Lokales

"Wir grüßen Dich aus weiter Welt, unser liebes Moritzfeld"

Am vergangenen Samstag war die Kirchheimer Stadthalle Veranstaltungsort des "14. Heimattreffens der Banater Schwaben aus Moritzfeld". Aus ganz Deutschland machten sich über 200 Moritzfelder in die Teckstadt auf, um dort ihre ehemaligen Nachbarn, Schulkameraden und Freunde aus Moritzfeld wiederzusehen und gemeinsam die traditionelle Kirchweihe zu feiern.

MARIA GLOTZBACH

Anzeige

KIRCHHEIM "Wir grüßen Dich aus weiter Welt, unser liebes Moritzfeld. Wohin das Schicksal uns wird treiben, wirst immer unsre Heimat bleiben". So wurden die Gäste in der Kirchheimer Stadthalle durch ein Plakat willkommen geheißen, bevor sich die Trachtenpaare zurückzogen, um sich umzuziehen für den Richtung Sankt Ulrich führenden Trachtenzug, der musikalisch von der Lindorfer Blasmusik begleitet wurde.

Fast alle Trachten wurden von der Ersten Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaft Moritzfelden, Dietlinde Boger, selbst angefertigt. In Sankt Ulrich angekommen, las Pfarrer Robert Dürbach, gebürtiger Banater aus Hatzfeld, die Messe. Dabei wurden typische Lieder aus der Heimat gesungen. "Er ist ein Pfarrer von Zuhause und er weiß, von was er spricht, wenn er den Rosmarienstrauß segnet" erklärt Dietlinde Boger. Nach dem Gottesdienst in Sankt Ulrich begab sich die Festgemeinschaft wieder in die Stadthalle und erwartete den Einzug der Trachtenpaare.

Die Kirchweihe fand damals in Moritzfeld im November statt, zur Feier ihres Schutzpatrons Sankt Martin, aber es diente auch als eine Art Einführung der Unverheirateten in die Gesellschaft. Der Rosmarienstrauß stand während des dreitägigen Festes als Symbol für die Fruchtbarkeit und das Leben. Nach den Festansprachen von Johann Boger, Erster Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Moritzfelden und Herbert Schenk, erster Stellvertreter der HOG Moritzfeld, führte die Kindergruppe von Sieglinde Groß Tänze auf. Bevor das Tanzparkett frei gegeben wurde, las Alexandra Boger noch ein Gedicht vor.

Ein wichtiges Thema war neben den Danksagungen an die Organisatoren vor allem die von Johann Boger aufgeworfene Frage: "Wie viel von dem, was unsere Ahnen damals ins Banat mitnahmen, haben wir mit zurückgebracht an Tradition, und Volksverbundenheit, oder haben wir uns hier neu finden müssen?"

"In Moritzfeld verwischen sich so nach und nach unsere Spuren, keiner redet dort mehr von uns. Was uns mit unserem Heimatort noch verbindet, sind hauptsächlich Erinnerungen und sie gilt es festzuhalten. Wenn wir nichts hinterlassen, wird das Banat in Vergessenheit geraten und wir stammen nur noch aus Rumänien" mahnte Johann Boger und appellierte: "Es sollte uns die Mühe wert sein, ein persönliches Zeichen für unsere Nachwelt zu hinterlassen".

Die Frage nach der Identität und der Bewahrung einer 200-jährigen Tradition, die nur durch die Eltern vermittelt worden ist und nicht gelebt werden konnte, erweist sich bei der ersten Generation als schwierig. Alexandra Boger fragt in ihrem Gedicht: "Mit meinen 25 Jahr, von denen / Ich jedes einzelne in Deutschland verbracht / Steh hier in moritzfelder Tracht / Und denk: gehör ich da denn rein? / Oder sollt ich doch lieber in der Disco sei?". Dabei bekennt sie aber zum Schluss, dass trotz allem "a Stickl Moritzfeld in jedem vun uns" ist.

Um dieses Brauchtum und den Dialekt der Banater Schwaben nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, schrieb die Germanistik- und Kunststudentin ihre Zulassungsarbeit für die Pädagogische Fachhochschule über den Dialekt ihrer Vorfahren und Eltern: das "Schwowische". Ein Dialekt, der aus der Vielfalt der Siedler aus Franken, Bayern, Österreich, Elsaß-Lothringen, der Rheinpfalz und nur aus einem kleinen Teil der schwäbischen Region im Banat entstand. Eine Region, im Herzen des Balkans, die während des 18. Jahrhunderts systematisch durch die Habsburger besiedelt wurde, und somit abgeschottet von der deutschen Sprachentwicklung einen eigenständigen Dialekt entwickeln konnte, aber mit ungarischen Einflüssen.

Dietlinde Boger kam 1978 nach Deutschland und fühlte sich dort sofort wie Zuhause. "Überall konnte man deutsch reden und lesen" erinnert sie sich, dass in ihrer Brust "keine zwei Herzen" geschlagen haben. Bereits nach zwei Wochen fand sie Arbeit und ein Jahr später kam auch ihr Mann nach Deutschland, der ebenfalls in kurzer Zeit eine Anstellung fand.

Diese Erfahrung teilt auch Richard Jäger, Stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben: "Ich kam mit elf Jahren nach Deutschland und fand sofort Anschluss, obwohl ich mich etwas umstellen musste, da die mir vertraute Tradition in Deutschland nicht mehr existierte. Ich vermisste meine Freunde, aber es gab kein Zurück mehr, da ja auch alle meine Freunde nach Deutschland gekommen waren". Bis spät in die Nacht hinein feierten die Moritzfelder ihre Heimat und sich selbst, schwelgten in Erinnerung und dies alles begleitet von der Blaskapelle "Moritzfelder Musikfreunde".