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"Wir können uns kleinere Dinge wieder leisten"

Einen leichten Aufwärtstrend konnte Owens Bürgermeister Siegfried Roser vermelden, als er den Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2006 im Gemeinderat vorstellte. Aber weniger erfreut stellte er zugleich fest, dass Bund, Land und Kommunen auch weiterhin "nicht das Geld haben, das sie für ihre Aufgaben benötigen".

ANDREAS VOLZ

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OWEN Inzwischen würden immer mehr Politiker zugeben, dass über Jahrzehnte hinweg bei Wahlen "mehr versprochen wurde als wir uns leisten konnten", sagte Roser in seiner kurzen Rede zur Einbringung des Haushalts. So seien in der Bundesrepublik immer neue Schulden gemacht worden, "die wir jetzt kommenden Generationen mit auf den Weg geben". Aus der Notwendigkeit, diesen jungen Menschen eine Zukunftschance zu gewähren, leitet Owens Bürgermeister die Verpflichtung ab, auch weiterhin maßvoll mit den Ressourcen umzugehen.

Mit kleinen Schritten geht es in Owen in dieser Hinsicht voran: Nach den gewaltigen Fehlbeträgen, die in den vergangenen beiden Haushaltsjahren nur durch Rücklagenentnahmen auszugleichen waren, ist für 2006 eine positive Investitionsrate in Höhe von 205 000 Euro vorgesehen. Nach Abzug der Tilgungsrate verbleibt noch eine Nettoinvestitionssumme von 165 000 Euro. Mittelfristig plant die Owener Verwaltung mit jährlichen Zuführungsraten zwischen 150 000 und 350 000 Euro bis 2009.

Die allgemeine Rücklage soll bis Ende 2006 von zwei Millionen Euro auf 2,3 Millionen anwachsen. Dadurch, dass für das laufende Jahr keine neue Schuldenaufnahme geplant ist, verringert sich der Schuldenstand im Owener Kämmereihaushalt bis Jahresende von 660 000 auf 620 000 Euro. Werden beim aktuellen Schuldenstand allerdings noch die Schulden der städtischen Eigenbetriebe Abwasserbeseitigung und Wasserversorgung mit eingerechnet, ergibt sich zum Jahresbeginn 2006 für Owen insgesamt eine Pro-Kopf-Verschuldung von 684,63 Euro. Diese Summe liegt dann um 126,63 Euro über dem Landesdurchschnitt von 2004.

Erfreut zeigte sich Siegfried Roser im Gemeinderat darüber, dass der Kreistag für die Kreisumlage 2006 einen Hebesatz von 43,1 Prozent beschlossen hat. Daraus ergibt sich nicht nur ein Rückgang von 2,55 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr, sondern auch eine Einsparung innerhalb des aktuellen Haushaltsplans, der auf einer Kreisumlage von 43,9 Prozent basiert. Rund 17 000 Euro verbleiben dadurch zusätzlich in der Owener Stadtkasse.

Dem stehen aber bereits Mehrausgaben in Höhe von rund 200 000 Euro für die Sanierung der Teckhalle gegenüber. Im Vermögenshaushalt sind dafür bislang nur 50 000 Euro eingestellt. Für die tatsächlich vorgesehenen Umbaumaßnahmen zur Energieeinsparung in der 30 Jahre alten Halle sind allerdings 250 000 Euro zu veranschlagen. Weitere Investitionen plant die Stadt vor allem für die Sanierungsmaßnahme "Westlich der Lauter" sowie für die Erschließung von Bauplatzgrundstücken "Hinter der Steige". Durch den Verkauf von Bauplätzen ergeben sich zusätzliche Einnahmen.

"Wir können uns kleinere Dinge wieder leisten", sagte Bürgermeister Roser im Blick auf den Vermögenshaushalt, der ein Volumen von 1,2 Millionen Euro aufweist. Die Aussichten seien also nicht mehr ganz so trübe wie noch vor zwei Jahren. Dennoch sei Sparsamkeit auch weiterhin angebracht. Rat und Verwaltung der Stadt Owen hätten alles Mögliche unternommen, um die Finanzkrise die nicht hausgemacht, sondern fremdbestimmt sei zu überwinden: "Wir haben Steuern und Gebühren erhöht, laufende Sachausgaben gekürzt, die Gewinnerzielung bei der Wasserversorgung eingeführt, wir erheben Gebühren für die Vereine und haben den Unterhalt für Straßen und Feldwege auf ein kaum mehr zu vertretendes Niveau gekürzt aber all das bleibt nur ein Tropfen auf einen ganz, ganz heißen Stein. Wir müssen mit immer weniger Geld immer mehr leisten."

Selbst bei der Grundsteuer scheint 2007 das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein. Nachdem schon für das laufende Jahr die Grundsteuer A auf 350 und die Grundsteuer B auf 340 Prozentpunkte erhöht worden waren, ist für das Jahr darauf bereits eine weitere Steigerung um 30 Prozent beschlossen. Immerhin sehen die Wirtschaftspläne der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung Siegfried Roser zufolge für 2006 jeweils ein "normales Jahr" vor. Deshalb hat der Gemeinderat diesen beiden Plänen bereits zugestimmt.