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"Wir brauchen mehr Freiheit und weniger Staat"

Mit einem überzeugenden Vertrauensbeweis im Gepäck können sich Frank Schweitzer und Albrecht Braun erneut der Aufgabe stellen, den Liberalen im Land mehr Gewicht zu verleihen. Bei der Kreiswahlkonferenz wurden sie am Mittwochabend in Dettingen mit der jeweils maximalen Stimmenzahl als Erst- beziehungsweise Zweitkandidat für die Landtagswahl 2006 nominiert.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Mit Überraschungen war bei der am Mittwochabend in Dettingen abgehaltenen Kreiswahlkonferenz nicht unbedingt zu rechnen, denn bis zum Beginn der Nominierungssitzung hatten sich keine Gegenkandidaten gemeldet. Dennoch zeigten sich beide Kandidaten nach dem äußerst harmonischen Sitzungsverlauf höchst zufrieden mit dem von den Deligierten überdeutlich gesetzten Signal uneingeschränkter Unterstützung.

Unter der Leitung von Ulrich Fehrlen, Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes, musste auf der Wahlkreiskonferenz zunächst eine Reihe von Formalien abgehandelt werden, bevor zur eigentlichen Kandidatenkür übergegangen werden konnte. Nachdem er selbst als Versammlungsleiter und Schriftführer gewählt war, sprach sich die Versammlung für die Wahl von Albrecht Ellwanger als Vertrauensmann und für Dr. Dieter Haug als Stellvertreter aus.

Nachdem Reiner Wiest und Ursula Strale für die Abgabe der eidesstattlichen Versicherung über die schriftliche und geheime Wahl der Bewerber und Klaus Zigan sowie Edith Petsch und Helga Neidlein in die Zählkommission gewählt waren, folgte der entscheidende Punkt: Wahl des Bewerbers und des Ersatzkandidaten.

Dass er vor vier Jahren einen Wahlkampf geliefert habe, attestierte Dr. Haug dem von ihm vorgeschlagenen Frank Schweizer, der ebenso bereit war, erneut zu kandidieren wie sein ehemaliger und auch neuer Partner Albrecht Braun.

Man müsse "nicht zwingend die Abgabe von Löffeln fordern oder den schwangeren Bauch in die Kamera halten, um als Liberaler wahrgenommen zu werden", eröffnete Frank Schweizer seine "Vorstellungsrede" im familiären Kreis seiner Parteifreunde. Dass Politik durchaus Spaß machen dürfe, räumte er ein, forderte aber, dass zuvorderst die Wahrnehmung von Inhalten gewährleistet sein müsse. Aus dem Landtagswahlkampf 2001 wäre ja bekannt, dass er sich auch bei Gegenwind nicht verstecke. "Damals bin ich als blutjunger Anfänger gegen vier gestandene Abgeordnete von CDU, SPD, Grünen und Republikanern angetreten", rief er seinen Parteifreunden in Erinnerung. Zufrieden mit dem damals erreichten dritten Rang konnte er dennoch nicht sein, nachdem er damit den Einzug in den Landtag dennoch verfehlt hatte. Überzeugt davon, dass der Wahlkreis 8 Kirchheim "auch künftig wieder mehr als zwei Abgeordnete verträgt", stelle er sich daher dem Votum und möchte "als glaubwürdige und kompetente Wahlalternative für das bürgerliche Lager antreten". Der verheiratete 28-jährige Diplom-Volkswirt, der seit 1991 in Kirchheim lebt und bei der Stadt Sindelfingen tätig ist, versprach neben einer Veranstaltungs-Offensive mit Abgeordneten, Ministern und Parteifunktionären aus Bund und Land eine Präsenz im ganzen Wahlkreis und versicherte, ein stets für alle ansprechbarer Kandidat zu sein und zu bleiben.

Frank Schweizers Überzeugung, dass dieses Land mehr Freiheit und weniger Staat braucht, wird auch von dem 1954 in Tübingen zur Welt gekommenen Albrecht Braun geteilt, der als Zweitkandidat ebenfalls alle Stimmen auf sich vereinigen konnte. Abraham Lincoln zitierend, stellte er zur Definition seiner politischen Position fest: "Ihr könnt den Menschen nie auf Dauer helfen, wenn ihr für sie tut, was sie selber für sich tun sollten und könnten".

Wenn sich etwas bewegen soll, müsse jeder Mensch zunächst bei sich anfangen, ist der Versicherungsexperte überzeugt und sieht in einer Bürgerverantwortung vor Ort die Basis und Leitlinie liberaler Politik. Während die Politik dafür sorgen müsse, dass ein Zusammenleben der Bürger in größtmöglicher Eigenverantwortung ermöglicht wird, sei es Aufgabe des Staates, mit seinen Organen für die Einhaltung der Spielregeln zu sorgen. Demokratische Gewalten müssten in erster Linie dem Gemeinwohl dienen und dürften sich keinesfalls zum Selbstzweck entwickeln, betonte Albrecht Braun und machte abschließend deutlich, auf was es ihm ankommt: "Freiheit für Verantwortung Verantwortung für die Freiheit".

Den regen politischen Gedankenaustausch mit den beiden Spitzenkandidaten eröffnete die Stellvertretende Landesvorsitzende für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Jungen Liberalen "Julis", Ute Wohlleben. Sie griff noch einmal die Einleitung von Frank Schweizer auf und nutzte die Gelegenheit, sich klar von den Aussagen des inzwischen zurückgetretenen Juli-Vorsitzenden Jan Dittrich zu distanzieren und sich dafür bei den Versammlungsbesuchern zu entschuldigen. Die hatten dann noch viele Themen parat, über die sie sich untereinander und mit den beiden frischgekürten "alten" Kandidaten kritisch auseinandersetzen und für den gemeinsamen Wahlkampf positionieren zu können.