lernte früh Geige spielen. Nach 1948 konnte er eine Karriere als Geiger einschlagen, spielte in berühmten Orchestern und war zuletzt Erster Konzertmeister des Stuttgarter Kammerorchesters unter Karl Münchinger.

Heute reist er unterdessen durch Europa auch durch russische Städte , um sein ungewöhnliches Schicksal zu vermitteln: Seine Botschaft, dass sein Schicksal eine Mahnung für den Frieden ist und dieser nur erhalten werden kann, wenn "das Wissen um das Geschehene und die Botschaft (der) Toten" nicht vergessen wird, will Wieck auch in Wendlingen den Teilnehmern der Veranstaltung vermitteln. Der Abend wird unterstützt von der Landeszentrale für politische Bildung.

pm