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"Wir suchen einen Weg, um das Kino zu erhalten"

Die Firma Alfred Speiser Kinobetriebe (ASK) hat überraschend einen Insolvenzantrag gestellt. Betroffen davon sind 17 Lichtspielhäuser, da-runter auch das Kirchheimer Stadtkino. Während für den Nürtinger Kinopalast bereits ein neuer Pächter gefunden worden ist, sind ASK und Insolvenzverwalter für das Kirchheimer Stadtkino noch auf der Suche.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Was im September 2002 mit einem fulminanten Open-Air-Kinoauftakt auf dem Kirchheimer Martinsplatz begann und als neues Kapitel Kirchheimer Kinogeschichte mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht wurde, endete nun mit dem Gang zum Insolvenzgericht. Die Alfred Speiser Kinobetriebe GmbH mit Sitz in Weinheim stellte am Donnerstag Insolvenzantrag.

Der Grund dafür ist vielschichtig und liegt nicht zuletzt an Speisers schwärzestem Kino-Frühling des Jahres 2003 und dem folgenden mörderischen Sommer. Dieser Einbruch ließ den ASK-Hauptinvestor für zum Teil schon begonnene Kinoneubauten den Rückzug antreten. Bis heute sei es nicht gelungen, Ersatz für den ausgefallenen Geldgeber zu finden.

Mietverträge, die zu boomenden Kinozeiten abgeschlossen wurden, hätten nur zum Teil nachverhandelt werden können und führten somit zu weiteren hohen finanziellen Belastungen. In Folge davon blieben einige hoch defizitäre Objekte. Alfred Speiser: "Umstrukturierungsmaßnahmen und eine von Fachleuten unterstützte Sanierung konnten leider nicht mehr vollständig umgesetzt werden."

Zusätzlich brachte das drastische Herabsetzen von Zahlungszielen einiger Filmverleiher die ASK in Zahlungsschwierigkeiten. "Nach einem fast zweijährigen Ringen ist meine Kraft erschöpft und der Gang zum Insolvenzrichter war der einzige Ausweg", so Speiser.

Sein Ziel ist es nun, die rund 200 Arbeitsplätze und die 17 Lichtspielhäuser zu erhalten. Während ihmdies zum Beispiel in Nürtingen bereits gelang, stehen in Kirchheim noch Verhandlungen aus. Den Nürtinger Kinopalast übernahm die Kinopalast Nürtingen Betriebsgesellschaft mit Sitz im pfälzischen Hoppstädten-Weiersbach. Wie deren Gesellschafter und Geschäftsführer Mathias Wild sagte, soll der Betrieb in Kirchheims Nachbarstadt so weiterlaufen wie bisher. Die Geschäftsprognosen für den Kinopalast seien so gut, dass sich Wild und sein Gesellschafter-Kompagnon Oliver Lebert zu einem Engagement in der Neckarstadt entschlossen hätten. Wild und Lebert betreiben Kinos an acht Standorten, darunter auch in München und Idar-Oberstein. Ob als nächster Kirchheim hinzukommt, hängt nicht zuletzt von der Antwort auf die Frage ab, wie gut das Stadtkino in deren Konzeption passt.

Aber auch Alfred Speisers Vorgänger Eberhard Frech könnte sich prinzipiell vorstellen, im renovierten Stadtkino wieder Mainstream-Movies zu zeigen. "Es kommt auf die Konditionen an." Freilich ist er lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass das Kirchheimer Stadtkino mit über 300 Sitzen für eine Kommune in der Größe der Teckstadt "extrem groß" ist. Da muss noch einiges im Hintergrund laufen, damit die Zahlen stimmen. Der Betreiber von Central und Tyroler zeigte sich aber nicht abgeneigt, sich mit Alfred Speiser an einen Tisch zu setzen, "wenn der bei uns anklopft". Frech bedauerte die Insolvenz der ASK. In der Kirchheimer Kinolandschaft habe es keine Konkurrenzkämpfe gegeben. Man habe sich gut arrangiert.

Alfred Speisers Firmengeschichte begann vor rund 20 Jahren. 1986 eröffnete er in Weinheim an der Bergstraße das Moderne Theater. 2001 übernahmen dessen Kinobetriebe eine Vielzahl an neuen Objekten, in die der Multiunternehmer viel Geld steckte. Jetzt sucht er zusammen mit der Würzburger Kanzlei Bildl und Pongratz einen Weg, um den Insolvenzverwalter zu unterstützen. "Es muss für jedes einzelne Lichtspielhaus einen Weg aus der Insolvenz gefunden werden." Nach dem Motto "The Show must go on" wird das Programm auch in Kirchheim weiterlaufen.