Lokales

Wiedereinweihung der Nikolauskirche

Mit einem feierlichen Festgottesdienst wurde die Nikolauskirche in Gutenberg wieder eingeweiht, nachdem der Innenraum des Kirchenschiffes generalsaniert wurde. Schon 1999 ließ die Kirchengemeinde die Außenfassade samt Dach restaurieren, sodass zum Festgottesdienst nun die Kirche rundum in neuem Glanz erstrahlte.

RENATE SCHATTEL

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LENNINGEN Im sonntäglichen Sonnenschein erwies sich das frisch sandgestrahlte Gotteshaus schon beim ersten Blick als markantes Wahrzeichen der Gemeinde. Der fachkundig restaurierte Innenraum überzeugt mit seiner Geradlinigkeit, durch seine geschmackvolle Farbgebung, die strenge Geometrie der Holzarbeiten und des Fußbodens sowie die akzentuierten Beleuchtungskörper. Die Nikolauskirche bietet nun wieder einen würdigen Rahmen für die 651 Gemeindeglieder, die in einer großen Gemeinschaftsleistung mitgeholfen haben, ihr Gotteshaus zu erneuern und den Festgottesdienst zu gestalten.

Mit flotten Klängen empfing der Musikverein unter dem Dirigat von Michael Humblot die Gutenberger, Krebssteiner, Schlattstaller und die Schopflocher, die dafür extra ihren eigenen Gottesdienst ausfallen ließen. Feierlich zog Pfarrer Helmut Sobko und sieben Konfirmanden in die Kirche ein. Neben dem bestens präparierten Musikverein gestaltete die Familie Führinger ansprechend den Gottesdienst mit instrumentalen Zwischenstücken. Eine große Schar Kinderkirchkinder durften einen Tanz darbieten und zur Überraschung aller tauchte ein Rabe auf, um gute Wünsche für das frisch gerichtete Gotteshaus zu überbringen.

Mitten in die freudige Festlaune der Gottesdienstbesucher fragte Pfarrer Sobko zu Beginn seiner Predigt provozierend: "Lohnt es sich in der heutigen Zeit, so viel Kraft, Mühe und Geld für eine Kirche auszugeben, brauchen wir Kirche überhaupt noch?" Die Kirche habe sich im Laufe ihrer Geschichte zwar immer für Arme und Kranke eingesetzt, in Gutenberg die erste Schule mitgegründet und finanziert, im Zweiten Weltkrieg Nahrungsmittel gespendet und auch die Ostkirche unterstützt. "Die Hälfte aller Behinderten und Alten werden heute in christlichen Heimen betreut", zeigte er die soziale Wirksamkeit der Kirche auf. Aber, so Sobko, es gab auch eine andere Kirche, die abhängig war von Machenschaften und sich als Werkzeug benutzen ließ. Dass das Kirchenschiff mit sehr viel Mühe und Geld renoviert wurde und eine mutige und riskante Investition der wenigen Gutenberger Gemeindeglieder sei, ließe sich, so der Pfarrer, nur rechtfertigen, weil Christus das Kirchenschiff lenke. Dies machte er am Beispiel der biblischen Geschichte von der Stillung des Sturmes deutlich. "Gott lässt unser Kirchenschiff nicht untergehen". Vertrauen auf Gott hätten die Gutenberger schon Mitte des 19. Jahrhunderts bewiesen, als sie die Nikolauskirche bauten. In schlechtester wirtschaftlicher Lage, belastet von den Napoleonischen Kriegen, errichteten sie das Gotteshaus. Auch nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches ließ sich die Gemeinde nicht unterkriegen. Erika Hillegaart las aus den Tagebüchern des Pfarrers Gustav Kletschke vor, der als Vertretungspfarrer nach dem Kriegsende 1945 zehn Jahre in der Gemeinde wirkte und den Gemeindegliedern Hoffnung und Gnade predigte. "Auch wenn der Boden unter den Füßen schwankt und einem das Ruder aus der Hand gerissen wird, steht Gott zu uns", ist Pfarrer Sobko überzeugt. Er dankte den zahlreichen Mitbeteiligten an der Renovierung der Kirche, wie den freiwilligen Helfern und der Feuerwehr für über 1000 kostenlose Arbeitsstunden, den Geldspendern, Architekt Holder, den Handwerkern, der Landeskirche, dem Kirchengemeinderat, und Orgelbauer Andreas Schmutz, der die Groul/Goll-Orgel wieder auf den neuesten Stand gebracht hat.