Lokales

„Wir brauchen Sie weiterhin“

Kirchheimer Bürgermedaillen an ehrenamtlich Tätige überreicht

Der Gemeinderat der Stadt Kirchheim hat in diesem Jahr wieder an fünf bürgerschaftlich Engagierte und an eine Personengruppe die Bürgermedaille verliehen. Die Verleihung durch Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker fand im feierlichen Rahmen am Freitagabend im Manfred-Henniger-Saal der Kreissparkasse statt. Bedacht wurden der Arbeitskreis für Behinderte, Gerda Claus und Dagmar Schur stellvertretend für die Kontaktgruppe für psychisch kranke Menschen, Jose Amorim da Conceicao, Jürgen Lamprecht und Doris Nöth. Der club bastion erhielt im 40. Jahr seines Bestehens die Konrad-Widerholt-Medaille der Stadt.

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Rudolf stäbler

Kirchheim. Zum elften Mal verlieh die Stadt Kirchheim die Bürgermedaille an Menschen, beziehungsweise Personengruppen, die sich besondere Verdienste um das Gemeinwohl der Stadt erworben haben. Die Oberbürgermeisterin erinnerte in ihrer Ansprache daran, dass nach den Ehrungsrichtlinien höchsten fünf dieser Bürgermedaillen verliehen werden. Allein durch diese Begrenzung und die Notwendigkeit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Gemeinderat werde deutlich, dass nur ganz besonders herausragende persönliche Leistungen zu solch einer Ehrung berechtigen.

Die Oberbürgermeisterin betonte, dass an diesem Abend nicht nur die Verleihung der Bürgermedaille und der Konrad-Widerholt-Medaille auf dem Programm stehen würde. Wie immer zum Tag des Ehrenamts habe man auch eine Gruppe Engagierter zu diesem Festakt eingeladen. Sie bezeichnete die Gewinnung junger Menschen für Bürgerschaftliches Engagement als eine Investition in die Zukunft des Miteinanders in der Stadt. Wer sich bereits als junger Mensch engagiert und gute Erfahrungen damit mache, werde dies mit großer Wahrscheinlichkeit in seinem Leben immer wieder tun. Es sei bemerkenswert, wie viele junge Menschen in Kirchheim engagiert seien. Man finde sie in Schulen, den Kirchen und Sportvereinen, aber auch im kulturellen Bereich, im Engagement für die Umwelt und in Selbsthilfegruppen. So galt den zahlreich erschienenen Jugendlichen der besondere Gruß der Oberbürgermeisterin. Als kleines Dankeschön gab es Gutscheine, um am Abend im Mehrgenerationenhaus Linde den Nikolaus mit Rock‘n‘Roll gebührend feiern zu können.

Der Arbeitskreis Behinderte (AKB) wurde auf ehrenamtlicher Basis seit 1971 kontinuierlich aufgebaut. Er folgt dem bewährten Prinzip von Selbsthilfegruppen und -organisationen. Er hilft den behinderten Kindern direkt, hilft aber auch durch Hilfe zur Selbsthilfe den Eltern von behinderten Kindern mit Rat und Tat. Die Mitarbeiter des AKB bezeichnete die Oberbürgermeisterin als wahre Pioniere auf ihrem Gebiet. Sie hätten die ethisch gebotene Notwendigkeit gesehen, dass die Würde des Menschen auch die Würde des behinderten Menschen ist. In 37 Jahren sein es den Mitgliedern gelungen, Menschen mit Handicaps mit ihren individuellen Fähigkeiten einzubeziehen, sie zu aktivieren und ihnen das Gefühl der Gleichwertigkeit zu geben.

Die Kontaktgruppe für psychisch kranke Menschen ist heute eingebettet in das hauptamtliche Angebot der Diakonie. Das Angebot der Kontaktgruppe zielt zwar auch auf die Kontakte der psychisch Kranken untereinander ab, jedoch besonders wichtig seien die Ehrenamtlichen, die den Kontakt zur Alltagswelt herstellen. Erkrankte sind oftmals isoliert und vereinsamt. Kontaktgruppen unterbrechen diese Alltagseinsamkeit. Stellvertretend für die Kontaktgruppe konnten Gerda Claus und Dagmar Schur die Auszeichnung entgegennehmen.

