Lokales

„Wir wollten eine besondere Atmosphäre schaffen“

Vier Millionen Euro in Plätze für Demenzkranke und „Servicewohnungen“ im „Haus an der Teck“ investiert

Immer mehr Menschen leiden an Demenz – auf diesen Trend hat man jetzt auch in Dettingen reagiert und im „Haus an der Teck“ einen neuen Wohnbereich für Demenzkranke geschaffen. Für Leute, die selbstständig leben und dennoch eine gewisse Sicherheit haben möchten, wurden außerdem sogenannte Servicewohnungen gebaut.

Anzeige

heike allmendinger

Dettingen. In dem hellen, freundlichen und großen Raum sitzen einige ältere Menschen beieinander und blicken zu der Frau, die ihnen abwechselnd einen bunten, weichen Ball zuwirft. Andere Senioren wiederum gehen umher, unterhalten sich oder schauen einfach nur durch eines der großen Fenster hinaus in die Natur.

Elf Frauen und drei Männer leben derzeit in dem neuen Wohnbereich für Demenzkranke im „Haus an der Teck“ in Dettingen, der mit jeweils 16 Quadratmeter großen Einzelzimmern, einer Gemeinschaftsküche sowie gemeinsamen Ess- und Wohnzimmerecken ausgestattet ist. Hinzu kommt in den nächsten Wochen eine Gartenanlage mit Bänken und einem Pavillon. „Wir wollten den Bereich wohnlich gestalten und eine besondere Atmosphäre schaffen“, betont Martin Schäfer, Regionaldirektor der evangelischen Heimstiftung. Deshalb habe man eine Künstlerin engagiert, die auf die Wände im Ess- und Wohnzimmerbereich großflächige Bilder angebracht hat. Im Wohnzimmer ist antikes Mobiliar aufgestellt, ein Kronleuchter hängt von der Decke, auf den Schränken stehen ein altes Radio und eine Schreibmaschine. „Die Einrichtung haben wir bewusst so gewählt, um bei den Bewohnern Erinnerungen wachzurufen“, erklärt Martin Schäfer.

Im April des vergangenen Jahres war Spatenstich für den Wohnbereich, in dem 15 demenzkranke Menschen untergebracht werden können. „Die Leute sollen im Heim selbstständig leben. Deshalb versuchen wir, auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen“, betont der Regionaldirektor. „Der Schwerpunkt liegt dabei nicht auf der Pflege, sondern auf der Betreuung.“ Und dazu gehöre zum Beispiel auch, mit den Bewohnern Ballspiele zu machen oder mit ihnen gemeinsam einen Kuchen zu backen.

Doch nicht nur der Wohnbereich für Demenzkranke ist neu im „Haus an der Teck“: Das Angebot wurde auch um 20 sogenannte Servicewohnungen erweitert, die in einem eigens auf dem Areal des Pflegeheims gebauten Gebäude untergebracht sind. In diesen Wohnungen leben die Bewohner zwar selbstständig, „aber sie können die Infrastruktur des Pflegeheimes nutzen und sie haben ein hohes Maß an Sicherheit“, erklärt Martin Schäfer. So sind in allen Zimmern der Servicewohnungen Notfallklingeln angebracht. Und es gibt eine „24-Stunden-Überwachung“: „Wenn 24 Stunden kein Wasser läuft, dann wird im Haupthaus Alarm ausgelöst“, erzählt Martin Schäfer. Außerdem können die Bewohner beim Mittagessen oder bei Veranstaltungen im Heim Kontakte knüpfen.

Sowohl der Bereich für Demenzkranke, für den knapp 900 000 Euro investiert wurden, als auch die Servicewohnungen, deren Bau 3,1 Millionen Euro kostete, wurden jüngst offiziell eingeweiht. Von den Servicewohnungen, die aus zwei oder drei Zimmern bestehen, sind schon 17 vermietet. Die meisten Mieter – das sind vor allem Ehepaare, aber auch Geschwister und eine Frau mit ihrer Mutter – sind bereits eingezogen, berichtet Martin Schäfer.

Zwar habe es während der Bauzeit keine Beschwerden der Bewohner über Lärm gegeben, betonte der Regionaldirektor – dafür kam jedoch ein anderes Problem auf: Denn für das Gebäude mit den Servicewohnungen musste eine Birkenallee weichen, in der die Heimbewohner gerne spazieren gegangen sind. „Für viele war es zuerst ein Schock, dass die Allee verschwindet“, sagt Martin Schäfer. „Aber ich habe den Eindruck, dass die ,Trauer‘ jetzt überstanden ist und dass das Neue positiv gesehen wird.“