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"Wir sind auf dem richtigen Weg"

Die hohen Ölpreise läuten in Lenningen ein neues Zeitalter in Sachen Energieversorgung ein. Die Wärmeversorgung von Bildungszentrum, Grundschule, Kindergarten, Turn- und Festhalle sowie Freibad soll zentral erfolgen. Außerdem favorisiert die Mehrheit des Gemeinderats eine Holzhackschnitzelanlage.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Auch wenn nach der Vorstellung des Konzepts zunächst kritische Fragen in Bezug auf regenerative Energiequellen im Gemeinderat zu hören waren, sprach sich die Mehrheit klar für Holzhackschnitzel und Co. aus. "Ich möchte eine Lanze brechen für Holz. Zum einen ist dieser Rohstoff umweltfreundlich und zum anderen können wir uns unabhängig von fossilen Brennstoffen machen, die wir im Gegensatz zu Holz nicht besitzen", erklärte Falk Kazmaier. Damit sprach er Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht aus dem Herzen, der keinen Hehl daraus machte, dass er klar eine Holzhackschnitzelanlage bevorzugt.

Auch Georg Zwingmann sieht eine gesamtglobale Verantwortung für den Klimaschutz. Wenn nichts dafür unternommen werde, stehe ein Ökokollaps bevor. "Jetzt haben wir die Chance, einen großen Teil öffentlicher Gebäude mit alternativen Rohstoffen zu heizen die Nachhaltigkeit ist der entscheidende Faktor", erklärte er. Nur so könne man sich unabhängig von Weltkonzernen machen, die weiterhin Milliardengewinne einstreichen.

Gleicher Ansicht ist auch Jürgen Rau: "Das ist eine Chance, sich von den Konzernen zu lösen, für die nur Gewinne zählen. Wir müssen ihnen nicht auch noch Geld in den Rachen werfen." Trotz seines klaren Bekenntnisses für regenerative Energien sollte seiner Ansicht nach das Gesamtkonzept gut überlegt sein, ehe sich der Gemeinderat endgültig festlegt. Inge Kodera begrüßte, dass Michal Schlecht aus eigener Initiative ein derart umfangreiches Konzept in Auftrag gegeben hat. "Mit nachhaltigen Konzepten sind wir auf dem richtigen Weg", sagte sie.

Wolfgang Tröscher interessierte sich für die möglichen Zuschüsse für eine Holzhackschnitzelanlage, die sich aber verglichen mit der Gesamtinvestition je nach Variante bis zu knapp 700 000 Euro mit maximal 40 000 Euro bescheiden ausnehmen.

Gleich mehrere kritische Fragen stellte Kurt Hiller an Jürgen Hägele vom Ingenieurbüro gecon in Göppingen, beispielsweise in Bezug auf den Brennwert der Holzhackschnitzel, die Immissionen einer solchen Anlage oder den höhere Betreuungsaufwand. "Eine Alternative wäre auch Gas gewesen. Diesen Vorschlag vermisse ich", sagte er und regte an, in die Planungen auch die Weiterführung der Gasleitung von der Papierfabrik mit aufzunehmen. "Diese Möglichkeit sollten wir nicht aus den Augen verlieren", war auch Dieter Beuttel der Ansicht.

Davon wollte aber Karl Sigel überhaupt nichts wissen: "Ich bin grundsätzlich gegen Gas. Mit diesem Rohstoff machen wir uns wieder abhängig." Er plädierte für die große Lösung, alle angesprochenen Gebäude mit Holzhackschnitzel zu heizen. "Da die Turn- und Festhalle dank der Sanierung eine neue Anlage hat, sollte sie ähnlich eines Baukastenprinzips später zugeschaltet werden können", schlug er vor. Daraufhin stellte Georg Zwingmann den Antrag, Gas als mögliche Alternative von vornherein auszuschließen. Diesem stimmte der Gemeinderat bei fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung mehrheitlich zu.

"Die Investition ist nicht von Pappe, wir reden von viel Geld", ist sich Michael Schlecht im Klaren. Ihn freut es, dass sich die Mehrheit des Gremiums für eine neue Richtung bezüglich der Rohstoffe entschieden hat. "Man muss nicht der Obergrüne sein, um sich dem Klimaschutz verpflichtet zu fühlen und nach alternativen Möglichkeiten der Energieversorgung zu suchen. Kommunen dürfen Beispiel geben", sagte er. Ihn hat vor allem der stetig steigende Ölpreis veranlasst, nach Alternativen zu suchen.

Das Ingenieurbüro hatte zur jüngsten Sitzung ein umfangreiches Konzept vorgelegt. Darin ist der Ist-Zustand aufgenommen, der zeigt, dass sich bis auf die Turn- und Festhalle mit Freibad bis zu 30 Jahre alte Heizanlagen in den Gebäuden Grundschule, Schulzentrum und Kindergarten Tobelstraße befinden. Untersucht wurden neben Heizöl und Holzhackschnitzel auch Erdwärme und ein Blockheizkraftwerk (BHKW). Auf diesen Daten aufbauend und im Blick auf die Kostenschätzung für die unterschiedlichen Heizstoffe sowie die Wartung rät das Büro zur Unterbringung einer zentralen Wärmeversorgung in Bau A des Bildungszentrums. Zur Grundlastabdeckung soll eine Holzhackschnitzelkesselanlage eingebaut werden sowie ein heizölbefeuerter Spitzenlastkessel. Über ein Nahwärmenetz wären die restlichen Gebäude daran angebunden.

Die weiteren Planungen konzentrieren sich nun auf ein BHKW sowie eine Holzhackschnitzelanlage. Besichtigungen bestehender Anlagen sollen den Gemeinderäten helfen, ihre Meinung zu der anstehenden Investition zu bilden.