Lokales

Wiedererstanden wie Phönix aus der Asche

Was aus einer durch Kriegswirren nach Dresden und Pforzheim nahezu total zerstörten Stadt geworden ist, lässt sich nicht erahnen. Man muss vor Ort mit eigenen Augen und Verstand die bewältigte Vergangenheit erleben. Gleich einem Phönix aus der Asche entstieg die Stadt Würzburg ihrem Grab am Main. Dorthin machte die Kolpingsfamilie Kirchheim ihren Jahresausflug.

KIRCHHEIM Bei angenehmer morgenfrische rollte der Bus in Richtung Autobahn Heilbronn Würzburg ab. Der erste Fahrpause bot die Möglichkeit für eine Stippvisite zum kunsthistorischen Kleinod der Stuppacher Madonna. Es handelt sich um ein Marienbild, von dem Fachleute behaupten, dass wohl kaum ein zweites mit so wundersamer Farbtönung existiert. Matthias Grünewald war der Maler.

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Eine weitere Unterbrechung der Fahrt nach Würzburg war für Schloss Weikersheim im Hohenlohischen vorgesehen. Es ist eine der schönsten Renaissance-Residenzen der Herren von Hohenlohe mit prächtigem Rittersaal mit kunstvoller Kassettendecke. Große Leinwandbilder mit Jagdszenen spiegeln den Glanz der Festsäle wieder.

Wer mit der Absicht die Stadt kenne zu lernen nach Würzburg kommt, wird sehr schnell feststellen, dass es eine Vielzahl von kulturellen Sehenswürdigkeiten zu entdecken gibt: Werke fränkischer Künstler wie Barockbaumeister Balthasar Neumann und Bildschnitzer Tilmann Riemenschneider, prächtige Bauwerke und Residenzen historische Sehenswürdigkeiten und Parks.

Auf 16 Uhr ist die erste Führung in der ehemals fürstbischöflichen Residenz vorgesehen. Mit dem Eintritt in die Residenz ist man fortwährend für die gesamte Führung in Erstaunen versetzt über die Großartigkeit des schönsten Schlossbaus des Süddeutschen Barocks. "Es ist ein Schloss über allen Schlössern", überwältigend in seiner großzügigen Gestaltung (UNESCO-Weltkulturerbe). Hier haben Tilmann Riemenschneider und Balthasar Neumann ihre Handschrift hinterlassen.

Nicht vergessen sei der große italienische Maler Tiepolo, der als Letzter der großen Venezianer die spätbarocke Malerei des 18. Jahrhunderts auf ihren Höhepunkt führte. Er schuf für die Gewölbedecke im Treppenaufgang der Residenz das größte Gemälde der Welt mit der Darstellung der damals bekannten vier Erdteile. Die Besichtigung der Residenz endet mit einem Streifzug durch Hofkirche und den Hofgarten. Der gemeinsame Ausklang des Tages fand im Bürgerspital die Geburtsstätte des fränkischen Boxbeutels statt.

Für den nächsten Tag war vormittags eine Führung durch die Stadt Würzburg vorgesehen. Die Stadt ist politischer, wirtschaftlicher, kirchlicher und kultureller Mittelpunkt Mainfrankens und ist als das Herz guter Frankenweine zwischen Spessart, Rhön und Steigerwald bekannt.

Beim Altstadtrundgang erlebt man auf Schritt und Tritt faszinierende kultur- und kunsthistorische Sehenswürdigkeiten, die Zeitzeugen einer wechselvollen Geschichte der Stadt sind: Dom, Falkenhaus (Rokokofassade), Marienkapelle (Tilmann-Riemenschneider-Figuren aus Sandstein), Marktplatz, alte Mainbrücke, Rathaus und vieles mehr. Das Straßenbild der Altstadt wird auffallend akzentuiert durch eine erstaunlich große Zahl von Hausfiguren. Mit dem Rundgang durch die Altstadt war ein weiterer Punkt des Programms zu Ende.

Der Nachmittag galt einem Besuch der Festung Marienberg. Sie war für ein halbes Jahrtausend Burg und Residenz der Fürstbischöfe von Würzburg und Herzöge von Franken gewesen und beherbergt heute das Mainfränkische Museum. Eine Schatzkammer, die die Kunstfreunde aller Welt einlädt, einem Blick in die kunsthistorische Vergangenheit des mainfränkischen Landes zu tun.

Zum Ausklang dieses Tages besuchte man im Augustinerkloster den aus Kirchheim stammenden Bruder Nikolaus, den die Kolpingsfamilie während seines missionarischen Einsatzes in Afrika, jahrelang finanziell unterstützte. Anderntags brach die Gruppe die Heimfahrt an und genoss noch eine Schifffahrt auf dem Main zum Schloss, mit Hofgarten Veitshöchheim. Auf der Rückfahrt besuchte man noch die Wallfahrtskirche in Walldürn.

jm