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"Wir tun so, als ob wir die Schule von Hand bauen wollen"

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Die insgesamt 1,85 Millionen Euro teure Investition für die Grundschulerweiterung ist nicht wegen gestiegener Schülerzahlen nötig, wie Lenningens Bürgermeister Schlecht bedauerte, sondern um dem jahrzehntelangem Ausharren in Behelfsbauten ein Ende zu bereiten. Dadurch sind auch die Tage gezählt, an denen die Grundschüler den Gang zum stillen Örtchen außerhalb des Gebäudes zurücklegen müssen. "Ein Vorgang, den man eher im Beurener Freilichtmuseum vermuten sollte als auf einem Schulhof", so Michael Schlecht.

In den 80er-Jahren wurden die ersten beiden Klassenräume als Behelfsbauten aufgestellt und Anfang der 90er-Jahre war abzusehen, dass die Räume auch längerfristig nicht ausreichen werden. Weil eine optimale Planung nicht möglich war, und Zuschüsse regelmäßig vom Land abgelehnt wurden, kamen nochmals Provisorien dazu.

Inzwischen konnte die Gemeinde das angrenzende Grundstück kaufen und einer optimalen Planung stand nichts mehr im Wege. Integriert werden darin auch die Räume für den Hort, der mit rund 600 000 Euro zu Buche schlägt. Michael Schlecht bindet die Kosten auch in den Ganztagesschulbereich ein, weshalb er auf eine Gesamtinvestitionssumme von rund 3,65 Millionen Euro kommt. Aus IZBB-Mitteln schießt der Bund knapp 1,2 Millionen Euro zu, das Land beteiligt sich über das Schulbauförderprogramm mit rund 280 000 Euro an dem Projekt. "Dies ergibt für die Gemeinde eine Netto-Investition einschließlich Grunderwerb von über 2,5 Millionen Euro", zeigte der Schultes die Dimensionen auf.

Bei derart vielen Millionen ging auch bei den Grundschülern ein Murmeln durch die Reihen. Wacker hielten sich die Kinder durch all die vielen Grußworte und trugen viel zur lockeren Stimmung bei. Einer unterbrach gar den Bürgermeister, denn er konnte dessen Begeisterung nicht uneingeschränkt teilen. "Ich komm' gar nicht mehr in die neue Schule", bedauerte der Viertklässler in Anbetracht seiner schulischen Laufbahn legte ihm der Schultes ans Herz, trotzdem Wert auf gute Noten zu legen.

Erich Merkle, Leiter der Grund- und Hauptschule, stimmte seine Schützlinge auf das Kommende ein: "Wir Erwachsenen werden uns nachher ein bisschen albern benehmen. Wir nehmen einen Spaten in die Hand und tun so, als ob wir die Schule von Hand bauen wollen das machen wir aber nur wegen der schönen Fotos", so sein kindgerechter Erklärungsversuch bezüglich Spatenstich. Der Erweiterungsbau sei ein gewichtiger Einschnitt. "Für die Grundschule Oberlenningen ist es ein Jahrhundertereignis", zeichnete er die Dimensionen auf. 1907 fand erstmals in diesem Gebäude Unterricht statt, seither hat sich außer den dauerhaften Provisorien nichts Gravierendes verändert. Einziger Wermutstropfen ist für den Rektor, dass die Förderschule im Zuge der Neukonzeptionierung nicht im Heerweg integriert werden konnte.

"Hier wird nicht nur eine Schule gebaut, hinter diesem Bau steht eine Konzeption, die aus einem Guss ist", lobte Dr. Hans-Dieter Pix vom Amt für Schule und Bildung. Der "Chef sämtlicher Grund- und Hauptschulrektoren ringsum", wie Erich Merkle seinen Vorgesetzten den Schülern vorstellte, sprach von mehr Bildungsgerechtigkeit, die dank dieser Investition hergestellt werde. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in einer immer flexibler werdenden Gesellschaft würde durch eine solche Einrichtung ermöglicht.

Markus Gerst, Elternbeiratsvorsitzender der Grund- und Hauptschule, nahm kein Blatt vor den Mund. "Der Volksmund sprach von Baracken und nicht von Provisorien. Die Modernisierung ist notwendig", erklärte er. Der Wandel der Zeit mache diesen Schritt notwendig. Den Reden von Ministerpräsident Oettinger, ihm und damit dem Land Baden-Württemberg sei die Bildung wichtig, schenkt er wenig Glauben. "Wie steht es um die Treueschwüre der Politiker?", fragte er. Speziell im Landkreis Esslingen treibe der Sparwille bizarre Blüten. "Der Spaß hört vollends auf, wenn die Unterrichtsstunden von 45 auf 40 Minuten verkürzt werden sollen", so Markus Gerst.

Lenningen investiert in die Zukunft. "Die Kinder von heute sind die Nutzer und Gestalter von morgen", erklärte Architekt Karl-Albrecht Einselen vom Büro KLE. Die umgebaute Schule wird ausgestattet sein mit vier Klassenzimmern und zwei Kursräumen sowie einem neuen Lehrer- beziehungsweise Verwaltungsbereich. Zudem entsteht ein Hort mit einem großen und kleinen Gruppenraum samt Leiterzimmer. Die Toiletten sind nicht mehr über den Pausenhof, sondern auch bei Regenwetter trockenen Fußes innerhalb des Gebäudes zu erreichen, und durch Verschieben von Faltwänden eines Klassenzimmers entsteht eine Aula. Neu- und Altbau sind durch einen schmalen Zwischenbau verbunden. "Er lässt dadurch dem Denkmal genügend Raum und macht ihm keine Konkurrenz", so der Architekt.

Ehe es zum obligatorischen Spatenstich-Bild für Album und Archiv Richtung Bagger ging, unterhielt der Schulchor mit seinem Lieblingslied einem Sprechgesang die Gäste. Das "Rap-Huhn" brachte nicht nur einen ganzen Bauernhof durcheinander, sondern so manche Hüfte der Zuhörer zum Schwingen und am Ende flogen gar die Baseball-Kappen farbenfroh in den blauen Himmel.