Lokales

Wipfelpfad-Gegner formieren sich

Aktionsbündnis strebt Bürgerbegehren an – Ein „Juwel der Natur“ werde geopfert

Der geplante Baumwipfelpfad beim Reußenstein lässt die Wellen der Empörung hochschlagen. Die Gegner formieren sich im Aktionsbündnis und streben ein Bürgerbegehren an.

In der Nähe des Reußensteins plant der Kreis Göppingen einen Baumwipfelpfad. Dieser könnte so ähnlich aussehen wie der bereits b
In der Nähe des Reußensteins plant der Kreis Göppingen einen Baumwipfelpfad. Dieser könnte so ähnlich aussehen wie der bereits bestehende Pfad in Neuschönau im Bayerischen Wald. Foto: Archiv

Wiesensteig. Bereits bei einer Informationsveranstaltung im Wiesensteiger Schloss wurde deutlich, dass weder Investor Christoph Blaß noch Landrat Edgar Wolff noch Wiesensteigs Bürgermeister Gebhard Tritschler die Gegner des geplanten Baumwipfelpfades auf Wiesensteiger Gemarkung überzeugen konnten. Inzwischen bildete sich ein Aktionsbündnis, wie Renate Rothfuß vom Reußensteiner Hof bestätigte, das sich zunächst an Wiesensteigs Bürgermeister und den Gemeinderat wenden und dann ein Bürgerbegehren auf den Weg bringen will.

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Von mindestens zehn Prozent der Wiesensteiger, das sind 156 Frauen und Männer, müsste das Begehren unterschrieben sein. Es müsste schriftlich eingereicht werden und die zur Entscheidung bringende Frage sowie eine Begründung enthalten. Beim Bürgerentscheid zählt die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Es müssten aber mindestens ein Viertel aller stimmberechtigten Wiesensteiger, das sind 390 Bürger, für oder gegen die Frage stimmen.

Derweil wurde bei einer Informationsveranstaltung im Arbeitskreis der Naturschutzorganisationen im Landkreis Göppingen (LNV) in Schlat heftig über das Für und Wider eines Baumwipfelpfades im Gewann Bronnen auf dem Feldkopf in der Nähe des Reußensteins gestritten. So bezeichnete ein Nabu-Vertreter aus Geislingen den Baumwipfelpfad als „Firlefanz“, für den ein wertvolles Stück Natur geopfert werde. Das sieht auch Renate Rothfuß, die auch Stadträtin in Wiesensteig ist, so. Widerstand kündigte auch der Referent für Naherholung, Sport und Tourismus beim Landesnaturschutzverband, Hartmut Felgner, an. Auch ein Vertreter des Alpenvereins klagte, hier werde ein „Juwel der Natur“ geopfert.

Dagegen maß der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Gebhard Mangold, dem Baumwipfelpfad hohen umweltpädagogischen Wert bei. Und selbst der Göppinger Forstamtsleiter Geisel hegt für den Wipfelpfad besondere Emotionen. Dabei weist er immer wieder auf eine Kooperation mit dem Naturschutzzentrum Schopflocher Alb hin. Doch dessen Geschäftsführer Dr. Wolfgang Wohnhas weiß – darauf angesprochen – von nichts. „Mit uns sind noch keine Gespräche gelaufen.“

Derweil meldet sich auch der renommierte Ornithologe und Nabu-Vorsitzende in Kirchheim Dr. Wulf Gatter, bekannt durch zahllose Veröffentlichungen über den Vogelzug, zu Wort. „Das einmalige Waldgebiet am Feldkopf wird entwertet“, sagt er. In diesem hochgelegen Forst, der aufgrund seiner Höhe als subalpiner Wald zu betrachten ist, gebe es eine Vogelwelt, wie sie nur im Schwarzwald und im Alpenraum vorkomme. Das Gebiet wäre durch einen Baumwipfelpfad und die Parkplätze ruiniert. „Das war weder die Zielvorstellung des Landratsamts, noch der Forstverwaltung noch des Bürgermeisters von Wiesensteig. Nur der Investor will auf den Feldkopf“, sagt Dr. Gatter, der das Gebiet aus seiner Forstzeit in Neidlingen und im vorderen Teil des Bronnens kennt wie seine Westentasche.