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"Wir brauchen eine intakte Natur"

Das Thema EU-Vogelschutzgebiete brennt Politikern und Bürgern unter den Nägeln, wie sich auch beim Besuch von Umweltministerin Tanja Gönner in Dettingen zeigte. Mit Fragen und Kritik konfrontiert, warb Gönner um Verständnis.

BIANCA LÜTZ

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DETTINGEN "Gut 1000 Hektar, also etwa 68 Prozent der Gemarkung Dettingen sind betroffen", skizzierte Bürgermeister Rainer Haußmann die Situation, die sich durch die Ausweisung der EU-Vogelschutzgebiete ergibt. Andere wie etwa Lenningen oder Notzingen seien noch stärker betroffen. "Wir haben nicht mehr die Möglichkeit, uns angemessen zu entwickeln", kritisierte er. "Menschen gehören auch zur Natur", formulierte Haußmann provokativ auch sie bräuchten Raum zum Leben.

"Der Mensch beeinflusst die Natur am stärksten und zwar nicht nur zum Positiven", entgegnete Tanja Gönner und betonte: "Wir brauchen eine intakte Natur". "Die Ausweisung der Vogelschutzgebiete stellt eine Herausforderung dar", räumte die Ministerin ein. Tatsache sei jedoch, dass die Flächen seit Jahrzehnten "faktische Vogelschutzgebiete" sind und eine Veränderungssperre gilt.

"Wir tun Europa keinen Gefallen, wenn wir immer das, was uns nicht gefällt, herausnehmen wollen", mahnte Gönner. Auch handfeste finanzielle Tatsachen sprechen aus ihrer Sicht dafür, sich den Vogelschutzgebieten nicht zu verschließen: "Wenn wir die Ausweisung nicht vornehmen, dann erstattet Brüssel Strafanzeige das können wir uns bei der aktuellen Haushaltslage nicht leisten." Außerdem droht der Ministerin zufolge ein weiterer Nachteil: "Dann werden einfach 25 Prozent der Landesfläche unter Vogelschutz gestellt. Bei den derzeitigen Plänen reden wir gerade mal von 10,7 Prozent."