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"Wiesenhof musste Federn lassen"

Die Stadt Weilheim hat gute Chancen, das ehemalige Gelände der Geflügelschlachterei auf dem Egelsberg in ein Wohngebiet umzuwandeln. Die Landsiedlung Baden-Württemberg als Vermarkter, die Stadtverwaltung und Wiesenhof haben sich bezüglich des Preises für die Industriebrache verständigt.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Genaue Zahlen zum Verhandlungsergebnis mit der Firma Wiesenhof als ehemaliger Betreiberin der Geflügelschlachterei auf dem Weilheimer Egelsberg sickerten in öffentlicher Gemeinderatssitzung zwar nicht durch. Lediglich die Anspielung von Stadtrat Karl Mohring, "Wiesenhof hat Federn lassen müssen", ließ darauf schließen, dass Stadt und vor allem die Landsiedlung Baden-Württemberg mit den ausgehandelten Bedingungen zufrieden sein können. Nachdem der Betrieb zum Jahresende 2004 vollständig eingestellt worden war, suchte Wiesenhof einen Nachfolgenutzer beziehungsweise Käufer für das insgesamt 1,8 Hektar große Areal.

Die Stadt ihrerseits sah die einmalige Chance, den seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt der aus Nachbarschaft von Industrie und Wohnen gegeben ist, durch eine Umwandlung des Gewerbegebiets Egelsberg III in ein Wohngebiet aufzulösen. Bereits in der Gemeinderatssitzung im April stellte die ins Boot geholte Landsiedlung Baden-Württemberg ein grobes Konzept für die Industriebrache in exponierter Lage am Egelsberg vor. Die aktuellen Verhandlungsergebnisse legte Bürgermeister Hermann Bauer nun auf den Tisch: "Für den Abbruch der Gebäude ist Wiesenhof selbst zuständig, Erwerber ist die Landsiedlung." Der Kaufvertrag werde allerdings erst mit der Genehmigung des Bebauungsplans rechtswirksam. Damit sich das Projekt auch für die Stadt lohnt, soll das künftige Baugebiet um 67 Ar städtischer Fläche nach Westen erweitert werden.

Gemäß Vorplanungen der Landsiedlung Baden-Württemberg sollen auf dem neuen Baugebiet in leichter Osthanglage 180 bis 200 Wohnungen entstehen. Gedacht ist an preiswertes, familiengerechtes Bauen, unter anderem in Form von Reihenhäusern. Auf Grund des in 600 Metern Entfernung auf der Autobahn vorbeirauschenden Verkehrs und der geplanten Schnellbahntrasse Wendlingen Ulm sollen Lärmschutzmaßnahmen wie ein Wall im Bebauungsplan festgesetzt werden.

Nun muss die Stadt eine ganze Reihe von Verfahrensschritten hinter sich bringen. So ist eine Änderung des Flächennutzungsplanes für den Verwaltungsraum Weilheim ebenso notwendig wie eine Änderung und Erweiterung des Bebauungsplans Egelsberg III. Geändert werden muss außerdem die Landschaftsschutzverordnung, da die Einbeziehung neuer Flächen in das Landschaftsschutzgebiet ansteht.

"Auch wenn es sich bei dem Gebiet nicht um eine Spitzenlage handelt mit Reitplatz, Sportgelände, Bushaltestelle und evangelischem Gemeindehaus ist doch ein gewisses Maß an Infrastruktur in der Nähe vorhanden", sagte der Rathauschef und gab damit seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich Käufer für die Wohnungen finden lassen.

Während Ratsmitglied Rainer Bauer die Stadt in einer "Zwangslage" sah, da derzeit definitiv kein Baugebiet benötigt werde und die Entwürfe eine dichte Bebauung befürchten ließen, die vorgestellte Planung aber die einzige Möglichkeit darstelle, zeigte sich Albrecht Narr erfreut über die Entwicklung: "So haben wir die Sicherheit, dass dort kein Gewerbe hinkommt, das wir nicht beherrschen." Schließlich votierte das Ratsgremium einstimmig für den Vorschlag der Verwaltung.