In die Reihe der Auszuzeichnenden gehörte auch Doris Nöth. Sie wurde nicht nur für ihr ehrenamtliches Engagement in der Arbeit für psychisch kranke Menschen und in der Hospizarbeit, sondern auch für ihr künstlerisches Engagement im Kunstbeirat der Stadt geehrt. Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker bezeichnete Doris Nöth als eine Kirchheimer Institution, eine Sympathieträgerin der Stadt, die nicht viel Aufheben von sich und ihren Aktionen gemacht hat. Die ihre Galerie auch wie selbstverständlich für die Treffen der „Klosterviertler“ anbietet, damit Nachbarschaft wieder neu entstehen kann. „Jedes ihrer Kunstwerke hat seine Geschichte. Das Leben schuf Querbezüge und die Persönlichkeit der Sammlerin Orientierung“. Matt-Heidecker abschließend: Diese Querbezüge haben Sie gleich den Kunstwerken in Ihrer Galerie geschaffen. Die Querbezüge für psychisch kranke Menschen oder in der Begleitung sterbender Menschen oder in der Begründung neuer Nachbarschaft im Klosterviertel“.

Der Lebenslauf von Jose Amorim Gouveia liest sich wie eine spannende Geschichte. Er ist typisch für die Lebensgeschichte eines klassischen Gastarbeiters aus Anwerberstaaten in der Phase des Wirtschaftswunders. Der gebürtige Portugiese kam 1973 nach Süddeutschland. Es ist beachtlich, wie er sich um Integration im Gastland und besonders natürlich uneigennützig für seine portugiesischen Landsleute eingesetzt hat. Als Schlüssel zur Integration sah er das schnelle Lernen der deutschen Sprache. Wichtig war ihm aber auch, dass die hier lebenden Portugiesen und gerade deren Kinder auch ihre Herkunft und nationale Identität wachhalten. Zu diesem Zweck installierte er in Kirchheim die portugiesische Schule. Beeindruckend auch das Wirken im kirchlichen Bereich, speziell für seine in Kirchheim, Weilheim und Nagold wohnenden Landsleute. Durch sein Werk, so betonte die Oberbürgermeisterin, seien Brücken zum menschlichen und kulturellen Austausch von Portugiesen und Deutschen geschaffen worden.

Senior unter den Geehrten war der ehemalige Leiter des Grünflächenamtes der Stadt Kirchheim, Mitglied und langjähriger Vorsitzender des Verschönerungsvereins, Hans-Jürgen Lamprecht. So wurde der Verein unter seiner Leitung bereits 1980 vom Land Baden-Württemberg als „vorbildliche kommunale Bürgeraktion“ ausgezeichnet. Vieles wurde durch den Verschönerungsverein geleistet, durch Finanzierung und Aufstellung von historischen beziehungsweise archäologischen Stelen, durch Restaurierung von Aushängern an Fachwerkhäusern in der Innenstadt, durch die „Namensgebung mit historischen Erläuterungen auf repräsentativen Marmortafeln“. Alle diese Projekte tragen auch die Handschrift von Hans-Jürgen Lamprecht. Diese Auszeichnung von Lamprecht mit der Bürgermedaille soll, so die Oberbürgermeisterin, den persönlichen Einsatz zum Wohle und zur Verschönerung der Stadt würdigen. Sie gelte jedoch auch für den Verein als ganzes.

„Was damals 1968 die Reaktion auf den Muff „unter den Talaren in 1000 Jahren war, ist heute ein fester, unverzichtbarer und nicht hinweg zu denkender Bestandteil unseres kulturellen Gefüges in der Stadt Kirchheim“, betonte die Oberbürgermeisterin zur Ehrung des club bastion mit der Konrad-Widerholt-Medaille. Diese wurde übrigens erstmlas seit 1978 wieder vergeben. Der club bastion sei einer der bedeutendsten Kulturträger in der lebendigen Stadt und mit mindestens einer Veranstaltung pro Woche ein Garant für Vielfalt und Pluralismus. Im Wissen und in Würdigung dieser kulturellen oder kulturpolitischen Leistungsfähigkeit sei es dem Gemeinderat nicht schwer gefallen, diese Verdienste des ins Schwabenalter gekommenen Klubs mit dieser Ehrung anzuerkennen. Als bewundernswert stellte es Matt-Heidecker dar, was in 40 Jahren an großer Musik, Literatur, Kabarett und Theater gezeigt wurde.

„Wir brauchen sie alle weiterhin“, waren die Schlussworte der Oberbürgermeisterin, die anschließend zu einem kleinen Empfang einlud. Umrahmt war die Feierstunde von einem Saxofonquartett der Musikschule und einer portugiesischen Musikgruppe.