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"Wir werden uns am örtlichen Leben beteiligen"

Mit großen Schritten rückt die Eröffnung der Dettinger Verbundschule näher: Für den Unterrichtsstart im Frühjahr laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Der frisch ernannte Rektor der Schule für Sprach- und Körperbehinderte, Reinhart Pulvers, und Elke Bernhardt, Leiterin des Schulkindergartens für Sprachbehinderte, stellten sich, ihre Einrichtungen und Konzepte nun im Dettinger Gemeinderat vor.

BIANCA LÜTZ

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DETTINGEN Vor knapp sechs Jahren fällte der Esslinger Kreistag die Entscheidung, in den "Unteren Wiesen" in Dettingen eine neue Schule für Kinder mit Behinderungen zu errichten. Gründe dafür waren Platzmangel an der Esslinger Rohräckerschule und der oft sehr weite Anfahrtsweg für Schüler aus dem Altkreis Nürtingen.

Im kommenden Frühjahr ist es nun so weit: Wenn alles nach Plan läuft, drücken die ersten Kinder und Jugendlichen zu Ostern die Schulbank im Neubau. "Pädagogisch ist die Verbundschule bereits in Betrieb", informierte Reinhart Pulvers, der seit Beginn dieses Schuljahres Rektor der neuen Schule für Sprach- und Körperbehinderte in Dettingen ist. "Die Kollegen treffen sich regelmäßig zu Konferenzen, haben über die Ausstattung beraten und stellen nun Überlegungen zur Konzeption an", berichtete er im Dettinger Gemeinderat und lobte das große Engagement aller: "Die Motivation im Kollegium ist unheimlich hoch."

Die Dettinger Verbundschule umfasst zwei Abteilungen, eine für Sprachbehinderte und eine für Körperbehinderte. Außerdem wird der Schulkindergarten für Sprachbehinderte mit in den Dettinger Neubau gelegt. Der Schulkindergarten, der seine Räume derzeit noch in Kirchheim hat, ist eigenständig, gleichzeitig aber enger Partner der Verbundschule. Leiterin der Einrichtung ist Elke Bernhardt. Rund 80 Kinder und ihre Lehrer ziehen im Frühjar in die Dettinger Verbundschule. Reinhart Pulvers rechnet zunächst mit vier Klassen für Sprachheilschüler im Grundschulalter und sechs Klassen für Schüler mit Körperbehinderung bis zum Alter von 18 Jahren oder sogar älter. "Nach Dettingen kommen aber nur solche Körperbehinderte, die gleichzeitig auch geistig bis schwerstmehrfachbehindert sind", erläuterte er. Langfristig sollen rund 120 Kinder und Jugendliche die Schule besuchen.

Als der Posten des Rektors für die neue Verbundschule ausgeschrieben wurde, stand für Reinhart Pulvers gleich fest, dass er sich bewerben wird: "Diese Schule reizt mich sehr", erzählte der Lenninger. Eine Kombination von Sprachheilschule und einer Abteilung für Körperbehinderte sei in Baden-Württemberg äußerst selten: "Das ist eine Herausforderung und eine große Chance", glaubt Pulvers. So erwartet er nicht nur von der räumlichen Kombination, sondern auch von der Integration beider Schülergruppen in Tagesablauf und Unterricht positive Synergieeffekte.

Seit zehn Jahren leitet Reinhart Pulvers die Stuttgarter Bodelschwingh-Schule für geistig Behinderte. Davor unterrichtete er 26 Jahre lang als Sonderschullehrer an der Esslinger Rohräckerschule. Bis zur Eröffnung der Dettinger Verbundschule im Frühjahr übt Pulvers noch zur Hälfte sein Amt in der Bodelschwinghschule aus und widmet 50 Prozent seiner Arbeitszeit der neuen Einrichtung im Lenninger Tal.

Neben den Schülern der Verbundschule zieht auch der Schulkindergarten für Sprachbehinderte in die Unteren Wiesen. Die Einrichtung ist eng verbunden mit der Sprachheilschule, die nun in der Dettinger Verbundschule aufgeht. "Zehn Kinder zwischen vier und sieben Jahren besuchen den Schulkindergarten", berichtete Elke Bernhardt. Die Institution richtet sich an Jungen und Mädchen im Kindergartenalter, die sprachliche Defizite haben. Dazu gehören beispielsweise Störungen der Aussprache, Redeflussstörungen wie Stottern oder auch Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Gleichzeitig bietet die Einrichtung auch Beratung, ambulante Kurse und Diagnostik an. "Unser Ziel ist es, die Kinder in die Regelschule zurückzuführen", sagte Elke Bernhardt. Oft kämen Kinder mit negativen Erfahrungen aus Regelgruppen. Im Sprachkindergarten sei es oberstes Ziel, dass die Kinder sich wohlfühlen: "Der emotionale Aspekt ist sehr wichtig", betont Elke Bernhardt. Nur so sei es möglich, Sprache und Kommunikation zu fördern. Elke Bernhardt wohnt in Oberlenningen und ist seit 1980 im Schuldienst. Sie war an der Eröffnung des Schulkindergartens für Sprachbehinderte in Kirchheim beteiligt und arbeitete dort jahrelang als Gruppenleiterin.

Reinhart Pulvers und Elke Bernhardt legen großen Wert darauf, das ihre Einrichtungen in der Schlossberggemeinde kein Inseldasein führen. "Wir werden uns in Dettingen zeigen und uns auch am örtlichen Leben beteiligen", versprach Reinhart Pulvers und sprach damit Bürgermeister Rainer Haußmann und den Gemeinderäten sämtlicher Fraktionen aus dem Herzen. So sei geplant, dass die Schüler auch am Vereinsleben teilnehmen und mit der Grund- und Hauptschule am Ort kooperieren. Die Jugendlichen aus der Verbundschule könnten künftig sowohl das Hallenbad als auch die Jugendverkehrsschule nutzen, während die Schule im Gegenzug den Dettinger Vereinen ihre Räume zur Verfügung stellt.

"Wir freuen uns auf eine Zusammenarbeit mit Ihnen", sagte Rainer Haußmann und betonte: "Es ist wichtig, offen aufeinander zuzugehen und eventuelle Berührungsängste abzubauen." Er zeigte sich begeistert vom städtebaulichen Ansatz in den Unteren Wiesen und stellte fest: "Die Schule steht am richtigen Platz." Überzeugt zeigte sich der Schultes auch davon, dass die Integration gelingen wird spätestens nach den ersten gemeinsamen Festen, Veranstaltungen oder auch Gottesdiensten.