Lokales

"Wir machen uns damit lächerlich!"



IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM In Schulen und Hochschulen soll die Reform, nach der schon seit dem Jahr 1998 unterrichtet wird, zum ersten August des kommenden Jahres verbindlich werden. Doch nun ist in Deutschland eine heftige Kontroverse ausgebrochen. Die Gegner formieren sich und fordern lautstark eine Rückkehr zu den alten Regeln.



"Wir machen uns mit dieser Diskussion lächerlich", sagt Frank Hugelmann, stellvertretender Schulleiter am Ludwig-Uhland-Gymnasium. Er verweist auf die Nachbarn in der Schweiz und Österreich, die die deutsche Grundsatzdebatte recht gelassen und weitgehend unbeteiligt verfolgen. Rückgängig gemacht werden dürfe die Reform auf keinen Fall. Bereits seit fünf Jahren werde nach den neuen Regeln unterrichtet, und die Schüler kämen damit gut zurecht. Im übrigen seien ohnehin nur zwei Prozent des Wortschatzes von den Neuerungen betroffen. Das neue Regelwerk greift also nicht so tief, wie die derzeitige bundesweite Diskussion vermuten lässt.



Vor diesem Hintergrund kann auch Siegfried Lutz, frisch gebackener Leiter des Schlossgymnasiums, die Aufregung überhaupt nicht verstehen. In den zurückliegenden Jahren seiner Tätigkeit am Oberschulamt kamen ihm keine Klagen über die praktische Anwendung der Neuregelungen zu Ohren. Vielmehr handle es sich um eine tatsächliche Vereinfachung der Sprache, argumentiert Lutz und verweist auf die stark reduzierte Zahl der Interpunktionsregeln.



Als "Quatsch" bezeichnet gar Pressesprecher Matthias Schneider von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Ideen zur Rücknahme der Reform. Seitens der GEW wird auf Erfahrungen verwiesen, wonach Kinder seit Einführung der neuen Regeln weniger Fehler machten. "Hier ist die Solidarität der Älteren mit den Jüngeren gefragt", betont GEW-Schulexpertin Marianne Demmer. Bei einer erneuten Änderung wäre die Verunsicherung komplett, ganz zu schweigen vom finanziellen Schaden: Nach GEW-Schätzungen würden Bücher im Wert von 1,4 Milliarden Euro bei einer Wiedereinführung der alten Rechschreibung wertlos beziehungsweise stark entwertet.



Mittlerweile wurde auch seitens der Bundesregierung betont, es gäbe keine Überlegungen, die Reform rückgängig zu machen. Der Teckbote wird sich weiterhin an der Schreibweise orientieren, die die Schulkinder seit sechs Jahren lernen.

Alt und neu diesen Unterschied machen Grundschüler heute nur noch für den Fotografen. Sie stellen die Reform nicht in Frage, auch wenn sie erst zum 1. August 2005 verbindlich werden soll.