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"Wir sollten am christlichen Fundament festhalten"

60 Jahre Kirchheimer CDU-Stadtverband den runden Geburtstag nahmen die Mitglieder zum Anlass, im Vereinsheim des Gesangvereins Eintracht zu feiern. Im Rahmen eines geselligen Jahresabschlusses blickte der ehemalige Bundestagsabgeord- nete Elmar Müller in einem Festvortrag auf die vergangenen sechs Jahrzehnte zurück.

ANKE KIRSAMMER

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KIRCHHEIM Nach der Vortragsveranstaltung zu "100 Jahre Eugen Gerstenmaier" und einer Podiumsdiskussion zur Situation und Perspektive von Wirtschaft und Einzelhandel in Kirchheim bildete die Feier am Freitagabend den Abschluss einer regelrechten CDU-Festwoche. Doch der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich, gleichzeitig Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Kirchheim-Dettingen, beruhigte die Gäste: "Keine Angst, in dem Tempo geht es die nächsten Monate nicht weiter." In einem kurzen Abriss ließ er das vergangene Jahr der Großen Koalition in Berlin Revue passieren: "Wir mussten auf die Euphoriebremse treten, aber wir haben eine Trendwende erreicht." Als Indizien nannte Hennrich das Wirtschaftswachstum und die aufgehellten Zahlen auf dem Arbeitsmarkt.

Den Neujahrsempfang im Januar und eine Veranstaltung im Landtagswahlkampf mit Ministerpräsident Günther Oettinger bezeichnete Michael Hennrich als Highlights innerhalb des Stadtverbandes. Mit 50 Teilnehmern sei eine Mitgliederversammlung zum Thema Kommunalpolitik außerordentlich gut besucht gewesen. "Mit dem Thema könnten wir uns öfter beschäftigen." Im Sommer sei eine Projektgruppe ins Leben gerufen worden, die überlege, wie die zukünftige Arbeitdes CDU-Stadtverbands aussehe. Wichtig sei das Feedback der Mitglieder auf eine anonyme Befragung. Ziel ist, Leitsätze zu formulieren.

Fürs kommende Jahr steht bereits der Neujahrsempfang am 19. Januar fest. Im Laufe des ersten Halbjahrs ist eine Veranstaltung mit dem ägyptischen Botschafter in Berlin, El-Orabi, vorgesehen. Beleuchtet werden soll dabei die Situation im Nahen Osten. Am 12. April wird der ehemalige Ministerpräsident Thüringens, Bernhard Vogel, nach Kirchheim kommen. Geplant ist mit ihm eine Veranstaltung zur Grundsatzdiskussion über das CDU-Parteiprogramm. Der Stadtverband bemüht sich außerdem darum, den frischgebackenen SWR-Intendanten Peter Boudgoust einzuladen. Die Idee liegt nahe, stammt Boudgoust doch aus den eigenen Reihen.

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Elmar Müller blendete in seinem Festvortrag zurück zu den Anfängen des Stadtverbands. Weil das Oberamt Kirchheim im Jahr 1938 von den Nazis aufgelöst worden war, wurden wesentliche Entscheidungen auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg in Nürtingen gefällt. Auch die Neugründung einer Volkspartei mit evangelischen und katholischen Christen wurde von Nürtingen aus von Hermann Kling und Johannes Sonn betrieben. Sie suchten in Kirchheim nach Mitstreitern.

Am 3. Januar 1946 fand die erste, von rund 400 Gästen besuchte öffentliche Versammlung der christlich sozialen Volkspartei (CSVP), die Mitte Dezember 1945 in Nürtingen gegründet worden war, im Saal zum Adler in Kirchheim statt. Redner war Hermann Kling. Im Mittelpunkt standen die Ziele der CSVP sowie die Gemeinderatswahlen in Kirchheim am 27. Januar 1946. Bei den Wahlen gewann die CSVP 41,7 Prozent der Stimmen und stellte elf Gemeinderäte. Nach einer langen Diskussion auf Bundesebene und einer Versammlung mit Wirtschaftsminister Joseph Andre aus Stuttgart hatte man sich erst wenige Tage vorher für den Namen entschieden, gab das Gründungsziel einer christlich sozialen Volkspartei auf und rief wie in anderen Städten Süddeutschlands eine CDU ins Leben. Der Stadtverband Kirchheim wurde am 6. Februar 1946 im "Goldenen Löwen" und damit fünf Jahre vor dem offiziellen Akt auf Bundesebene gegründet. Vorsitzender wurde Erwin Wiedemann, Stellvertreter Direktor Zizelmann, Schriftführer Otto Müller und Kassierer Hans Busch. Ein Mitglied namens Volz gehörte ebenfalls dem Vorstand an. Bei der Gründungsversammlung waren 20 Personen anwesend. Anderthalb Monate später standen bereits 44 Namen auf der Mitgliederliste.

1956 gründete sich die Ortsgruppe Kirchheim der Jungen Union, 1957 wurde der Kirchheimer Dr. Eugen Gerstenmaier zum Bundestagspräsidenten gewählt, Senator Klaus Scheufelen übernahm den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft wirtschaftspolitischer Ausschüsse. "Für die Bundes-CDU war Kirchheim immer ein wichtiger Teil", betonte Müller. Als Beweis führte er die Besuche der Bundeskanzler Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger in der Teckstadt an.

Den ersten Wechsel an der Spitze des CDU-Stadtverbandes gab es 1961, als Gerhard Spieth den langjährigen Vorsitzenden Erwin Wiedemann im Amt ablöste. Müller würdigte auch die Arbeit der nachfolgenden Vorsitzenden, der CDU-Gemeinde- und -Kreisräte sowie der Kirchheimer Landtags- und Bundestagsabgeordneten. Sie hätten umgekehrt auch vom Zusammenhalt des Stadtverbands profitiert. "Bei Wahlen lagen wir immer im Bundestrend der CDU und haben die bürgerliche Mehrheit repräsentiert", betonte Müller. "Es ist gut, dass nach wie vor Ziele der Gründungsväter verfolgt werden." Als Schlagworte nannte Müller das Bekenntnis zum christlichen Fundament, zur sozialen Marktwirtschaft und die Liberalität untereinander.

Für die vor sechs Jahren an den Kirchheimer Stadtverband angeschlossene Dettinger "Fraktion" erhob Norbert Häuser im Anschluss an Müllers mit viel Beifall quittierte Rede das Wort: "Ich bin froh, dass wir mit dabei sind. Das Spektrum unseres ehemals kleinen Vereins hat sich dadurch beträchtlich erweitert."

Abschließend würdige Michael Hennrich längjährige Mitglieder des CDU-Stadtverbands: Für 30 Jahre Zugehörigkeit ehrte er Rudolf Steger, Alfons Brehm und Hans-Karl Schüle. Für 25-jährige Mitgliedschaft bekamen Helmut Müller, Robert Stork, Wilhelm Kurz sowie Klaus Maihöfer eine Urkunde überreicht.