Lokales

"Wir sind doch keine Maschinen"

Vor dem Werkseingang waren Plastikbänder gespannt, dahinter Sicherheitsleute postiert: Die morgendliche Kundgebung der Industriegewerkschaft Metall wollte die Firma Festo nicht auf ihrem Betriebsgelände dulden. So trafen sich die Metaller auf Gehweg und Straße. Mit Reisebussen waren sie bis aus Ludwigsburg, Zuffenhausen, Neckartenzlingen und Wernau gekommen.

PETER DIETRICH

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ESSLINGEN "Es muss aufhören in diesem Land, den Menschen immer mehr wegnehmen zu wollen", schrie Uwe Hück vom Lkw herunter in die versammelte Menge der Betriebsratsvorsitzende von Porsche in Zuffenhausen war der Hauptredner der Kundgebung. "Wir sind doch Menschen und keine Maschinen", rief er. 8,6 Prozent mehr Arbeit für das gleiche Geld habe nichts mit Vernunft zu tun, klagte er, nannte Festo eine "Speerspitze des Arbeitgeberverbandes".

Denn als erste Firma, so die IG Metall, habe die Firma rund 220 Akkordarbeitern zum 1. Januar 2006 die Steinkühlerpause von fünf Minuten pro Stunde weggenommen. Erfahren hatten das viele Betroffene erst bei ihrer Rückkehr aus dem Weihnachtsurlaub. Der Betriebsrat, berichtet dessen Vorsitzender Hans-Jürgen Drung, sei ebenfalls erst einen Tag vor Weihnachten informiert worden. Mit der Einführung des Entgeltrahmenabkommens ERA zum 1. Januar gelte der von Südwestmetall zum Jahresende gekündigte "Fortführungstarifvertrag zum Lohnrahmentarifvertrag II" nicht mehr, so die Begründung. Eine Argumentation, welche die IG Metall keinesfalls akzeptiert: Nach ihrer Rechtsauffassung hat der Fortführungsvertrag eine Nachwirkung.

"So geht man doch nicht miteinander um", klagte Drung vor den versammelten Metallern, dies passe nicht zum Gerede vom "Mitarbeiter als dem wertvollsten Gut eines Unternehmens". Es gehe um faire, humane Arbeit und den Erhalt von Gesundheit und Beschäftigung. Durch die Mehrarbeit der 220 Akkordarbeiter stünden rechnerisch 18 Arbeitsplätze zur Diskussion.

Ob die Wissenschaftler, welche die Steinkühlerpause für nicht mehr zeitgemäß hielten, schon einmal in einer Gießerei gearbeitet hätten, fragte Sieghard Bender, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Esslingen. "Wir wollen wie Menschen behandelt werden, nicht wie Zahlen und Kostenfaktoren", forderte er lautstark, und kündigte, falls die Warnstreiks nichts brächten, für Ende April Urabstimmung und Streik an. Für das von ihm zitierte Arbeitgeberangebot von plus 1,2 Prozent, bei gleichzeitiger Streichung der vermögenswirksamen Leistungen, hatten die Metaller jedenfalls nur Buhrufe und Pfiffe übrig laut, schrill und deutlich. Und auch auf dem Werksgelände kaum zu überhören.