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"Wir lehnen einen Sonderlandeplatz ab"

Als "Türöffner für die Geschäftsfliegerei" hat die Interessengemeinschaft Fluglärm Hahnweide bei einer Informationsveranstaltung des BUND Kirchheim den Antrag auf Umwidmung des Segelfluggeländes Hahnweide zum Sonderlandeplatz bezeichnet. Sie befürchtet, dass damit einem Verkehrslandeplatz Vorschub geleistet wird. Dem widersprachen die Hahnweide-Segelflieger: "Es bleibt alles beim Alten".

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Thomas Möller, Sprecher der Bürgervereinigung Jesenwang und Beisitzer in der bundesweiten Bürgervereinigung gegen Fluglärm, ist seit 15 Jahren mit dem Thema befasst. Unter der provokanten Frage "Wird das Segelfluggelände Hahnweide-Kirchheim zum Flugplatz für die allgemeine Luftfahrt?" ging er in der Jesinger Gemeindehalle vor rund 200 interessierten Bürgern auf die möglichen Folgen einer Umwidmung des Segelflugplatzes zum Sonderlandeplatz ein. Als "Knackpunkt des heutigen Abends" bezeichnete er das Fehlen von Beschränkungen im Antrag des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbandes BWLV. "Deshalb ist das ein Antrag auf einen Verkehrslandeplatz", der allen Motorfliegern Tür und Tor öffne, malte er für fluglärmempfindsame Ohren ein Horrorszenario an die Wand.

Der BWLV mogle sich um ein Planfeststellungsverfahren herum, weil er in seinen Erläuterungen zum Antrag schreibe, es sei keine Ausweitung der Nutzung geplant. "Das ist als reine Momentaufnahme zu sehen", so Möller. Doch habe das Segelfluggelände bereits seit vielen Jahren sein Gesicht verändert. "Der Motorflug hat zwischen 1994 und 2005 eine Steigerung von 74 Prozent erfahren". Ebensowenig nahm der Sprecher der Jesenwanger Bürgervereinigung dem Baden-Württembergischen Luftfahrtverband ein "Nullwachstum" ab. "Das ist nicht glaubwürdig. Der BWLV ist ein Gewerbeunternehmen".

Thomas Möller stellte die Auslagerung der allgemeinen Luftfahrt vom Stuttgarter Flughafen auf die Hahnweide als "reales Szenario" dar und kritisierte das Lärmgutachten des BWLV, das dem Antrag auf Umwidmung zum Sonderlandeplatz beigefügt wurde. "Die Lärmbelastung wurde gesundgerechnet". Auch seien die Aspekte Sicherheit und Naturschutz im Antrag vernachlässigt worden. Darüber hinaus verwies der Mann aus Bayern auf den Regionalplan, der neben dem Sportflugverkehr auch Werk-, Geschäfts- und Schulflugverkehr vorsehe. "Der Regionalplan ist für die Stadt Kirchheim bindend".

Möller stellte einen Forderungskatalog auf, der unter anderem die Zahl der Flugzeuge auf der Hahnweide und den Nutzerkreis betrifft, die Platzrunden sowie die An- und Abflugrouten regelt und den Betreiber von der Betriebspflicht befreit.

"Wir wollen, dass alles beim Alten bleibt und lehnen einen Sonderlandeplatz ab", nannte die Sprecherin der Interessengemeinschaft Fluglärm Hahnweide, Rosemarie Fano, deren Ziel, und ihr Sprecherkollege aus Reudern, Helmut Marksteiner, appellierte an den BWLV, den Antrag auf Umwidmung zum Sonderlandeplatz zurückzuziehen, "und wir setzen uns an einen Tisch".

Die Furcht vor den Geschäftsfliegern, die vom Stuttgarter Flughafen ausgelagert, auf der Hahnweide einfallen könnten, saß auch einem Zuhörer in den Knochen: "Ich brauch die net". Damit sprach er Hans Puskeiler, dem Vorsitzenden der Fliegergruppe Wolf Hirth, und der Gemeinschaft der Hahnweid-Benutzergruppen, aus dem Herzen. "Wir Segelflieger fürchten nichts mehr als Geschäftsflieger". Deshalb sei vor Jahren auch eine Hartbahn abgelehnt worden. Puskeiler wies auf die Verträge zwischen dem BWLV als Pächter und der Stadt Kirchheim als Eigentümerin hin. Eine Kontingentliste regele genau, wieviele und welche Motorflugzeuge die Hahnweide benutzen dürfen. "Das ist für die nächsten 20 Jahre festgeschrieben". Der Vorsitzende der Fliegergruppe Wolf Hirth erinnerte an die europa-, ja weltweit bekannten Segelflugwettbewerbe im schwäbischen Segelflugmekka, an den Grand Prix, das Oldtimer-Fliegertreffen und an die Kirchheimer Firmen Graupner und Schempp-Hirth, die ebenfalls die Hahnweide nutzen und die Fliegerstadt Kirchheim zu einem Begriff werden ließen. "Unsere Zielsetzungen sind die gleichen", warb Puskeiler um Vertrauen. "Die Benutzungsbeschränkungen bleiben auch beim Sonderlandeplatz bestehen".

"Das Regierungspräsidium als Luftfahrtbehörde hat ein massives Problem", meinte Lothar Schwarz von der Löchgauer Bürgerinitiative. "Die kommen um das Genehmigungsverfahren wahrscheinlich nicht herum", bedauerte der Löchgauer. Der Grund: Die Behörde müsse Rechtssicherheit herstellen, das heißt, der heutige Zustand auf dem Segelfluggelände müsse rechtlich an die tatsächlichen Gegebenheiten angepasst werden und dies sei nur durch eine Umwidmung zu einem Sonderlandeplatz möglich. Oder wie es der Reuderner Wolfgang Lenhard von der Interessengemeinschaft ausdrückte: "Der heutige Zustand basiert auf Außenlandegenehmigungen. Das ist nicht mehr zulässig, deshalb die Umwidmung". Hans Puskeiler bestätigte diese Ansicht indirekt, indem er mitteilte, dass das Regierungspräsidium die Außenlandegenehmigungen der Motorflieger zum 31. Dezember gekündigt habe. "Es bleibt dem BWLV kein anderer Weg, als den Antrag zu stellen".

In den Augen von Tilo Holighaus, dem Geschäftsführer der Firma Schempp-Hirth Flugzeugbau, ist das ein normaler Vorgang: "Ein Sonderlandeplatz ist keine Aufwertung, sondern nur eine Umwidmung". Seine Firma war eine der Parteien, die neben dem BWLV und den Segelfliegern auf der Hahnweide mit der Stadt den Pachtvertrag aushandelte. "Dieser Vertrag ist allen anderen Genehmigungen übergeordnet", so der SH-Geschäftsführer. Eine Vertragsänderung müsse erst den Kirchheimer Gemeinderat passieren.

Siegfried Hauff, BUND-Ortsgruppenvorsitzender, stellte in seinem Resümee fest, dass der Segelflugbetrieb auf der Hahnweide nicht in Frage gestellt werde. Der Antrag auf Umwidmung zum Sonderlandeplatz könne aber aufgrund seiner Mängel und Schwachstellen so nicht hingenommen werden. An die Sonderlandeplatzgegner appellierte er, möglichst viele Einwendungen zu schreiben.