Lokales

"Wie-Denker" bieten Lösungen statt Ausreden



ANDREAS VOLZ

Anzeige

KIRCHHEIM Den Startschuss zur "Service-Initiative Kirchheim" bildete ein "Chefseminar" im Gewölbekeller der Volksbank, zu dem die Gemeinschaft Kirchheimer Handel City Ring ihre Mitglieder und sonstige Interessierte eingeladen hatte. Zunächst umriss Jürgen Renken dabei die Zielsetzung der gesamten Initiative: "Wir wollen die Kunden in Kirchheim halten und neue Kunden nach Kirchheim ziehen." Eine Steigerung der Kaufkraft um rund fünf Prozent erhoffen sich die Initiatoren von der künftigen "Service-Oase". In der Relation zu anderen Städten sei Kirchheim schon sehr gut, führte Renken weiter aus. Die geringen Kaufkraftabflüsse gingen hauptsächlich nach Stuttgart, nicht aber in die konkurrierenden Städte Nürtingen, Esslingen und Göppingen.



Eine erste Kundenbefragung hat ergeben, dass Kirchheim als Einkaufs-, Wohn-, Arbeits- und Freizeitort hohe Sympathiewerte bei der Bevölkerung genießt. Als weniger gut werden dagegen die uneinheitlichen Öffnungszeiten der Geschäfte angesehen und die Parksituation: Die "Service-Oase" hat jeden Tag eine gewaltige Blechkarawane zu versorgen, kommen doch 68 Prozent der befragten Kunden mit dem Auto in die Kirchheimer Innenstadt. Jürgen Renken ging es beim City Ring-Seminar darum, dass sich Kirchheim auch an diesen beiden Punkten erfolgreich dem Wettbewerb stellt und sich stetig verbessert, denn die Kunden sollen "noch lieber in Kirchheim einkaufen".



Was dazu das Verkaufspersonal durch verbesserten Service beitragen kann, zeigte Diplom-Betriebswirtin Sieglinde Hölzli in ihrem "Sensibilisierungsvortrag" über Kundenbegeisterung und Mitarbeitermotivation ansatzweise auf. Die Mitarbeiter müssten vor allem Spaß am Beruf und am Umgang mit den Kunden haben. Die Chefs sieht die Geschäftsführerin der Heininger Unternehmensberatungsgesellschaft "Metabasis" als die "Trainer an der Seitenlinie", die coachen und motivieren. Neben Merksätzen wie "Wer aufgehört hat, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein" oder "Es gibt keine guten und schlechten Zeiten jede Zeit ist gut" zählte Sieglinde Hölzli Schlagworte zu aktuellen Trends auf, die im Umgang mit Kunden zu beachten sind: Individualität, Kreativität, Flexibilität oder Exklusivität. Besonders der Begriff "Wellness" werde gegenwärtig über alle Branchen gestülpt. Für die Referentin bedeutet "Wellness" daher so viel wie "sich etwas Gutes tun".



Im Service-Bereich geht es vor allem darum, den Kunden Gutes zu tun, ihnen Streicheleinheiten mitzugeben, zu kommunizieren, Kontakte zu pflegen und Lösungen anzubieten. Gerade an diesem Punkt zeigte sich Sieglinde Hölzli unnachgiebig: "Kunden brauchen keine Ausreden, sondern Lösungen." Mitarbeiter im Verkauf oder sonstige Dienstleister sollten grundsätzlich "Wie-Denker" sein. In der Gesellschaft gebe es ohnehin zu viele "Wenn-Denker". Das zeige sich an Sätzen wie: "Wenn es heute Abend regnet, können wir nicht grillen." Wie-Denker dagegen stellten sich die Frage: "Wenn es heute Abend regnet, wie können wir dann trotzdem grillen?"



Lösungen für alle möglichen Fragen und Problemstellungen wird Sieglinde Hölzli ab Mitte Oktober in vielen verschiedenen Seminaren mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von City Ring-Partnern erarbeiten. Bis Juli 2005 geht es dabei in vier Grundlagenmodulen um die Themen "Mit Freude und Spaß verkaufen", "Erfolgreicher Umgang mit Kunden", "Kundenbegeisterung in Kirchheim" sowie "Schwierige Situationen souverän und kompetent meistern". Außerdem bietet die Service-Sachverständige aus Heiningen für den Kirchheimer City Ring Spezialseminare zu Reklamationen oder zur Reduzierung der Diebstähle und eine besondere Schulung für künftige "Service-Coaches" einzelner Unternehmen an.



Für den Kirchheimer City Ring, der bei diesen Veranstaltungen auch den Bund der Selbstständigen und die Stadt Kirchheim wieder mit ins Boot holen möchte, liegt der Vorteil auf der Hand: Fortbildungsmaßnahmen können so gebündelt, einheitlich und vor allem direkt vor Ort angeboten werden. Letzteres sorgt unter anderem dafür, dass Kosten und Aufwand für die erforderliche Weiterbildung geringer sind als bisher.



Jürgen Renken und der City Ring-Vorsitzende Karl Michael Bantlin zeigten sich zum Abschluss des Sensibilisierungs-Seminars im Gewölbekeller der Kirchheimer Volksbank zuversichtlich, dass die Service-Initiative die Handelsgemeinschaft langfristig beschäftigen und die Attraktivität der Stadt zusätzlich und dauerhaft steigern kann. Immerhin habe das Fernsehen bereits Interesse daran gezeigt, die Kirchheimer Bemühungen um eine "Service-Oase" zu dokumentieren. Das dürfte dann für einen noch größeren Kaufkraftzufluss in der Teckstadt sorgen.

Viele Menschen drängen täglich nach Kirchheim lauter potenzielle Kunden für die Mitglieder des City Rings. Um die Attraktivität der Stadt und ihrer Geschäfte noch weiter zu steigern, hat die Handelsgemeinschaft eine Initiative gestartet, die Kirchheim zur "Service-Oase" machen soll.

Foto: Jean-Luc Jacques