Lokales

"Wir unterscheiden nicht nach Herkunft und Glauben"

Nach längeren Renovierungsarbeiten hat der türkische Kulturverein "Volkshaus Halkevi" seine Türen unter neuer Adresse an der Kirchheimer Alleenstraße geöffnet. Den Mitgliedern stehen nun zwei Aufenthaltsräume und eine Küche zur Verfügung.

BERENIKE NORDMANN

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KIRCHHEIM Eingeladen waren zum Tag der offenen Tür am Samstag neben Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker unter anderem Vertreter verschiedener politischer Parteien, von Amnesty International und dem CJD. CDU-Mitglied Dietmar Hoyler betonte, er habe auch privat Kontakt zu vielen "türkischen Schwaben", wie er sich scherzhaft äußerte. Ihm, wie auch Thomas Mitsch von der WASG, liegen Zusammenarbeit und Integration sehr am Herzen.

Mitsch unterstützt den Kulturverein und hält Kontakt zum "Alevitischen Verein" in Wendlingen. Wichtig sei seiner Partei die Kommunikation der Frauen untereinander, die über das übliche Rezepte-Austauschen hinaus gehen solle, so Mitsch.

Das über zehn Jahre bestehende türkische Volkshaus legt viel Wert darauf, sich nicht von der Öffentlichkeit abzukapseln, sondern mit anderen kulturellen Organisationen und Vereinen zusammenzuarbeiten. "Im Volkshaus werden unter den Mitgliedern keine Unterschiede gemacht, was Religion und Nationalität betrifft", erklärte der Vorsitzende Hasan Savas die demokratische Struktur. Ob Sunniten, ob Kurden niemand wird auf Grund seiner Herkunft oder seines Glaubens gesondert behandelt.

In seiner Dankesrede an Angelika Matt-Heidecker betonte Savas, dass die "Türen und Fenster" des Volkshauses für alle interessierten Bürger offen stehen. Weiterhin bedankte er sich bei Roland Böhringer vom Amt für Familie und Soziales, der sich um die neuen Räumlichkeiten gekümmert hatte.

Die Oberbürgermeisterin ihrerseits hieß die Vereinsmitglieder im neuen Haus willkommen. Der Umzug des Vereins sei ein Thema gewesen, über das der Gemeinderat lange nachgedacht habe. "Uns ist ein sehr guter Wurf gelungen, da sich der Verein nun in unmittelbarer Nähe des Seniorentreffs und des Jugendhauses Linde befindet", erklärte Matt-Heidecker. "Das Volkshaus vermittelt ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Mitgliedern, und ist gleichzeitig offen für die ganze Gesellschaft." Daher hofft sie auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit dem Verein.

Das Volkshaus steht Jugendlichen und Erwachsenen täglich als Treffpunkt zur Verfügung. Neben Gesprächsrunden und gemütlichem Beisammensein organisiert der Verein Familientage und Ausflüge. Er war ausschlaggebende Kraft für eine Demonstration gegen den Irak-Krieg und setzt sich für türkische Arbeitssuchende ein. Zusammen mit anderen Vereinen wurde im vergangenen Jahr eine Ausstellung zum Thema "50 Jahre Immigration" auf die Beine gestellt, die von der Stadt unterstützt wurde.

Teilweise mischt auch der Nachwuchs mit: Der 16-jährige Can hat mit anderen Jugendlichen unter anderem bei einer folkloristischen Tanzveranstaltung mitgewirkt, spielt bei Fußballturnieren mit und kommt etwa drei- bis viermal in der Woche ins Volkshaus. Sinem Savas, die Tochter des Vereinsvorsitzenden, engagiert sich seit etwa fünf Jahren: "An einem typischen Abend im Volkshaus singt man miteinander, oder man kann lernen, die türkische Gitarre zu spielen", erzählte sie. Die 20-Jährige bedauerte aber, dass in den letzten Jahren das Interesse von Jugendlichen zurückgegangen ist und das Durchschnittsalter der Mitglieder eher über 30 liegt. Sie setzt nun auf die Magnetwirkung der neuen Räumlichkeiten.

Der Verein wird finanziert über Mitgliederbeiträge. Natürlich spülen auch Veranstaltungen wie das Stadtfest oder Turniere ein bisschen etwas in die Kasse des Volkshauses. Es ist geplant, im kommenden Jahr einen Schriftsteller einzuladen, der sich zum Thema "Parallelgesellschaften" äußert. Nach der offiziellen Veranstaltung wurde im privaten Kreis weitergefeiert.