Lokales

Wildtiere schonen

Mähverluste bei Wildtieren müssen nicht sein, so die Jägervereinigung Kirchheim, denn mit der Mähmethode lassen sich viele Leben retten.

KREIS ESSLINGEN Dicht ins Gras gedrückt liegen jetzt in den Wiesen die Rehjungen und man könnte glauben, dass die Muttertiere, die Geißen, sie verstoßen haben. Weit und breit, so Kreisjägermeister Jochen Sokolowski, ist nämlich für das menschliche Auge nichts zu sehen. Doch in sicherer Entfernung wird der Nachwuchs beobachtet und gegen Feinde, wie den Fuchs zum Beispiel energisch verteidigt.

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Gegen einen Feind sind die Geißen allerdings machtlos: den Kreiselmäher. Dem Rehkitz droht zurzeit der ersten Mahd der Mähtod durch landwirtschaftliche Maschinen. Die über Jahrtausende erfolgreiche Strategie der Kitze des "Nichtflüchtens" des "Sich-Drückens" ist zwar hilfreich gegen den Reinecke Fuchs, wird ihnen nun aber häufig zum Verhängnis. Ebenso verhält es sich bei anderen Wildtierarten. Angesichts der immer größeren Arbeitsbreiten, so Sokolowski, und den höheren Geschwindigkeiten der Maschinen ist die Verlustrate in den letzten Jahren eher gestiegen.

Ebenso trägt die weiter ansteigende Gewinnung von Grassilagen (statt Heu) zur Erhöhung der Wildtierverluste bei, da sie eine frühere und häufigere Mahd erforderlich machen. Dabei ist klar, so der Kreisjägermeister, eine Landwirtschaft, die konkurrenzfähig bleiben und den Wunsch nach hochqualitativen Nahrungsmittel zum kleinen Preis erfüllen will, kann auf die effizienten Mähwerke und die maschinengerechten Ackerschläge nicht verzichten.

Landwirte und Jäger versuchen jedes Jahr gemeinsam, Wildtiere vor dem Mähtod zu retten. Die Methoden sind dabei äußerst vielfältig: Angefangen bei der "Reh-Scheuche" in Form eines blauen Müllsackes auf der Wiese, über Ketten und Kunststoffzinken vor dem Mähbalken am Kreiselmäher des fahrenden Traktors, bis hin zum Absuchen mit dem Jagdhund. Am erfolgreichsten ist die Mission "Jungtierrettung", so Sokolowski, wenn sie schon am Abend vor der Mahd beginnt.

Dazu werden beispielsweise die Wiesen rundherum gemäht oder Blinklichter im Gras aufgestellt. Die Tiere führen beunruhigt durch das ungewohnte Licht ihr Jungen aus der Wiese heraus und suchen sich eine andere Bleibe.

Angepasste Mähtechnik verhilft zur Flucht. Landwirte können noch während des Mähens ohne Mehraufwand Fluchtmöglichkeiten für das Wild schaffen, indem sie die Arbeitsmethode anpassen. Das konventionelle Mähen von "außen nach innen" fängt Tiere wie auf eine Insel im Zentrum der Wiese. Fährt der Landwirt direkt in das Innere des Grundstückes und arbeitet von innen nach außen, lässt sich dies verhindern.

pm