Lokales

"Wir lassen uns nicht austricksen"

KIRCHHEIM Nachdem die Vesperbrotboxen aufgeräumt und die Trinkflaschen verstaut sind, sitzen

Anzeige

JOHANNA BAIER

die Kinder der 2a der Kirchheimer Konrad-Widerholt-Grundschule gespannt auf ihren Plätzen. Mit großen Augen schauen sie den fremden Mann in rotem Hemd und blauen Jeans und die Frau in der grünen Uniform an, die geduldig vor der Klasse stehen. "Polizei" wird ehrfürchtig geflüstert.

Bei den Besuchern handelt es sich um Polizeihauptmeister Jens Müller und Polizeimeisterin Daniela Riesbeck, die gekommen sind, um das Projekt "Ich sage halt" vorzustellen. Dessen Ziel ist es, Kinder angstfrei und kindgerecht über mögliche Gefahren aufzuklären, ihnen Verhaltens- und Hilfsmöglichkeiten zu vermitteln und das Selbstbewusstsein zu stärken.

Um die Hemmschwelle der Kinder gegenüber den Gesetzeshütern abzubauen, wird erst einmal mit Fragen wie "Woran erkennt man die Polizei ?" oder " Was hat ein Polizist immer dabei

?" versucht, das Vertrauen der wissbegierigen Zweitklässler zu gewinnen. Spätestens als Polizeimeisterin Riesbeck ihre Jacke auszieht, und die Pistole sowie Handschellen sichtbar werden, sind die Kinder begeistert von der Polizei.

Auf die Frage , wer denn alles weiß, was die Polizei so den ganzen Tag macht, schießen viele kleine Zeigefinger in die Höhe. Doch Antworten wie "Räuber fangen" oder "auf wilde Verfolgungsjagden gehen", machen klar, dass die Kinder nicht nur Fantasie, sondern wohl auch einen Fernseher zu Hause haben.

Das Projekt "Ich sage halt", das auf enger Zusammenarbeit von Schulen, Eltern, der Polizei im Kreis Esslingen und Filderstadt, der Stadt Filderstadt und der Alexandra-Sophia Stiftung e.V. beruht, hat sich zur Aufgabe gemacht, schon im frühen Alter, durch flächendeckende, kindgerechte Aufklärung, das Selbstbewusstsein der Kleinen zu stärken und mit vielen Beispielen ihr Gespür für Gefahr zu schulen. Ein Teil dieser Aufklärung setzt unter anderem die Mitarbeit der Eltern zu Hause und der Lehrer in der Schule voraus, die mit den Kindern durch Spiele und Gespräche zum Beispiel das "Nein- und das Ja- Gefühl" bearbeiten sollten. Durch diese einfachen Begriffe wird versucht den Kindern zu vermitteln, dass es in Ordnung ist, sich einfach von einem Fremden abzuwenden, oder ihm mit einem klaren "Nein" zu antworten wenn man genau dieses Gefühl im Bauch hat. Aus diesem Grund besuchen die Polizeimitarbeiter derzeit eine Reihe von 2. Klassen in und um Kirchheim.

In der Konrad-Widerholt-Grundschule fragt Polizeimeisterin Riesbeck die Kinder nach Personen, denen sie vertrauen, und ein lautes "dem Stefan" schallt durch die Klasse ein Junge hatte seinen besten Freund genannt. Viele Freunde werden aufgezählt , aber auch Verwandte und Nachbarn. Diese sollen die Kinder später in eine Liste von Vertrauenspersonen eintragen.

Polizeihauptmeister Müller fasst in Worte, was die ganze Zeit in der Klasse offensichtlich war: "Es ist besonders schwierig, den Kindern keine Angst zu machen, sondern ihnen zu zeigen, dass es auch Plätze gibt, an denen sie in kleinen oder großen Notsituationen, Hilfe bekommen, und ihre Selbstsicherheit so weit zu stärken, dass sie sich dann auch trauen, den Mund aufzumachen, um einen vielleicht fremden Erwachsenen um Hilfe zu bitten."

Einige dieser Rettungsinseln findet man inzwischen auch schon in Kirchheim, und ihr Name ist vielen ein Begriff: "Kelly-Inseln". Viele Geschäfte haben schon ein Plakat mit der Palme, die an eine lächelnde Polizeikelle erinnernt, in ihr Schaufenster gehängt den Kindern wird so signalisiert, dass sie dort nicht ignoriert werden, sondern Hilfe bekommen.

Mindestens genauso wichtig ist jedoch, dass die Kinder lernen, im Alltag auf sich selbst aufzupassen, das ist auch ein Motto des Kinderschutzprogramms "ich sage halt": Wir haben Ohren groß wie ein Elefant, Augen groß wie ein Frosch und sind so schlau wie ein Fuchs "wir lassen uns nicht austricksen!"