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"Wir brauchen einen Zündimpuls"

Eitel Sonnenschein auf den heimischen Streuobstwiesen? Von wegen. Immer mehr Grundstücke verwahrlosen. Sorgenfalten prägten daher die traditionelle Herbstversammlung des Dettinger Obstbaurings.

MANFRED GAISER

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DETTINGEN Zwar zeige der heurige Jahrgang mehr Masse denn Klasse doch trotz durchschnittlicher Qualität liegt den Obstbauern nicht die Säure im Magen, sondern die unübersehbare Tatsache, dass immer mehr Parzellen vernachlässigt würden.

Als "schlichtweg

bitter" bewertete der Vorsitzende Fritz Class daher auch den Zustand mancher Dettinger Wiesen. Anhand einer Dia-Präsentation verdeutlichte der Hobbyobstgärtner den schleichenden Verfall mancher Gütle über Jahre hinweg. Selbst "bolzengerade", also leicht mähbare Grundstücke, würden nicht mehr bewirtschaftet. Das Erbe, das vor Jahrzehnten noch den üblichen Haustrunk garantierte und bisweilen sogar als Zuverdienst galt, zähle heutzutage nicht mehr. Ein Generationenproblem. Interesse bei Jugendlichen sei kaum noch vorhanden. Jetzt sei Idealismus gefragt: "Wir brauchen einen Zündimpuls, um die negative Entwicklung zu stoppen."

Rund 40 000 Obstgehölze werden zwischen Teck und Käppele gezählt, Tendenz fallend. Ihr Zustand ist in manchen Bereichen Besorgnis erregend. "Es ist sicherlich nicht notwendig, jeden angeschlagenen Baum zu fällen, schließlich sind diese Biotope auch erstrebenswert und sinnvoll", sagte der Vorsitzende. Doch unbearbeitete Wiesen, auf denen Brennnesseln und Brombeerbüsche wuchern und viele "Ruinen" stehen, seien für benachbarte, gepflegte Kulturen nicht ganz ungefährlich. Insbesondere der Feuerbrand stelle als "Risiko für die Umwelt" mit den größten Feind für die Streuobstwiesen dar.

Der Weilheimer Berater Hermann Weissinger empfahl den Gütlesbesitzern während der Veranstaltung, angesichts der Umwelteinflüsse nicht unbedingt "Trendsorten" zu pflanzen. Zur hiesigen Landschaft würden traditionelle, ältere, resistente Spezien taugen, die auch ohne Spritzmittel pflegeleicht seien. Da kaum Erwerbsobstbau im Umfeld betrieben werde und der Blick eher in Richtung eines "feinfruchtigen Mostes mit geschmacklicher Reife" gehe, wären die bewährten Sorten richtig.

Der Dettinger Obstbauring, eigenständiger Verein ohne Dachverband, will auch weiterhin für die Erhaltung und Pflege der Wirtschaftsäpfel, sprich Mostäpfel, kämpfen; trotz immenser Nachwuchsprobleme. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt schon bei dem alarmierenden Wert von knapp über 60 Jahren. Mit themenspezifischen Informationsveranstaltungen und Praxiskursen, soll Interesse an dem "attraktiven Produkt Obst" geweckt werden. Dieses Ziel wird in enger, bewährter Zusammenarbeit mit Albrecht Schützinger verfolgt, dem Obst- und Gartenbauberater im Esslinger Landratsamt.